FC Bayern Rafinha: Vom Reservisten zum WM-Kandidaten

Mit Rafinha hatte vor der Saison bei Bayern München keiner gerechnet. Inzwischen ist sogar die Heim-WM für den Brasilianer realistisch.

 

London – Ein Stammplatz beim FC Bayern München – unrealistisch; die Teilnahme an der Heim-WM – kein Thema. Doch für Rafinha sind dies längst keine vagen Träume mehr. Der 28 Jahre alte Brasilianer, den beim Triple-Sieger zu Beginn der Saison keiner auf der Rechnung hatte, besitzt inzwischen sogar eine realistische Chance auf eine Weltmeisterschafts-Teilnahme (12. Juni bis 13. Juli).

Brasiliens Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari berief den Rechtsverteidiger des FC Bayern für das Länderspiel am 5. März in Johannesburg gegen Südafrika. Sein bisher einziger Auftritt in der Selecao liegt fast sechs Jahre zurück (26. März 2008 beim 1:0 in London gegen Schweden).

"Ein glücklicher Mensch" ist er derzeit rundum, wie er am Mittwoch selbst sagt. Galt er noch vor wenigen Monaten in München als Wackelkandidat, als einer, auf den Trainer Pep Guardiola gut verzichten kann, so ist er längst fester Bestandteil des Münchner Starensembles.

Der frühere Schalker, 2011 vom FC Genua zu den Bayern gewechselt, profitierte zunächst davon, dass Guardiola angesichts der Verletztenmisere Kapitän Philipp Lahm im defensiven Mittelfeld einsetzte. So wurde der Platz rechts hinten frei – und Rafinha nutzte die Chance eindrucksvoll. Die Bayern verlängerten bereits den Vertrag bis 2017.

Guardiola habe ihm "wieder Selbstvertrauen geschenkt", sagte Rafinha, Ehrenbürger seiner Heimatstadt Londrina. Er habe ihm auch "die Tür zur Selecao geöffnet, hindurchgehen musste ich aber selber". Verrückt will er sich aber nicht machen: "Meine Füße bleiben weiterhin am Boden. Wenn ich bei Bayern einen guten Job machen, kommt der Rest von alleine. Auch die Selecao."

Für Guardiola steht außer Frage, dass sein Schützling auch in der brasilianischen Nationalelf bestehen kann. "Rafinha ist ein super Spieler. Er hat große Erfahrung. Er ist intelligent, hat wenige Ballverluste. Ich mag intelligente Spieler", sagte der Bayern-Coach unlängst.

Die aktuellen Auftritte des Brasilianers erinnern an gute alte Schalker Zeiten, als er als einer der besten und offensivfreudigsten Verteidiger der Liga galt. In Genua und zunächst auch beim FC Bayern konnte Rafinha die hohen Erwartungen aber nicht erfüllen – bis Guardiola kam.

Interessant wird sein, was der Bayern-Coach in den kommenden Wochen macht, wenn im Mittelfeld alle Spieler, wie etwa der lange verletzte Bastian Schweinsteiger oder Javi Martinez, wieder voll zur Verfügung stehen. Rückt Lahm, der selbst für Rafinha "der beste Verteidiger der Welt ist", dann wieder auf seine angestammte Position? Was passiert dann mit Rafinha? Doch daran verschwendet der 28-Jährige derzeit keine Gedanken – schon eher an die Heim-WM in Brasilien.

 

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