FC Bayern: Trainer im Interview Heynckes: "Noch einen draufsetzen"

Trainer Jupp Heynckes. Foto: dpa

Hier erzählt Jupp Heynckes vom Leben auf dem Bauernhof und warum er „ein Naturmensch“ ist, in München aber in der Stadt wohnt. Und spricht, man wird ja träumen dürfen, vom Henkelpott.

 

AZ: Herr Heynckes, haben Sie schon ein Zuhause gefunden – eines neben der Säbener Straße?

JUPP HEYNCKES: Wir sind in einer Wohnung in der Stadt. Meine Frau Iris ist auch hier, aber sie pendelt, weil wir ja außerhalb von Mönchengladbach unseren umgebauten Bauernhof haben. Mein Zuhause ist dort, wo meine Arbeitsstätte ist. Meine Frau und ich haben eine ganz besondere Beziehung zu München seit unserem ersten Aufenthalt ab 1987. Wenn ich hier arbeite, ist hier mein Lebensmittelpunkt. Das ist emotional sehr wichtig. Wo ich bin, ist mein Zuhause.

Sind Sie denn überhaupt ein Stadtmensch?

Nein, eigentlich nicht. Auf all meinen Stationen habe ich in der Peripherie oder außerhalb gewohnt. Wenn ich nach Hause komme, möchte ich eben Ruhe haben.

Was passiert mit dem Bauernhof in den zwei oder mehr Jahren?

Mein Bruder ist da, er wohnt dort in einer Einliegerwohnung. Platz ist dort genug. Wir haben zwei Katzen, einen Schäferhund – und die sollen ja nicht alleine sein. Wenn es möglich ist, wenn ich mal einen freien Tag habe, werde ich auch mal an den Niederrhein fliegen. Felix Magath zum Beispiel ist ja von Gelsenkirchen auch immer mal zu seiner Familie, zu seinem Lebensmittelpunkt München geflogen.

Sie sind gebürtiger Mönchengladbacher, haben in München gelebt, in Spanien. Welche Orte sind für Sie speziell?

Es gibt in Deutschland zwei wunderschöne Städte. Hamburg und München. Unsere Tochter lebt in Hamburg, wir besuchen sie hin und wieder. Und München hat eben eine besondere Anziehungskraft. Damals während meiner ersten Station hier hatte ich fast immer mittwochs frei und wir sind dann rausgefahren, etwa nach Salzburg oder an den Tegernsee. Da draußen in der Natur fängt ja das pure Leben an.

Sind Sie ein Bergmensch?

Ich würde sagen: Ich bin ein Naturmensch, wir wohnen in Mönchengladbach ja direkt am Waldrand. Da kann ich mit Cando (der Schäferhund, d.Red.) wunderbar spazieren gehen. Ich liebe die Natur, ich liebe Tiere. Ich habe dort mal einen Fuchs gesehen, Rehe gibt es da oder Eichhörnchen. Wildschweine auch, aber die habe ich nicht gesehen, die kommen immer nachts. Wenn man die Seele baumeln lassen will, ist das ganz wunderbar. Ich bin ein Mensch, der seine Kraft aus der Natur zieht. Die Frauen gehen lieber shoppen, da muss ich dann hin und wieder auch mit, das ist klar – auch wenn ich das nicht so gerne mache.

Von München aus könnten Sie mal eine Bergtour machen.

Ich habe ein neues Kniegelenk, das wäre nicht so glücklich, wenn ich so was machen würde. Im Trainingslager am Gardasee bin ich zwei Mal auf den Fahrrad-Ergometer und habe dazu meine Stabilisationsübungen gemacht, das geht alles. Gerade in diesem Job muss man sich auch als Trainer etwas betätigen, sonst ist man nur in diesem Trichter drin. Es geht mir gut.

Auch in Bayern gibt es schöne Bauernhöfe. Überlegen Sie, nach Ende Ihrer Trainerlaufbahn – wann immer das sein mag – ein zweites Objekt zu kaufen und hier sesshaft zu werden?

München ist ein teures Pflaster (lacht). Vielleicht am Tegernsee, in der Einliegerwohnung von Uli Hoeneß (lacht noch lauter). Nein, im Moment wäre das vermessen, zu sagen, wir planen dann nach zwei Jahren, weiter hier zu bleiben. Wir fühlen uns im Rheinland sehr wohl, von Schwalmtal ist man schnell am Flughafen in Düsseldorf. Außerdem haben die Städte Köln und Düsseldorf ja auch einiges zu bieten.

Als die Nationalspieler Freitag vor einer Woche aus dem Urlaub kamen, haben Sie genau beobachtet, wie das Wiedersehen mit dem Rest der Mannschaft ausfiel.

Es gibt immer gruppendynamische Prozesse, natürlich beobachte ich die Spieler. Wir haben ja auch Philipp Laux hier, unseren Sportpsychologen, der mit den Spielern spricht. Er sagte mir erst heute früh: Wir haben hier eine wunderbare Atmosphäre, wie sie miteinander reden und flachsen. Das war authentisch, herzlich und freundlich.

Dennoch: Es wird im Laufe der Saison Unzufriedene geben. Spieler, die draußen sitzen.

Das ist völlig normal, wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Es ist meine Aufgabe, zu erklären, warum und weshalb er nicht spielt. Im Laufe der Zeit werden sie merken, warum. Man muss als Trainer offen sein, reden. Wenn ein Spieler das dann nicht versteht oder verstehen will, dann wird eben nichts mehr erklärt.

Wäre es für Sie die Krönung Ihrer Trainerlaufbahn, mit dem FC Bayern die Champions League zu gewinnen?

Mit Verlaub: Die eigentliche Krönung war es, mit Real Madrid diesen Titel zu holen (1998, d.Red.), aber wenn ich das mit dem FC Bayern schaffen würde, würde ich nochmal einen draufsetzen.

Also gibt es doch den Wunsch nach einem perfekten Abschluss - hier beim FC Bayern.

Der FC Bayern ist eine Herzensangelegenheit. Ich bin hier, weil es mir Spaß macht und möchte, dass die Spieler ebenso Spaß haben und wir gemeinsam Erfolg haben. Was Besseres kann man sich nicht wünschen.

 

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