FC-Bayern-Profi am Scheideweg James Rodriguez ist gesetzt: Wohin mit Thiago?

Thiago wird nach seinem Comeback behutsam an die Mannschaft herangeführt. Foto: firo/Augenklick

Thiago kämpft nach langer Verletzungspause um seinen Stammplatz beim FC Bayern. Kommt der Spanier im Mittelfeld an Arturo Vidal vorbei? "Es ist jetzt an der Zeit, dass er Farbe bekennt"

 

München - In einer Kategorie ist Thiago beim FC Bayern unerreicht: Das Selbstvertrauen des Spaniers kennt schier keine Grenzen.

Als der Mittelfeldstar im Interview mit ESPN jüngst befragt wurde, welche Mannschaft ihn in dieser Saison bislang beeindruckt habe, antwortete er: "Kein Team!" Typisch Thiago. Selbst Pep Guardiolas Manchester City, das die englische Premier League mit tollem Offensivfußball anführt und im Viertelfinale der Champions League steht, hat den Bayern-Star nicht umgehauen. "Ich finde, dass sie wunderbar spielen. Aber ich denke nicht ‘Wow’", führte Thiago weiter aus: "’Wow’ denke ich, wenn ich Lionel Messi spielen sehe, aber nicht bei einem Team."

Thiago wünscht sich schwere Gegner

Hinter diesen Aussagen steckt vor allem eine Botschaft: Thiago will, dass die Leute über ihn und den Fußball des FC Bayern staunen. Andere Teams anhimmeln? Das verträgt sich nicht mit dem Selbstverständnis des 26-Jährigen. Und deshalb hofft Thiago auch auf ein direktes Duell mit den stärksten Mannschaften in der Champions League. "Barcelona, Real Madrid, City: Gegen diese Teams würde ich gerne antreten", sagte er.

Thiago ist nach einer schwierigen Hinrunde zurück – gerade rechtzeitig vor den entscheidenden Wochen der Saison. Der Spielmacher hatte sich Ende November im Champions-League-Spiel beim RSC Anderlecht einen Muskelteilriss im Oberschenkel zugezogen, fiel mehrere Monate aus. Nun wird Thiago von Trainer Jupp Heynckes behutsam an die Startelf herangeführt.

"Er war vor seiner Verletzung ein kreativer und fantasievoller Spieler, wenn ich zum Beispiel daran denke, wie er in Dortmund gespielt hat vor Weihnachten", sagt Heynckes: "Da hat er in einem ganz wichtigen Spiel mit der Mannschaft dominiert und ein großartiges Spiel gemacht."

James vs. Thiago: Wer setzt sich durch?

In Thiagos Abwesenheit haben allerdings auch andere Spieler großartig aufgetrumpft. Allen voran James Rodríguez. Der Kolumbianer wurde von Heynckes ins zentrale Mittelfeld beordert – und überzeugte in der Thiago-Rolle. Aktuell ist James gesetzt. Und Thiago?

"Wir hoffen natürlich, dass er in den kommenden Wochen wieder ein sehr wichtiger Spieler für uns werden kann", sagt Heynckes: "Je mehr Alternativen wir haben, desto besser."

Im zentralen Mittelfeld, wo es bei Bayern drei Positionen gibt, muss sich Thiago seinen Platz erst wieder erkämpfen. Während Javi Martínez und James unantastbar sind, heißt Thiagos Rivale vor allem Arturo Vidal – Corentin Tolisso und Sebastian Rudy sind bei Heynckes nur zweite Wahl. Thiago oder Vidal (30)? Diese Frage könnte sich für die Bayern auch im Sommer stellen. Da Nationalspieler Leon Goretzka von Schalke 04 nach München kommt, gibt es im Mittelfeld ein Überangebot.

Gut möglich, dass Thiago oder Vidal abgegeben werden. Der Spanier (Vertrag bis 2021) ist im Vorteil im Vergleich zum Chilenen (Vertrag bis 2019), doch auch den Bayern-Bossen ist nicht entgangen, dass Thiago in großen Partien der vergangenen Jahre häufiger mal abtauchte. Ob er jetzt mal in der Champions League seine ganze Klasse zeigt?

"Thiago ist an einem entscheidenden Punkt seiner Karriere", sagte Ex-Nationaltorhüter Bodo Illgner in der AZ: "Er ist mit 26 Jahren jetzt nicht mehr das junge Talent, sondern im gestandenen Fußballeralter. Da ist es jetzt an der Zeit, dass er Farbe bekennt." Thiago am Scheideweg. Er muss sich jetzt beweisen.

 

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