Film auf Sat.1 zu Schlecker Sky du Mont: Das sagt er über die "Schlikkerfrauen"

Sky du Mont lässt in "Die Schlikkerfrauen" die Hosen runter Foto: Sat.1

Vor zwei Jahren beherrschte die Schlecker-Pleite die Schlagzeilen in ganz Deutschland. Jetzt versuchte Sat.1 mit der Komödie "Die Schlikkerfrauen" das Geschehene auf lustige Weise zu verarbeiten. spot on news sprach mit Darsteller und FDP-Mitglied Sky du Mont über die damalige Rolle seiner Partei und warum er den Angestellten zur Seite gesprungen wäre.

 

München - 2012 erschütterte die Insolvenz der Drogeriemarkt-Kette Schlecker die Nation. Zehntausende Menschen wurden durch langjähriges Managementversagen in die Arbeitslosigkeit entlassen. Jetzt versuchte der Sender Sat.1, die Pleite auf humoristische Art und Weise im Fernsehfilm "Die Schlikkerfrauen" aufzuarbeiten. Die Nachrichtenagentur spot on news sprach mit Hauptdarsteller Sky du Mont (67, "Otto's Eleven") über die damalige Rolle seiner Partei FDP und die Untätigkeit der Politiker, aber auch über die Dreharbeiten mit Annette Frier und Katharina Thalbach.

Im Sat.1-Film "Die Schlikkerfrauen" wird die Schlecker-Pleite von 2012 humoristisch aufbereitet. Ist das die richtige Herangehensweise für solch ein ernstes Thema, das Zehntausende von Jobs gekostet hat?

Du Mont: Das ist eine sehr berechtigte Frage. Es gibt zwei Perspektiven: Eine Tragödie hat von außen betrachtet immer auch etwas Komisches. Stichwort: der weinende Clown.

Und die Zweite?

Du Mont: Die Leute wollen unterhalten werden. Wenn sie in den ersten fünf Minuten drei Mal schmunzeln und einmal lachen, dann bleiben sie dran. Wenn in einem Fernsehfilm zu diesem Thema schluchzende Frauen präsentiert werden, würde keiner zusehen.

Sie spielen den Eigentümer Theo Schlikker, angelehnt an die reale Figur Anton Schlecker. Versuchen Sie, den ehemaligen Konzernleiter zu kopieren oder zu parodieren, oder ist es eine eigene Figur, die nur einen ähnlichen Namen trägt?

Du Mont: Ich kopiere ihn nicht, das wäre gar nicht möglich. Parodieren schon eher. Aber nicht den echten Anton Schlecker, sondern die Figur, die einen Unternehmer symbolisiert, der als Metzgerlehrling anfing, ganz nach oben kam, sich alles wieder kaputt gemacht hat und tatsächlich komplett selbst dran schuld ist.

Was wird Herr Schlecker denken, wenn er den Film sieht?

Du Mont: Wahrscheinlich Ähnliches, wie wenn Sky du Mont eine schlechte Kritik über sich selbst liest: Er nimmt es nicht ernst!

Sie werden im Film von Mitarbeitern entführt, die sich gegen die Pleite wehren. Das Thema Entführung ist in der echten Familie Schlecker kein Neues: In den 80er-Jahren wurden die Kinder entführt, im Film nun Sie als Vater. Ist das nicht gewagt?

Du Mont: Ich muss zugeben: Das ist schon ein bisschen grenzwertig - aber es ist dennoch Fiktion. Er hat sich durch sein Verhalten in den letzten Jahren angreifbar gemacht. Dann muss man mit so etwas leben.

Vermissen Sie die Schlecker-Filialen in Deutschland?

Sky du Mont: Nein, weil es Ersatz gibt. Ich gehe wahnsinnig gerne zu Budni, unsere Drogeriemarkt-Kette hier in Hamburg. Da bin ich sicher einmal die Woche und kaufe Rasierschaum, Zahnpasta, Duftkerzen, Schokoladeneier...

Immerhin hat Schlecker die Optik der deutschen Innenstädte über Jahrzehnte geprägt. Ein Stück Geschichte ging damit verloren. Für Sie nicht?

Du Mont: Die Katastrophe der Pleite ist passiert, weil Herr Schlecker sich zurückgelehnt hat und sich vielleicht gedacht hat: "Die Läden laufen - das geht immer so weiter."

Warum ist die Konkurrenz vorbeigezogen?

Du Mont: Die Gänge waren zu eng, die Pampers in der falschen Abteilung. Schlecker war einfach nicht mehr zeitgemäß. Es wurden riesige Fehler gemacht, die Kunden sind scharenweise zur Konkurrenz gelaufen. Das war im Übrigen auch ein Punkt, der mich an der Rolle interessiert hat.

Haben Sie Mitleid mit den entlassenen Schleckerfrauen?

Du Mont: Absolut! An jedem der Angestellten, die arbeitslos wurden, hingen mindestens zwei Personen dran. Partner, Kinder etc. Auch die Gegenden, in denen die Arbeitsplätze wegfielen, waren meist strukturschwach. Vielen blieb nur die Hoffnungslosigkeit.

Sie sind Mitglied der FDP und engagieren sich für die Partei. Soll der Staat solche Pleiten verhindern?

Du Mont: Das was da ablief, geht gar nicht. Diese Menschen hätten Hilfe verdient gehabt. Wenn der Chef vermutlich seine Schäfchen ins Trockene gebracht hat und dann mehr als 30.000 Frauen arbeitslos werden und keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt haben, umso mehr. Wenn man bedenkt, für was der Staat sonst Geld raushaut, für nichts und wieder nichts...

Ihre Partei sah das komplett anders, der damalige FDP-Chef Philipp Rösler sprach von "Anschlussverwendung" und musste harte Kritik einstecken.

Du Mont: Diese Bemerkung fand ich äußerst schlecht gewählt. Ich kenne ihn persönlich: Er ist ein kluger Mann und hat Herz. Das war wahrscheinlich nur ein blöder Spruch. Wir alle sagen Dinge, die wir hinterher bereuen. Der Staat muss Bedürftige auffangen, deshalb zahle ich auch meine Steuern.

Sie haben es im Film mit toughen Frauen zu tun, darunter auch Annette Frier und Katharina Thalbach. Wie war die Zusammenarbeit?

Du Mont: Die Arbeit war sensationell und professionell. Annette zum Beispiel hat mir immer irgendwas an den Kopf geworfen, auch mal eine Klopapier-Rolle.

Und mit Frau Thalbach?

Du Mont: Da ist beim Dreh etwas ganz Interessantes passiert. Beide Figuren respektieren und mögen sich irgendwie, obwohl das nicht unbedingt beabsichtigt war. Irgendwie ist da etwas vor der Kamera entstanden. Das Stockholm-Syndrom, nur andersherum. Ich hoffe, das kommt auch beim Zuschauer so an.

 

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