Feierverbot in Miesbach Jugendliche protestieren gegen Alkoholverbot

„Spezi macht auch Scherben“: Mit Transparenten protestieren Jugendliche in der Miesbacher Innenstadt gegen das geplante Verbot von Bierkonsum im Freien. Foto: Ralph Hub

Immer mehr Gemeinden im Oberland verhängen ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen. Vor allem junge Leute wallen sich das nicht gefallen lassen

 

Miesbach -  Da rutscht manchem Honoratioren glatt die Kinnlade runter: Die sonst so brave Landjugend muckt auf. 100 Teenager machten am Dienstagabend in Miesbach ihrem Ärger Luft – ein Protest gegen das geplante Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen. Nach Tegernsee und Schliersee wollen jetzt auch Miesbacher Politiker ein gemütliches Bier mit Freunden auf der Parkbank verbieten.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns das Bierchen klaut!“, skandieren rund 100 Jugendliche. Mit Musik und Transparenten ziehen sie durch die Straßen. „Wir werden kriminalisiert und vertrieben“, ärgert sich Paul, ein 21-jähriger Student. „Nicht alle haben das Geld, sich jedesmal in einer Kneipe mit Freunden zu treffen“.

Mangels Alternativen treffen sich die Miesbacher Jugendlichen an bestimmten Plätzen – an der Riviera, einer Grünanlage, auf dem Parkplatz am Bahnhof oder am Habererplatz. Dort trinken sie Bier oder auch härtere Sachen. Auch am Dienstagabend lassen am Denkmal am Habererplatz ein paar Schüler die Flaschen kreisen. „Wenn sie dann besoffen sind“, erzählt eine Anwohnerin, „krakeelen sie herum. Am nächsten Morgen liegen überall Glasscherben und Müll herum.“

Misstrauisch verfolgen die Honoratioren im Bräuwirt am Marktplatz das Spektakel. „A Demo, des hat’s bei uns ja no nia gebn“, brummt einer und nimmt einen tiefen Schluck aus seinem Weißbierglas. Auch Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) kann der Demo nichts Gutes abgewinnen: „Lieber wäre es mir, wir könnten gemeinsam mit den Jugendlichen eine Lösung finden.“ Weiter den Saufgelagen im Ort zusehen will sie nicht.

„Ein Alkoholverbot wird die Probleme verlagern, aber nicht lösen“, meint Vize-Bürgermeister Paul Fertl (SPD). Diese Erfahrung hat man ein paar Kilometer südlich in Schliersee gemacht. Die wilden Feten wurden weniger, ganz im Griff hat man das Problem bis heute nicht. „Wer erwischt wird, zahlt 50 Euro Strafe“, sagt Jörn Alkofer, Geschäftsführer der Gemeinde Schliersee.

Vor dem Amtsgericht hat einer kürzlich geklagt. Mit mäßigem Erfolg. Das Gericht reduzierte die Strafe um mickrige zehn Euro. Das Schlierseer Alkoholverbot an öffentlichen Plätzen gilt nicht nur am See oder im Kurpark, sondern überall, das ganze Jahr– rund um die Uhr.

Am Tegernsee wurde am Freitag ein Alkoholverbot eingeführt. Allerdings gilt es nur am Schweighof, einer Grünanlage zwischen Rottach und Tegernsee, werktags von 20 Uhr bis 6 Uhr. „Es wurde immer schlimmer“, berichtet Hans Staudacher von der Gemeinde Tegernsee. „Die Jugendlichen kamen fast jeden Abend, einmal verheizten sie sogar einen Gartenzaun.“

Auch in Holzkirchen veranstalteten Jugendliche am Bahnhof wüste Besäufnisse. Den Alkohol besorgten sich im Bahnhofsbistro oder einem Supermarkt, bis die Behörden durchgriffen: Die Polizei erteilte rund 20 Jugendlichen einen Platzverweis.

Man habe handeln müssen. Das sei man den Urlaubsgästen schuldig gewesen, heißt es in den Rathäusern der drei Gemeinden. „Die Damen und Herren trinken doch auch gerne eine Maß“, betont Christine, eine junge Auszubildende, die den Protest in Miesbach organisiert hat.

Besonders ärgert die Jugendlichen, dass das Alkoholverbot zwar für ihre Feten, nicht aber für die zahlreichen Vereins-, Sommer- und Seefeste gilt. „Klar, da verdienen ja Wirte und Vereine mit“, ereifert sich Christoph (17). Heute berät der Stadtrat. Das Alkoholverbot steht diesmal noch nicht auf der Tagesordnung, deshalb kann am Donnerstag auch nichts beschlossen werden. Bis zum Sommer soll aber eine Entscheidung fallen.

 

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