FC Bayern „Uli hat uns gestoppt“

Klaus Schulz war der erste Basketballstar der Bayern – bis die Bosse das Projekt beerdigten.

AZ: Herr Schulz, Sie waren mal so sauer auf den FC Bayern, dass Sie aus dem Verein ausgetreten sind.

KLAUS SCHULZ: Das stimmt. Es war eine Trotzreaktion. Nach zwei Jahren bin ich aber wieder zurückgekommen.

Was war passiert?

In den Achtzigern hatte mich der damalige Präsident Willi Otto Hoffmann gefragt, ob ich als Abteilungsleiter die in der dritten Liga dahin dümpelnden Basketballer in die erste Liga bringen könnte. Das habe ich auch geschafft. Leider musste „Champagner-Willi“ gehen – und sein Nachfolger Fritz Scherer und Manager Uli Hoeneß haben das Projekt sofort gestoppt. Aus Wut bin ich dann aus dem Verein ausgetreten.

Wie hat es Sie überhaupt nach München verschlagen?

Mit Alemannia Aachen haben wir damals ein Vorrundenspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen Bayern gespielt und haushoch gewonnen. Von den ersten 22 Punkten habe ich 19 gemacht. Bei einem Bier danach hat der Hoffmann zu mir gesagt: ‚Kommen Sie doch nach München’ Und das habe ich gemacht.

Was haben Sie vorgefunden, als Sie zu den Bayern kamen?

Uralte Strukturen. Die Basketballabteilung bestand aus zwei Funktionären. Für die erste Mannschaft war eigentlich nichts da. Durch den Pokalerfolg 1968 hat sich das dann geändert. Es kamen neue Spieler hinzu und die Strukturen wurden aufgebrochen. Von Profibedingungen konnte aber keine Rede sein.

Sie waren der erste deutsche Spieler, der ins Ausland gewechselt ist.

Das war fantastisch. Ich habe eine Saison für Estudiantes Madrid gespielt. Die Erfahrung in so einem basketballverrückten Land war schon besonders. Als ich zurück nach Deutschland kam, konnte ich fließend Spanisch sprechen. Heute leider nicht mehr.

Wie hat sich der Basketball im Gegensatz zu Ihrer Zeit verändert?

Wenn man sich die Athletik anschaut, ist da ein himmelhoher Unterschied. Wir haben früher 0815-Training gemacht und auch nur zweimal die Woche trainiert. Nach den Spielen haben wir dann auch noch gesoffen (lacht).

Die heutigen Bayern-Spieler verdienen mehrere Hunderttausend. Ist man da neidisch?

Überhaupt nicht. Ich konnte nebenbei meine Kanzlei aufbauen, die ich heute noch habe. Auf das Geld habe ich auch keinen großen Wert gelegt. Mir wurde eine Zwei-Zimmer-Wohnung gestellt und habe ein paar Mark im Monat verdient. Zum Leben hat's gereicht.

Bastian Schweinsteiger ist Edelfan der Basketballer. Wie war das bei Ihnen früher mit den Fußballern?

Beckenbauer, Müller oder Olk haben uns auch zum Essen eingeladen. Da gab’s schon Kontakt. So was fand ich nett. Das ist heute ja nicht anders. Es ist ja nicht nur Schweinsteiger, der Alaba hat letztes Jahr auch immer mal wieder zugeschaut.

Sie waren früher selbst mal ein guter Fußballer.

Ich war sogar der bessere Fußballer. Mit 16 Jahren habe ich bei Alemannia mit so Spielern wie Jupp Derwall trainiert. Dann habe ich mich schwer am Kopf verletzt und lag zwei Tage im Koma. Mein Arzt hatte mir verboten, weiter Sport zu treiben, doch das habe ich nicht akzeptiert. Er hat gemeint, es gibt eine Sportart, bei der Körperkontakte nicht erlaubt seien. Schon war ich beim Basketball.

Sie haben in Ihrer Funktion als Rechtsanwalt Ihren ehemaligen Mitspieler John „Slim“ Thornton verteidigt.

Er hatte in einer Bar jemanden erschossen. Die Verhandlung war auch für mich als Rechtsanwalt ein toller Erfolg. Er war angeklagt wegen Mordes und rausgekommen ist eine Verletzung mit Todesfolge.

 

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