FC Bayern: So engagiert trainiert Guardiola Im Trainingslager: Doktor Pep in Action

Pep Guardiola inside: Wie ihn die Spieler des FC Bayern nennen, mit wem er Einzelgespräche geführt hat, wie er im Training arbeitet, wann er sich hinter Spielern versteckt – und wie er bei den Stars ankommt.

 

Riva del Garda - Unmittelbar vor jedem Training muss der Rasen gewässert werden, eine klare Anweisung von Pep Guardiola.

Am Freitag konnte der Bayern-Trainer das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden und lief in der Morgenhitze von Arco zur Abkühlung noch schnell durch den künstlichen Sprühregen.

Der Coach weiß, dass er bei seinem Training selbst mächtig ins Schwitzen kommt, später ließ er sich ein Handtuch reichen. Hier und da offenbarte der 42-Jährige mittels Lüften des Shirts wie fit er ist. Kein Gramm zu viel.

Die zweite Einheit des Gardasee-Trainingslagers am Freitagvormittag wurde erneut zur Lehrstunde. Pep war voll in seinem Element, seine Welt ist die Arbeit auf dem Platz. Da lebt er auf. "Ich habe viele Ideen, muss meine Spieler überzeugen", sagt er.

Wenn er an einem öffentlichen Auftritt teilnimmt, wie am Donnerstagabend im Hafen von Riva, stellt er sich in den Hintergrund, verdrückt sich auf der Bühne vor den 2500 Fans hinter Jugendspieler Julian Green. Zurückhaltend, fast schüchtern.

Doktor Pep und Mister Guardiola.

In Arbeitsklamotten lässt er seit dem ersten Training Mittwoch vor einer Woche seine neue Mannschaft pauken. Am Freitag auf dem Stundenplan: verschiedenste Kreisspielchen und ein spezielles Eckball-Training, zu dem sich Guardiola einen Spickzettel mit auf den Platz genommen hatte. Wie Schachfiguren verschob er Spieler in ihre Positionen.

"Jeder Spieler ist aufmerksam, weil der Trainer neu ist und neue Elemente reinbringt", sagt Kapitän Philipp Lahm, "man merkt, dass Guardiola voller Tatendrang ist, dass er eine klare Vorstellung hat, wie er arbeiten und spielen lassen möchte."

Die vermittelt er mit vollem Körpereinsatz, mal pantomimisch, mal erklärend. Und? Kommt alles an? Lahm, der "Sie" und "Trainer" zum neuen Vorgesetzten sagt, erklärt: "Der Trainer hat eine angenehme Art. Wir sprechen in sämtlichen Sprachen miteinander oder gestikulieren."

In jedem Fall müssen sich die Spieler, ob mitten in der Übung oder nach der Einheit beim Stretching, immer darauf gefasst machen, dass der Chef vorbeikommt und Erklärungen gibt. Am Freitag waren unter anderem Manuel Neuer, Mario Mandzukic und Claudio Pizarro dran mit Einzelnachhilfe.

Dabei macht Guardiola spektakuläre Trockenübungen, was Stellungsspiel und Verhalten in Zweikämpfen betrifft. "Ich finde das super. Es ist wichtig für die Spieler, wenn der Trainer viel spricht und man viel Kontakt hat", sagt Pizarro, der mit seinen 35 Jahren den neuen Wind schätzt: "Wir müssen ständig sehr konzentriert sein, schnell lernen. Es geht immer ganz schnell, wenn er erklärt."

Für Besprechungen oder Pressekonferenzen hat Guardiola dagegen ein Hilfsmittel: ein kleines schwarzes Büchlein, in das er sich ganze Sätze oder einzelne Worte notiert. Für ihn selbst wie für die Mannschaft gilt, was Guardiola schon nach der Ankunft sagte: "Ich hoffe, dass wir viele Fehler machen. Nur so können wir lernen."

Pep voll in Action – und mit neuen Regeln. Der Ex-Coach des FC Barcelona eine neue Regel beim Kreisspiel eingeführt, die Pizarro verriet. Nichts mit Tiki-Taka, der neue Boss duldet keine Fummelei, keine Zirkustricks.

"Beim Kreisspiel ist jetzt ein Fehler, mit der Hacke zu spielen – verboten! Dann musst du rein – das ist ein bisschen schwierig für mich, weil du nur vorne spielen darfst." Mit Innen- oder Außenseite. Sonst gibt's Nachhilfe. Von Doktor Pep.

 

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