FCBB-Trainer im AZ-Interview Oliver Kostic: "Ich kann mir vorstellen, für immer zu bleiben"

Oliver Kostic: "Wir wollen offensiv effizienter werden, bessere Ideen, Würfe und vor allem bessere Resultate bekommen." Foto: sampics/Augenklick

Oliver Kostic spricht über seine Beförderung zum Cheftrainer der Bayern-Basketballer, die Probleme des Teams, Parallelen zu Hansi Flick und sein Verhältnis zu Marko Pesic, dessen Trauzeuge er ist.

 

München - Oliver Kostic (47) arbeitet seit 2014 beim FC Bayern Basketball und ist nun zum Headcoach aufgestiegen.

AZ: Herr Kostic, wie haben Sie die zehntägige Pause genutzt, die Sie mit dem FC Bayern Basketball hinter sich haben?
OLIVER KOSTIC: Die Pause war das Beste, was uns passieren konnte. Wir hatten zum ersten Mal in dieser Saison die Chance, den Spielern ein paar Tage freizugeben. Um sich physisch und mental etwas zu erholen, mal etwas Abstand zu gewinnen. Die Spieler kommen jetzt frischer zurück, wir konnten mal ein paar Tage hintereinander trainieren. Das ist eine Chance für mich, unser Konzept weiter zu verankern. Deshalb hoffen wir schon, dass wir trotz einiger physischer Probleme gewisse Dinge jetzt auch in den nächsten Spielen sehen werden.

Was genau?
Da geht es um viele Details – defensiv und offensiv. Wie wir zuletzt schon gezeigt haben, wollen wir weiter mit mehr Geschwindigkeit spielen und zum Beispiel unsere Ballverluste reduzieren. Wir wollen offensiv effizienter werden, bessere Ideen, Würfe und vor allem bessere Resultate bekommen.

Schon am Freitagabend (20.30 Uhr, Magenta Sport) gegen Efes Istanbul, den Euroleague-Tabellenführer?
Efes ist momentan das beste Team der Euroleague, einer der Favoriten für das Final Four und mehr. Gegen so eine große Mannschaft zu spielen, ist eine großartige Herausforderung. Wir wollen ein gutes Spiel abliefern und zeigen, dass wir gegen jedes Team mithalten können. Wenn wir über 40 Minuten konzentriert, fokussiert und physisch da sind, können wir sie auch schlagen.

"Wir schauen nicht auf die Tabelle"

Wie fällt Ihr erstes Fazit als Chefcoach aus nach bisher vier Siegen und acht Niederlagen?
Es war eine harte Zeit, weil gleich ein Spiel nach dem anderen auf uns zukam – und das gegen die härtesten Gegner. Da war es schwierig, "mood and mode", also Stimmung und Modus, zu verändern. Wir mussten zwischen den Spielen versuchen, Kleinigkeiten anzupassen, um wieder wettbewerbsfähig zu sein, was unser oberstes Ziel war. Dass wir auch in der Euroleague mithalten können, haben wir jetzt in allen Spielen gezeigt und auch, dass die Mannschaft zurück ist, auch wenn wir noch unsere Probleme hatten. Eins davon war, dass wir verletzungsbedingt auf sehr wichtige Spieler verzichten mussten und müssen. Wir wollen unser Spiel jetzt aber trotzdem auf das Level zu bringen, um über 40 Minuten wettbewerbsfähig zu sein. Ob in der Bundesliga oder Euroleague.

Dort ist Bayern Letzter.
Ehrlich gesagt, schauen wir gerade nicht auf die Tabelle, denn mit dem Platz, auf dem wir stehen, ist niemand zufrieden. Wenn du Spiele verlierst, gibt es in jedem Team Frustration. Wir arbeiten daran, die zu überwinden, auch mental wieder stärker zu werden. Wir wollen keinen bestimmten Platz erreichen, sondern in jedem Spiel auf dem Court unser bestes Gesicht zeigen.

In der Bundesliga klappt das bislang deutlich besser.
Da wollen wir unsere Tabellenführung verteidigen, unser Spiel aber auch verbessern. Wir müssen bereit für die Playoffs sein, die bald auf uns zukommen werden. Wir wollen unseren Titel erneut verteidigen.

Oliver Kostic: "Trainer zu sein, heißt auch Lehrer zu sein"

Haben Sie eigentlich mittlerweile einen neuen Vertrag als Chefcoach unterschrieben?
Nein, ich habe ja einen bestehenden Vertrag mit dem Verein. Mein Fokus liegt voll auf der Mannschaft und darauf, wie ich sie verbessern kann. Ich bin schon eine lange Zeit hier, der Verein ist wie meine zweite Familie für mich. Die Worte und das Vertrauen zwischen uns sind für mich mehr wert als das Papier. Wenn die richtige Zeit dafür kommt, werden wir darüber sprechen.

Würden Sie gerne auch in der kommenden Saison Head-Coach des FC Bayern bleiben?
Ich möchte jetzt erst mal mit Bayern aus dieser Saison noch eine gute machen. Ich arbeite schon lange und in verschiedenen Rollen als Coach. Trainer zu sein, heißt auch Lehrer zu sein. Das Wichtigste für mich ist, dass ich die Spieler bestmöglich unterstützen kann – unabhängig von meiner genauen Position. Aber ganz grundsätzlich ist es schon mein Ziel, als Headcoach zu arbeiten.

Damit sind Sie nach wie vor in einer ähnlichen Situation wie Hansi Flick bei den Fußballern des FC Bayern, oder?
Jedes Mal, wenn das jemand erwähnt, muss ich lächeln, denn ich schaue sehr positiv auf diese Parallele zwischen den Fußballern und den Basketballern. Ein interessanter Zufall. Ich würde Hansi Flick sehr gerne demnächst mal persönlich kennenlernen.

Um sich Tipps zu holen?
Warum nicht? Generell im Sport und speziell im Fußball und Basketball gibt es viele Ähnlichkeiten. Es geht darum, eine Mannschaft zu coachen und die Beziehung zwischen Trainer und Spielern. Die Psychologie ist ähnlich. Ich tausche meine Erfahrungen im Sport gerne mit anderen Trainern aus. Und wie für Hansi Flick ist Kommunikation auch für mich ein Schlüssel bei der Arbeit mit der Mannschaft.

Kostic: "Der Klub ist wie eine große Familie"

Sie und Marko Pesic, der Geschäftsführer des FC Bayern Basketball, sind privat eng befreundet. Sie sind sogar sein Trauzeuge. Macht das die Arbeit leichter oder schwieriger?
Wir kennen uns schon sehr lange, als er noch Spieler und ich ein junger Coach war. Über die Jahre hat sich ein sehr enges Verhältnis zwischen uns und unseren Familien entwickelt. Wir können das private und berufliche Verhältnis aber ganz gut trennen, auch wenn das Berufliche momentan ziemlich überwiegt (lacht). Außenstehende könnten das vielleicht kritisch sehen, wir haben aber ein sehr professionelles Verhältnis. Das Wichtigste sind Verantwortungsbewusstsein, Respekt und genau zu wissen, was professionell und was privat ist. Und das wissen wir. Der Verein hat in dieser Situation nach der besten Option gesucht. Deshalb ist das jetzt eine große Ehre und Möglichkeit für mich.

Was haben Sie von Marko Pesics Vater Svetislav, dessen Assistenzcoach Sie bei Virtus Rom (2005) und Dynamo Moskau (2007) waren, gelernt?
Ich habe drei Jahre mit "Sveti" gearbeitet. Er ist für mich mehr als nur ein Coach. Ich habe viel von ihm gelernt – und zwar nicht nur im Basketball, sondern auch fürs Leben.

Sie sind bereits seit 2014 im Verein. Wie lange haben Sie noch vor, hierzubleiben?
Hier nach München zu kommen, das Jugendprogramm und die zweite Mannschaft mit aufzubauen, war eine großartige Herausforderung für mich. Eine Chance, als Coach etwas Nachhaltiges zu schaffen. Jetzt bin ich schon sechs Jahre hier. Alleine das zeigt schon, wie wichtig Bayern für mich und meine Familie ist. Wir fühlen uns im Verein und in der Stadt so wohl, dass wir wirklich das Gefühl haben, vielleicht für immer hierbleiben zu können. Der Klub ist wirklich wie eine große Familie und ich genieße es jeden Tag sehr, Teil davon zu sein.

Lesen Sie hier: Die Probleme der kraftlosen Bayern-Basketballer

 

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