Finale gegen Tottenham Hotspur Schicksalsspiel in der Champions League für Jürgen Klopp: Traum oder Trauma?

Will mit dem FC Liverpool die Champions League gewinnen: Jürgen Klopp Foto: Dave Thompson/PA Wire/dpa

"Ich will unbedingt gewinnen", sagt Jürgen Klopp zum Champions-League-Finale gegen Tottenham. Die Fakten sprechen klar für den Coach des FC Liverpool – wäre da nicht dessen miese Endspiel-Bilanz.

 

Liverpool/Madrid - In England ist Jürgen Klopp längst Kult. Die Fans des FC Liverpool lieben und besingen "the Normal One" und vergleichen ihren deutschen Coach schon mit den größten Trainer-Helden der Vereinsgeschichte: Bill Shankly oder Bob Paisley. Doch das Wichtigste fehlt Klopp noch: Titel. Silberware. Dinge eben, die gute Arbeit am Ende der Saison auch belohnen. Am Samstag im Finale der Champions League (21.00 Uhr/Sky und DAZN) gegen Tottenham hofft Klopp nun auf den ersten großen Coup mit dem LFC, den er in den vergangenen drei Jahren zu einem europäischen Spitzenteam geformt hat.

"Die Welt da draußen erwartet von uns, dass wir das Finale gewinnen. Von mir persönlich erwarten das viele Leute vielleicht noch ein bisschen mehr", sagte Klopp: "Ich will das Spiel unbedingt gewinnen, aber ich will das nicht für mich. Ich will das für meine Spieler, für diesen großartigen Klub."

Champions-League-Finale: Vieles spricht für Liverpool

Dafür, dass es diesmal endlich klappen könnte, spricht so einiges. Die "Reds" haben schon zweimal in der Premier League mit 2:1 gegen Tottenham gewonnen, sie haben die vermeintlich besseren Spieler und sie haben auf dem Weg ins Finale mit Paris Saint-Germain, dem FC Bayern und dem FC Barcelona die noch größeren Namen besiegt. "Ich habe noch nie mit einem besseren Team in einem Finale gestanden", erklärte Klopp.

Nur kümmern den Gegner aus Tottenham diese Dinge nicht. "Ich habe keine Angst vor dem FC Liverpool. Sie haben auch nur elf Spieler auf dem Feld", erklärte Tottenhams Moussa Sissoko. Vor allem eine Tatsache dürfte den Spurs Mut machen: Klopp kann kein Finale. Sieben Mal stand der Deutsche schon in einem Endspiel, sechs davon verlor er. Die AZ blickt zurück auf alle Klopp-Finals und erklärt, warum es dieses Mal klappen könnte.

12. Mai 2012, DFB-Pokal-Finale - Borussia Dortmund - FC Bayern 5:2:

Das erste Endspiel ist gleich das erfolgreichste. Klopp und der BVB demütigen den Rekordpokalsieger in Berlin und schicken die Bayern mit bangem Gefühl ins Champions-League-Finale dahoam. Überragender Akteur auf dem Platz mit drei Toren (für den BVB) war übrigens ein gewisser Robert Lewandowski.

25. Mai 2013, Champions-League-Finale - FC Bayern - Borussia Dortmund 2:1:

Das zweite Finale als Beginn eines Fluches? Für Klopp ist es jedenfalls eine der bittersten Niederlagen. Die Bayern revanchieren sich für zwei titellose Jahre auf der größtmöglichen Bühne. Der Trainer kündigte an, wieder angreifen zu wollen. "Wann das ist, weiß ich nicht", sagte er. Seither kam der BVB in der Königsklasse nicht mehr über das Viertelfinale hinaus.

17. Mai 2014, DFB-Pokal-Finale - Borussia Dortmund - FC Bayern 0:2 n.V.:

Wieder ein Pokal-Finale mit dem BVB, wieder heißt der Gegner FC Bayern. Die Schwarz-Gelben kämpfen sich nach 90 Minuten in die Verlängerung, dort entscheiden Arjen Robben (107.) und Thomas Müller (120.) die Begegnung. Bitter: In der regulären Spielzeit wird ein klarer Treffer des (Noch-)Dortmunders Mats Hummels aberkannt.

30. Mai 2015, DFB-Pokal-Finale - Borussia Dortmund - VfL Wolfsburg 1:3:

Das letzte Spiel mit dem BVB. Klopp und die Schwarz-Gelben schaffen es nach einer verkorksten Saison noch ins Pokal-Endspiel. Zuvor hatte der Coach seinen Abschied aus Dortmund angekündigt. "Der letzte Traum, den ich noch habe, ist noch einmal mit einem guten Grund um den Borsigplatz zu fahren", erklärte er. Es wird nichts draus.

28. Februar 2016, Finale im englischen Ligapokal - FC Liverpool - Manchester City 1:3 i.E.:

Weniger als ein Jahr später ist Klopp Teammanager in Liverpool, doch die Final-Seuche setzt sich in England fort. Gegen den Favoriten Manchester City gleicht sein Team einen 0:1-Rückstand aus, doch im Elfmeterschießen haben die Citizens die besseren Nerven.

18. Mai 2016, Europa-League-Finale - FC Liverpool - FC Sevilla 1:3:

Schon drei Monate nach der Ligapokal-Pleite ergibt sich die nächste Chance. Im Endspiel wartet Seriensieger FC Sevilla. Klopps Team führt zur Halbzeit 1:0, doch am Ende platzt er wieder, der große Traum von der Silberware.

26. Mai 2018, Champions-League-Finale - Real Madrid - FC Liverpool 3:1:

Die jüngste Final-Pleite ist die vielleicht schmerzhafteste für den Trainer. In seinem zweiten Champions-League-Finale ist kein geringerer als Real Madrid der Gegner. Liverpool hält gut mit, doch nach einer Verletzung des Superstars Mohamed Salah, zwei kapitalen Blackouts des deutschen Keepers Loris Karius sowie einem spektakulären Fallrückzieher-Treffer von Gareth Bale zerschlägt sich Klopps Traum vom Henkelpott.

Und der 1. Juni 2019, das Champions-League-Finale gegen Tottenham? Nicht nur der erneute Sprung ins Endspiel, auch die beste Ligasaison der Vereinsgeschichte zeigt: Klopps Team ist noch stärker geworden – und erfahrener. "Die Medizin, die beschissen schmeckt", so hatte Klopp das verlorene Endspiel Anfang der Woche bezeichnet.

Ganz Liverpool hofft, dass sie Wirkung zeigt.

 

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