FC Bayern Müller: Als Bubi sagte er Bayern ab

Auch wenn’s hier anders aussieht: Thomas Müller sei als Kind ein „eher gemäßigter Bayern-Fan“ gewesen – sagt seine Mutter. Foto: RTL/Neumann

Ein Besuch in Pähl am Ammersee, der Heimat des neuen Torjägers. Hier hat er als E-Jugendlicher mal 120 Tore in einer Saison erzielt – obwohl er damals schon immer der Schmächtigste war.

PÄHL Dass Thomas Müller ein Bewegungstalent werden würde, ahnte seine Mutter Klaudia (45), schon vor dessen Geburt: „Er hat sich ständig bewegt, dauernd hatte ich Beulen im Bauch“, sagt sie. „Die Hebamme meinte: Das wird sicher ein Fußballer.“ Und was für einer.

Thomas Müller ist der Shooting-Star des FC Bayern in dieser noch jungen Saison. In Dortmund traf er doppelt, im Champions-League-Spiel bei Haifa (3:0) wiederholte er das Kunststück. Dazwischen, am Sonntag, feierte er noch kurz Geburtstag: seinen 20. Eine große Feier gab es nicht, nur einen Restaurantbesuch mit ein paar Freunden. „Thomas ist kein Partylöwe“, sagt seine Mutter. Eher ein Familienmensch. Da passt auch, dass es ein paar Cousin aus der Müller’schen Großfamilie waren, mit denen der kleine Thomas die ersten Male gegen das Leder trat – im Garten seiner Eltern, am Ortsrand des idyllischen Dorfes Pähl.

Rund 40 Kilometer südlich von München liegt die 2000-Seelen Gemeinde. Um eine Idee davon zu bekommen, wie das Örtchen tickt, muss man nur ein paar Straßennamen lesen: Bachstraße, Kirchstraße, Ammerseestraße. In der Ortsmitte ragt der Kirchturm hervor, außenrum sieht man rote Geranien, frisch gestrichene Häuser, Apfelbäume mit reifen Früchten.

In einer E-Jugendsaison schoss er 120 Tore

Idylle im Fünf-Seen-Land. Vom Sportplatz des TSV Pähl aus kann man bei gutem Wetter die Alpen sehen. Wolfgang Czerweka steht auf einem der gut gepflegten Rasenplätze des TSV und erzählt vom jungen Thomas Müller, den er in der E- und D-Jugend trainiert hat: „Er hat schon damals Spiele allein entschieden, weil er technisch so stark war und wahnsinnig schnell.“

In einer E-Jugendsaison erzielte sein Team 165 Tore. 120 davon gingen auf Müllers Konto. „Er durfte immer schon einen Jahrgang höher spielen“, erzählt Czerweka, „und war dort immer der Schmächtigste. Ich kann mich gut an ein Spiel erinnern, bei dem es um den Aufstieg ging. Die Gegner lachten vor der Partie noch über Thomas, weil er so klein war. Zur Halbzeit führten sie auch 2:1. Dann kam Thomas, erzielte drei Tore und wir gewannen 4:2.“

Das Talent des flinken Ballzauberers blieb auch den großen Vereinen nicht lange verborgen. Über Monate hinweg wurde er vom FC Bayern beobachtet. Schließlich boten die Bayern dem damals Zehnjährigen an, in ihre D-Jugendmannschaft zu wechseln. Sie bekamen eine überraschende Antwort: Thomas wollte nicht.

Erst als der FC Bayern ihm anbot, im ersten Jahr nur einmal in der Woche in München zu trainieren, dort die Spiele zu absolvieren und ansonsten weiter in Pähl am Training teilzunehmen, stimmten er und seine Familie zu. Eine weise Entscheidung, wie sich zeigen sollte. Dienstagabend versammelten sich die Müllers wieder bei einem von Thomas’ Cousins vor der Großbildleinwand und jubelten ihm zu: dem Strampler aus dem Bauch.

Alexander Neumann

 

0 Kommentare