Finanzierung ungeklärt Neue Münchner U-Bahnlinie U9: Wer zahlt die halbe Milliarde?

Ein Blick in die Zukunft: So soll die U9-Haltestelle am Hauptbahnhof im Jahr 2037 aussehen. Foto: MVG

Der Münchner Stadtrat äußert sich positiv zu den konkreteren Plänen für die zukünftige U9. Nur die Ungewissheit über die Finanzierung wird kritisiert.

 

München – Sie soll zwar erst 2037 fertig sein, doch am Mittwoch wird es konkreter denn je: Dann soll der Stadtrat im Wirtschaftsausschuss über den sogenannten "Vorhaltebahnhof" – eine Haltestelle im Rohzustand – beschließen. Und die Mittel dafür bereitstellen.

Es geht um 393 Millionen Euro für den Vorhaltebahnhof und um 100 Millionen Euro für die weitere Planung der U9 – für den Zeitraum zwischen 2020 und 2025.

Dass der Vorhaltebahnhof jetzt mit recht großer Eile beschlossen werden muss, hat einen triftigen Grund: Er muss dringend parallel während des Baus der Zweiten Stammstrecke entstehen. Denn wenn die S-Bahnstrecke einmal fertig ist, wäre es quasi unmöglich, im Nachhinein eine Verbindung mit dem U9-Bahnhof herzustellen.

Deshalb warnt FDP-Fraktionschef Michael Mattar: "Wenn wir den Vorhaltebahnhof für die U9 nicht schon jetzt beschließen, dann ist es zu spät und wir können die ganze Entlastungsspange vergessen."

Die neue U9: Von Sendling nach Schwabing

Auf 10,5 Kilometern soll die U9 künftig Sendling und Schwabing verbinden, mit sechs Stationen zwischen Implerstraße und Münchner Freiheit. Hierfür ist der Bau von fünf neuen U-Bahnhöfen notwendig. Das Ziel ist, die überfüllten Linien U3 und U6 zu entlasten.

Über die Notwendigkeit streitet niemand. Sehr wohl jedoch über die ungeklärte Finanzierung. So kritisiert Stadtrat Paul Bickelbacher (Grüne): "Wie die U-Bahn gefördert wird, muss sich noch zeigen." Natürlich komme der Stadtrat nicht umhin, den Vorhaltebahnhof auch ohne geklärte Förderung zu finanzieren. Das Problem: Die Finanzierung richtet sich nach der sogenannten "Standardisierten Bewertung", die vorsieht, dass der Nutzen eines ÖPNV-Projektes in einem bestimmten Verhältnis zu den Kosten stehen muss. Das wäre bei der U9 nicht der Fall.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte nach einem Spitzentreffen, unter anderem mit OB Dieter Reiter (SPD), im Juli angekündigt, diese Bewertung auf Bundesebene ändern zu wollen und somit zumindest in Ballungszentren wie München für große ÖPNV-Projekte einen größeren Spielraum zu schaffen.

Noch gibt es keine konkreten Zusagen

OB Reiter hat im August in einem Brief an Scheuer geschrieben, dass die jetzige Finanzierung des Vorhaltebahnhofes von der begründeten Annahme ausgehe, dass seitens des Bundesverkehrs- und Finanzministeriums die angekündigte Gesetzesinitiative bald auf den Weg gebracht werde.

Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher ist das noch viel zu unsicher, sagt er der AZ. Er hätte sich konkretere Zusagen erhofft.

Stadtrat Johann Sauerer (CSU) sieht das optimistischer. Nach einem Besuch von Scheuer in der CSU-Rathaus-Fraktion gehe er stark davon aus, dass es bald eine konkrete Kostenzusage geben werde. Der Vorlage zur U9 – samt der Kosten von 393 Millionen Euro für den Vorhaltebahnhof plus 100 Millionen Euro für die weitere Planung der Linie – könne er nur voll zustimmen.

Der Vorhaltebahnhof ist entscheidend für die Planung

Auch Stadtrat Jens Röver (SPD) nimmt an, dass die Stadt die Zusage für die Fördergelder vom Bund bekommen wird. Er fasst zusammen: "Der Vorlage werden wir als SPD am Mittwoch zustimmen. Der geplante Vorhaltebahnhof ist entscheidend für die weitere Planung der U-Bahnlinie."

Die bisherige Planung für die U9 sieht vor, dass östlich der Theresienwiese, am Esperantoplatz, ein zweiter Wiesn-U-Bahnhof entstehen soll. Die bisherigen Stationen Impler- und Poccistraße sollen zusammengelegt und durch einen Neubau ersetzt werden. In Schwabing wiederum ist ein neuer U-Bahnhof bei den Pinakotheken und einer am Elisabethplatz geplant. Die Stationen an der Theresienstraße und der Münchner Freiheit sollen erweitert werden. Die Gesamtkosten nach derzeitiger Schätzung: 3,5 Milliarden Euro.

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