Filmpreis der Stadt München Gerhard Polt ehrt Gisela Schneeberger

Gisela Schneeberger und Gerhard Polt am Montag im Filmmuseum. Foto: Agentur Schneider-Press / W. Breiteneicher

Gisela Schneeberger erhält den Filmpreis der Stadt München – und Gerhard Polt hält die Laudatio

 

Es ist nicht schwer, einen Preis sympathisch-bescheiden entgegenzunehmen. Aber es ist eine Kunst, diese Bescheidenheit so originell und lustig auszudrücken wie Gisela Schneeberger. Sie erhielt als erste Schauspielerin den Filmpreis der Landeshauptstadt München, der das herausragende Gesamtwerk von Filmschaffenden ehrt. Er wird nur alle drei Jahre verliehen und wurde bisher meist an Regisseure und Produzenten vergeben.

Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) überreichte den Preis am Montag im Filmmuseum der Schauspielerin, die „mit ihren herausragenden Leistungen zum Ruf der Filmstadt München beigetragen“ habe. Strobl hatte sich zur Vorbereitung ihrer launigen Rede eigens Gisela Schneebergers aktuellen Kinoauftritt in „Eine ganz heiße Nummer 2.0“ angesehen: „Da hat man auch als Sozi mal was zum Lachen gehabt“, sagte Strobl.

Fadiseuse mit dem Charme eines Knäckebrots

Bei der Preisverleihung war’s nicht anders – wie auch, wenn Gisela Schneeberger die Geehrte und Gerhard Polt der Laudator ist? Er arbeitet seit den Siebzigern mit Schneeberger zusammen, unter anderem in der Wahnsinnskomödie „Kehraus“ und der mindestens ebenso guten TV-Serie „Fast wia im richtigen Leben“.

Polt würdigte in seiner feinen, liebevollen Rede die Fähigkeit seiner Spielpartnerin, in eben diesem richtigen Leben eine „Antenne für das Unauffällige“ zu haben, für das, was alle anderen übersehen. Etwa eine Trambahn-Passagierin, die ihre Ledertasche durchwühlt, zunehmend fahrig und ungeduldig. Schließlich leert sie alle Habseligkeiten aus, obwohl die Haltestelle immer näher rückt, sucht immer fiebriger und verzweifelter – und gewinnt schließlich den selbstauferlegten Kampf gegen die Zeit und die Unordnung der Dinge: Sie findet das Bonbon.

Ein solches Dramolett des Alltags wäre niemandem aufgefallen, „gäbe es da nicht das Wahrnehmungsvermögen der Gisela Schneeberger“, so Polt. Sie sei eine „Empfindungskünstlerin“, die versteckte „Ambitioniertheit“ und „kryptische Gemeinheit“ aufspüre – und all das auch mit großem Reichtum spielen könne. Sie habe die Fähigkeit, eine „Fadiseuse mit dem Charme eines Knäckebrots so darzustellen, dass man die Luft anhält vor Begeisterung, weil man von der dargebotenen Belanglosigkeit so gefangen ist, dass man sich der Faszination des Nichts nicht mehr entziehen kann“.

Das Preisgeld schon ausgegeben

Und sie habe tausend Minitragödien „den Trost des Komischen“ gegeben: „Wir lachen, aber nicht aus.“ Polt verabschiedete sich dann mit dem Hinweis, dass man einen neutraleren Redner als ihn nicht hätte finden können. Und wandte sich zur Geehrten: „Gisela, ich könnte weiterhin noch viel erzählen, aber dann müsste ich dich loben, und das wollte ich vermeiden.“

Schneeberger freute sich dennoch: Sie habe den Preis vorher zwar gar nicht gekannt, aber die Auszeichnung sei eine „Riesenehre“. Schöner wäre nur gewesen, wenn sie das Preisgeld erst bei dieser Verleihung erhalten hätte. Es wurde aber schon vorher überwiesen, und inzwischen habe sie die 10 000 Euro wohl in aller Euphorie schon ausgeben.

Sie erzählte dann sehr charmant, wie sie als Freimanner Mädchen zur Schauspielerei fand. Lag es an ihrem unerfüllten Wunsch, an Fasching Prinzessin sein zu dürfen? Sie musste sich aus praktischen Gründen als Zwerg verkleiden oder als Bäcker, „weil’s schon einen weißen Schlafanzug gab“. Oder lag’s an den beiden Freimanner Kinos? Oder an den Film-Dreharbeiten in einem Freimanner Haus, vor dem sie darauf wartete, einen Blick auf Barbara Rüttig werfen zu können? Die tauchte nicht auf, und die Welt des Films wurde nur noch geheimnisvoller.

Ehrung im Filmmuseum

Sie sei dann an der Münchner Schauspielschule genommen worden und habe immer wieder die richtigen Leute getroffen, etwa Franz Xaver Kroetz, der sie als seine „Maria Magdalena“ besetzte. Eine Schauspielkarriere sei letztlich Glücksache: Andere seien genauso gut gewesen und hätten einfach weniger Glück gehabt, hätten nicht die richtigen Leute kennengelernt. Aber damit der Bescheidenheit nicht genug: „Es gab damals so wenig Schauspieler“, sagt Schneeberger. Und die Auszeichnung, wegen der sie sich nun wie eine „Hochstaplerin“ fühle? Sie habe den Verdacht, sagt sie, „dass ich den Preis nur gekriegt habe, damit der Gerhard Polt als Laudator auftritt“.

Doch Polts Lobrede hätte es noch nicht mal gebraucht, um zu unterstreichen, welch treffliche Wahl die Jury getroffen hat, auch nicht Christine Strobls Aufzählung all der Filme und Serien, in denen Gisela Schneeberger mitspielte: „Bin ich schön?“, „Wir sind die Neuen“, „Franzi“ oder „Im Schleudergang“. Gereicht hätte schon einer der Filmausschnitte, die dem Publikum im Filmmuseum gezeigt wurden.

Da öffnet Gisela Schneeberger als Elli das Abschiedsgeschenk ihres Liebhabers, des „Monaco Franze“. Doch zu ihrem rasenden Unglück, das sie in gespielt-übertriebener Freude ausdrückt, packt sie weder etwas für den Hals noch für den Finger aus – sondern „eine Seife, eine so eine schöne Seife“. Allein wegen dieser Rolle hat Gisela Schneeberger jeden Filmpreis der Welt verdient.  
 


 
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