FC Bayern Pep Guardiola und die Operation Punktlandung

„Wir sind nicht perfekt“, sagt Guardiola. Noch nicht? Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Der FC Bayern kommt erst langsam in Form – um in der wichtigsten Phase der Saison fit zu sein. Das gelang Pep Guardiola im Vorjahr nicht.

 

München - Eine Bundesliga-Saison ist wie ein Marathon, sagt Pep Guardiola. Also geht es zwischen August und Anfang Juni des Folgejahres darum, sich die Kräfte richtig einzuteilen und das Tempo zu dosieren. Wann lässt man es lockerer angehen? Wann sprintet man?

Schwerfällig, so glaubte man letzten Sommer beim FC Bayern, werde man in die Saison kommen – mit all den Weltmeistern, die in Brasilien Extra-Kilometer in den Beinen hatten. Ein wenig Mitläufer sein, dann zum Überholen ansetzen, das war der Leitfaden für die Saison. Doch die Mannschaft zog kraftvoll los, sprintete durch Spätsommer und Herbst. Dann kam die Winterpause – und die Bayern aus dem Tritt. Und nun? Nimmt man langsam wieder Fahrt auf nach der Mini-Krise mit einem Punkt aus zwei Spielen und dem 2:0 beim VfB Stuttgart? Sehr langsam. Es war ein glanzloser Erfolg, Torchancen Mangelware. Trotzdem einkalkuliert?

Denn: Topform schon im Februar? Nicht erwünscht! Die Kurve soll bis zu den K.o.-Spielen der Champions League und im DFB-Pokal kontinuierlich ansteigen. Mit dem Schlusssprint im Berliner Olympiastadion, zum Pokalfinale am 30. Mai und dem Königsklassen-Endspiel einen Samstag später (6. Juni). Lasch kickte man beim VfB. Kontrolliert, ballsicher, aber meist recht blutleer. Man müsse sich verbessern, um „unser altes Niveau“ zu erreichen, gab der Bayern-Trainer zu, wiederholte seine Sicht der Dinge: „Man kann nicht elf Monate immer auf hohem Niveau spielen und gewinnen, gewinnen. Wir sind nicht perfekt.“ Er wirbt aktuell um Verständnis für eine kleine, womöglich eingeplante Leistungsdelle. Wichtig wird es, wenn’s ernst wird. Genau dies ist in Guardiolas erster Saison schief gegangen. Die Meisterschaft 2013/14 absolvierte man im Dauersprint, holte so früh wie niemand zuvor die Schale (Ende März). Danach fehlte die rechte Anspannung und Körperspannung, man ließ das Jahr austrudeln, war gegen Real Madrid im Champions-League-Halbfinale nicht auf der Höhe (0:1/0:4). Das Cup-Endspiel gegen Dortmund (2:0 n.V.) war ein reiner Sieg des Willens – körperlich kam man als Abteilung letzte Rille daher.

Coacht Guardiola diese Saison sein Team ganz gezielt zum Höhepunkt im April/Mai/Juni hin? Was ebenso riskant wie clever wäre. „Wir machen Fortschritte“, sagte Matchwinner Arjen Robben, der momentan Einzige in Früh-Topform. „Man hat gesehen, dass wir aufgrund der letzten beiden Spiele ein bisschen verunsichert waren am Anfang“, gab Manuel Neuer zu und erklärte: „Die Erleichterung ist groß, dass es wieder in die richtige Richtung läuft.“ Was den Bayern aktuell noch fehlt? „Ein paar Spiele auf jeden Fall“, antwortete der Welttorhüter, „wir brauchen Erfolgserlebnisse.“ Reine Kopfsache? „Es war ein Sieg der Mentalität, die diesen Verein seit Jahren auszeichnet“, analysierte Thomas Müller, der die Sache erfreulich realistisch sieht: „Es geht darum, dass wir uns Schritt für Schritt in die Topform bringen, die wir in der Hinrunde hatten. Es ist einfach so, dass noch nicht jeder einzelne Spieler in der Top-Verfassung ist, in der man gerne wäre.“

Und weil noch etwas Zeit ist bis zum Beginn des Champions-League-Achtelfinals bei Schachtjor Donezk (17. Februar), probiert Guardiola ein paar Dinge aus. Etwa Mitchell Weiser als Rafinha-Ersatz im rechten Mittelfeld. Die Stürmer Lewandowski, Müller und Götze lässt er rotieren, um Kräfte zu sparen. Diese Körner könnten im Frühjahr entscheidend sein. Müllers Fazit: „Es stand lange 0:0, ist doch spannend für die Leute.“ Er lachte. Weil er weiß, was er dann auch zugab: „Es war nicht brillant.“ Eben ein Pflichtsieg gegen den nun Letzten. Aber womöglich Teil der großen Pep-Operation Punktlandung.

 

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