Flüchtlinge in Fürstenfeldbruck Stadtrat gegen Bezirksregierung: Zoff um Nachfolge der Bayernkaserne

Nur bis Ende 2016 steht das Gelände im Münchner Norden für die Flüchtlingsunterbringung zur Verfügung – wie es weitergeht, ist unklar. Foto: Marc Möller/dpa

Der ehemalige Fliegerhorst „Fursty“ in Fürstenfeldbruck ist bisher die einzige Option – der Stadtrat opponiert.

 

München – Die Zeit drängt inzwischen sehr: Die ehemalige Bayernkaserne im Münchner Norden soll Ende 2016 geräumt werden, denn die Stadt plant dort ein neues Wohnquartier. Nun muss also eine Nachfolge-Einrichtung her.

Im Gespräch ist der ehemalige Fliegerhorst „Fursty“ in Fürstenfeldbruck. Er ist bereits eine Dependance der Erstaufnahmeeinrichtung, in einem Teil der Anlage sind seit 2014 Flüchtlinge untergebracht. Die Regierung von Oberbayern erklärte aber auf AZ-Anfrage, die Prüfung dauere noch an.

„Eine Entscheidung für eine künftige Nutzung von ,Fursty’ als Kurzaufnahme der Aufnahmeeinrichtung München ist noch nicht gefallen“, sagte ein Sprecher. Daher gebe es bisher weder Umbaupläne noch eine Zeitschiene für einen Umbau. Eine Alternative zu „Fursty“ prüft die Bezirksregierung nach eigenen Angaben nicht.

Ein großes Problem ist allerdings auch noch ungelöst: Will man das Zentrum am Fliegerhorst ausbauen, müsste der bisherige Mieter des restlichen Geländes Raum abgeben – das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Fürstenfeldbruck.

Das hatte bereits 2014 Gebäudeteile an die Regierung von Oberbayern abgegeben. Vor zwei Monaten stellte die Bezirksregierung dann den Antrag, weitere Gebäude im Westen der derzeitigen Unterkunft übernehmen zu können. Dort ist aber, wie 2014 angekündigt, inzwischen ein Teil des Zentrums für Luft- und Raumfahrtmedizin untergebracht.

Es seien Alternativpläne durchgesprochen worden, sagt ein Insider – darunter auch, die Flüchtlinge in Containern auf der „Fursty“-Anlage unterzubringen. Das hätten aber mehr als 100 werden müssen; diese Idee wurde verworfen.

Der Stadtrat stellt Forderungen - und eine Alternative zu "Fursty" gibt es ja nicht

Erst dann wurde die Stadt Fürstenfeldbruck eingeschaltet, die in diesem Szenario immerhin die Rolle Münchens als zentrale Erstaufnahme übernehmen sollte. Der Stadtrat lehnte in einem einstimmigen Beschluss das Ansinnen der Bezirksregierung für zusätzliche Räumlichkeiten grundsätzlich ab.

Für eine mögliche Einigung – immerhin gibt es ja keine Alternative – stellt er Forderungen, zum Beispiel eine zeitliche Begrenzung der Einrichtung und eine Obergrenze der Asylbewerber, die niedriger liegen soll als die jetzigen 1600. „Die Stadt geht von einer Obergrenze von 1000 aus“, sagt Stadtrat Herwig Bahner (CSU), auch Leiter des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums Fürstenfeldbruck. Außerdem müsse sichergestellt sein, dass keine weiteren Sammelunterkünfte in der Stadt entstünden.

Die Regierung von Oberbayern, die es deutlich mehr Geld kosten würde, einen Teil des Militärs anders unterzubringen, als eine neue Einrichtung zu bauen, muss diese Interessen nun zusammenbringen.

„Das bringt für Flüchtlinge mehr Nachteile als Vorteile“

Die Innere Mission München, die in der Bayernkaserne und deren Außenstellen für die Sozialbetreuung zuständig ist, kritisiert ihrerseits die „Fursty“-Pläne: „Damit geht die soziale Infrastruktur verloren, die sich über Jahre gebildet hat“, sagt Andrea Betz, Leiterin der Abteilung Flüchtlingshilfe, Migration und Integration. „Das bringt für Flüchtlinge weitaus mehr Nachteile als Vorteile.“

 

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