Feinde innerhalb des Vereins Daniel Bierofka: Wie ernst denkt er an Abschied vom TSV 1860?

Löwen-Coach Daniel Bierofka. Gibt es Kräfte, die gegen ihn arbeiten? Foto: picture alliance/Matthias Balk/dpa

Daniel Bierofka vermutet, dass gegen ihn aus dem "inneren Kreis" bei Sechzig intrigiert wird. Er zieht sich erstmal aus der Öffentlichkeit zurück und überlässt auch das Training seinem Assistenten.

 

München – Daniel Bierofka ist ein ehrlicher, leidenschaftlicher Mann. Wenn der Trainer der Sechzger etwas auf dem Herzen hat, muss es raus. Derzeit brodelt es in ihm ganz gewaltig – möglicherweise mit fatalen Folgen für die Löwen.

"Lange schaue ich mir das nicht mehr an. Das weiß ich." So lauteten Bierofkas schon jetzt vielzitierten Worte, die der 40-Jährige nach dem 4:2-Heimsieg des TSV 1860 gegen Viktoria Köln im Konferenzraum des Grünwalder Stadions ins Mikro sprach. Doch was meint Sechzigs Coach und welche Konsequenzen sind nach der Drohgebärde zu befürchten? Bierofka nahm Bezug auf einen Bericht im "Kicker", in dem Teile aus der Mannschaft Kritik an seiner Arbeit geäußert hätten. Der Coach wiederum wittert im "inneren Kreis" der Sechzger einen Maulwurf. Einen, der gezielt Informationen streut, um dem Trainer zu schaden. Den gilt es ausfindig zu machen: Maulwurf gesucht.

Gefährliches Schweigen beim TSV 1860

Seit diesem verbalen Ausbruch herrscht Schweigen. Gefährliches Schweigen, denn: Bierofka denkt nach AZ-Informationen ernster denn je über seinen Abschied nach.

"Bierofka steht derzeit nicht für Interviews oder sonstige Fragen zur Verfügung. Ich bitte daher, keine entsprechende Anfragen an unseren Cheftrainer zu stellen", erklärte der Verein gestern. Nicht einmal an der Grünwalder Straße tauchte er auf, wo das Training für gewöhnlich Chefsache ist. Diesmal leitete es Assistent Oliver Beer. Bierofka schottet sich ab. Bereits Ende der abgelaufenen Saison hatte er – auch aufgrund drohender Perspektivlosigkeit – einen Abgang in Betracht gezogen. Wie die AZ erfuhr, leiden sowohl Bierofka selbst, als auch seine Familie unter der Tatsache, dass er von innen heraus bekämpft zu werden glaubt. Sechzigs Konsolidierungskurs – aus Präsidiumssicht "alternativlos" – stellte für den Aufstiegshelden von 2018 nach der Rückkehr aus der Regionalliga in den Profifußball einen Hemmschuh dar.

Gegen sachliche Kritik hat Bierofka nichts einzuwenden

Dennoch kämpfte Bierofka unter großem Einsatz im Aufsichtsrat für die Löwen. Mit Hilfe von Hauptsponsor "die Bayerische", privater Gönner und auch Investor Hasan Ismaik konnte am Ende ein schlagkräftiger Kader zusammengestellt werden. Trotz des tobenden Machtkampfs der Vereinsbosse mit Ismaik hielt ein Hauch des proklamierten Mottos "vereinen statt spalten" Einzug. Auch mit Kritik – intern wie extern – kann Bierofka eigentlich umgehen. Sachlich-fachliche Anregungen "nehme ich an und will immer dazulernen", sagte Bierofka der AZ kürzlich.

Aber ein Feind in den eigenen Reihen, der jede Angriffsfläche Bierofkas gegen diesen zu nutzen versucht? Kein Wunder, dass aufgrund der neusten Entwicklungen die Vertrauensbasis zu dem ein oder anderen Vereinsfunktionär auf Giesings Höhen Brüche bekommt. Geschäftsführer Günther Gorenzel war auf AZ-Nachfrage ebenso schnell darum bemüht, Bierofka volle Rückendeckung zu geben, wie Vizepräsident Hans Sitzberger im "Merkur". Dort wird sogar Vereinspräsident Robert Reisinger, der ein unterkühltes Verhältnis zum Trainer pflegt, mit den Worten zitiert: "Das Präsidium steht voll und ganz hinter Bierofka." Gänzlich anders klang dies zum Ärger Bierofkas in einer Stellungnahme im September, als besagtes Gremium unnötigerweise seinen Abschied und sein Gehalt thematisiert hatte.

Bierofka dürfte jedenfalls lieber Taten sehen als Worte. Seine Mannschaft ließ ihn zuletzt nicht im Stich: Sowohl beim 1:2 in Rostock trotz Zwei-Tore-Rückstand, wie zuhause gegen Köln bewiesen die Spieler das, was ihr Noch-Trainer andernorts vermisst: Moral.

 

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