"Wir sind froh, dass wir leben" Au: Feiger Brandanschlag auf Obdachlosenlager an der Reichenbachbrücke

, aktualisiert am 05.04.2018 - 18:12 Uhr
Vier obdachlose Bulgaren hatten sich unter der Reichenbachbrücke ein Lager errichtet. Dieses wurde nun Ziel eines feigen Anschlags. Foto: job

In der Au wurde in der Nacht auf Donnerstag das Obdachlosenlager in Brand gesetzt. Die Bewohner konnten sich retten, mussten aber mit ansehen, wie ihr Lager komplett abbrannte.

 

Au - Alles, was bis Mittwochabend unter der Reichenbachbrücke noch lag oder stand, ist angekokelt oder zu einer stinkenden, undefinierbaren Masse geschmolzen: alte Matratzen und Schlafsäcke, Tüten mit zerschlissener Kleidung, Essensvorräte.

Das Wenige, das die Menschen besessen haben, die hier schliefen, ist verloren. "Wir haben nichts mehr", sagt Herkoles F. (53) gestern zur AZ. "Auch unsere Papiere und Dokumente sind verbrannt." In der Nacht zum Mittwoch haben zwei Personen – vermutlich Männer – das von der Stadt geduldete Obdachlosenlager unter der Reichenbachbrücke mutwillig angezündet.

"Wir haben geschlafen", berichtet Angel D. (61) der AZ. "Mein Sohn hat mich geweckt. Er schrie: 'Wir müssen hier weg! Schnell! Es brennt!'" Von allein, sagt er, wäre er wohl nicht aufgewacht. "Ich bin froh, dass ich noch lebe!"

Bewohner können sich retten

Der Bulgare und seine beiden Landsleute, die zu diesem Zeitpunkt ebenfalls unter der Brücke geschlafen hatten, konnten sich alle in Sicherheit bringen. Aus sicherer Entfernung mussten sie zusehen, wie ihre Sachen von den Flammen zerstört wurden. Die Feuerwehr löschte den Brand dann.

Kurz vor 1 Uhr hatte ein Tourist (33) aus Karlsruhe, der noch an der Isar gesessen hatte, einen lauten Knall gehört. Als er zu der Brücke sah, stand das Lager der Wohnungslosen bereits in Flammen. Der Zeuge alarmierte die Polizei und die Feuerwehr.

Schaltet sich nun die Mordkommission ein?

Augenzeugen hatten in unmittelbarer Nähe zwei etwa 25 Jahre alte Männer gesehen. Sie hält die Polizei für die Brandstifter. Denn einer von ihnen hatte laut Zeugen einen brennenden Gegenstand in der Hand – wohl ein bengalisches Feuer. Auch sollen die Männer Gegenstände der Obdachlosen in die Flammen geworfen haben.

Brandfahnder sicherten gestern Spuren. Die Polizei prüft derzeit noch, ob sie auch wegen eines versuchten Tötungsdeliktes ermittelt. In diesem Fall würde sich auch die Mordkommission einschalten. 

Die Polizei beschreibt die Täter folgendermaßen:

Beide Täter sollen rund 25 Jahre alt sein. Einer der beiden trug eine dunkle Kapuzenjacke, der andere Sportbekleidung und eine ausgewaschene, hellblaue Trainingsjacke. 

Zeugenaufruf:

Personen, die sachdienliche Hinweise zu dem Brand unter der Reichenbachbrücke und zu den beiden tatverdächtigen Personen geben können, werden gebeten, sich mit dem Polizeipräsidium München, Kommissariat 13, Tel. 089/2910-0, oder jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.


Der Fall erinnert fatal auf einen anderen Brand-Anschlag auf einen Obdachlosen: Im November 2017 zündeten zwei Italiener die Habseligkeiten eines schlafenden Obdachlosen am Hauptbahnhof an, nur das beherzte Eingreifen eines Passanten rettete den Mann. Besonders tragisch: Der Wohnsitzlose wurde rund vier Wochen nach dem überlebten Anschlag bei einem Unfall von einem Bus überrollt und tödlich verletzt.

 

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