FC Bayern Verkehrte Welt: FC Bayern jagt den 1. FC Nürnberg

Bayern-Präsident Uli Hoeneß ist bekennender Bratwurstfan. Foto: Petra Schramek

Erstmals seit Menschengedenken rangiert der 1. FC Nürnberg vor einem Derby in der Tabelle vor Rekordmeister FC Bayern. Grund genug, einen – nicht völlig ernst gemeinten – Vergleich zu ziehen.

 

MÜNCHEN Das 53. bayerische Derby zwischen dem FC Bayern und dem 1. FC Nürnberg wird nicht nur für Fußballfans eine spannende Angelegenheit. Auch die Wissenschaft wird am Sonntag (17.30 Uhr, Liveticker bei abendzeitung.de) genau hinschauen, denn es steht ein Experiment an: „Macht euch in München unsterblich!“, forderten die Club-Fans nach dem letzten Erfolgserlebnis. Ein Tick Übermut spielt da mit, andererseits steht der Club tatsächlich besser da als der Rekordmeister: 18 Punkte, bei Bayern sind es nur 16. Verkehrte Welt! Zeit, sich die Wechselbeziehungen zwischen Franken und Bayern anzusehen. Der Crossover-Check:

Import/Export

168 Kilometer sind es von der Säbener Straße bis zum Valznerweiher, 62 Minuten braucht der ICE von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof. Ein Nichts in unserer hochbeschleunigten Zeit. Kein Wunder, dass zwischen den beiden Klubs seit Jahren eine Transferpolitik der kurzen Wege herrscht. Gingen Hansi Dorfer und Manni Schwabl früher noch den Weg von der Isar an die Noris, so wechselten Hoffnungsträger wie Alain Sutter oder Michael Wiesinger in die andere Richtung – wo sie ihre Star-Hoffungen bald begraben mussten.

Auch in der Neuzeit ist auf der A9 einiges los. Der FC Bayern hat im Club den idealen Aus- und Fortbildungsklub ausgemacht: moderne Infrastruktur, ordentliches Lehrpersonal, verlässliche Absprachen. So machten in der vergangenen Winterpause die Bayern-Bankdrücker Breno und Andreas Ottl rüber und wurden nach dem Klassenerhalt schweren Herzens wieder ziehen gelassen. Heuer spielt Nachwuchs-Star Mehmet Ekici statt an der Grünwalder Straße lieber im Easy-Credit-Stadion - um im Sommer wieder an der Säbener Straße sein Glück zu versuchen.

Integration

Hochaktuell, die Sache. Aber die Integration schon immer ein Thema, gerade zwischen Bayern und Franken. Selbst Ministerpräsidenten beißen sich da die Zähne aus: Günther Beckstein wurde schon nach einem Jahr aus der Staatskanzlei in München verjagt, vielleicht auch, weil sich First Lady Marga wehrte, ein Dirndl zu tragen. Ja, wo sammer denn?

Stefan Reuter dagegen bekam das zunächst prima hin: wechselte vom Club zu Bayern, wurde unfallfrei dreimal Meister und einmal Weltmeister, und zog dann in die große weite Welt: nach Turin und – nun ja – Dortmund. Die Re-Integration beim TSV 1860 missriet dagegen.

Auch der weltweit wohl bekannteste Franke tat sich nicht immer leicht in München, weder in der ersten (1984-88) noch in der zweiten (1992-2000) Periode: Lothar Matthäus holte zwar Titel en masse, wurde vom damaligen Manager Uli Hoeneß final aber mit den Worten bedacht: „Der wird bei uns nicht mal Greenkeeper." Logisch: Matthäus hat ja auch Raumausstatter gelernt. Missverständnisse, wohin man schaut.

Als Musterbeispiel für die gelungene Integration zwischen den Stämmen gilt dagegen Uli Hoeneß, der Schwabe. Der beendete beim FCN nicht nur seine Karriere, sondern gründete dort auch noch seine Wurstfabrik, deren Erzeugnisse mittlerweile sogar bei Aldi USA zu haben sind, von der McDonald’s-Weltneuheit „Nürnburger“ ganz zu schweigen. Irgendwann hört der Spaß aber auf. Für das Derby am Sonntag hat Hoeneß angesichts der Tabellenlage angekündigt: „Es gibt kein Erbarmen für den Club.“

Spaßfaktor

Da gibt der Holländer mit dem warmen Bayern-Mantel (Louis van Gaal) natürlich 740 Mal mehr her als der notorische Schweiger aus Castrop-Rauxel (Dieter Hecking). Lustig auch das ewige Auf und Nieder des Clubs: Man weiß ja selten, in welcher Liga Nürnberg gerade spielt. Während Bayern einfach immer Meister wird, ist beim Club der ständige Wechsel die einzige Konstante. Panta Rhei! Klar vorne liegen die Nürnberger was fröhliche Trainerrauswürfe angeht. Allein Ex-Präsident Michael A. Roth schaffte 15 Kündigungen, Respekt! Dagegen geht’s bei Bayern zu wie im Streichelzoo. Naja, fast.

Thomas Becker

 

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