FC Bayern, Dortmund, Gladbach Dreikampf um die Schale: Der große AZ-Check mit drei Ikonen

Die Top 3 der Bundesliga: Dortmund-Trainer Lucien Favre (l.), Bayern-Coach Niko Kovac (m.) und Gladbachs Trainer Dieter Hecking. Foto: imago/Ulmer, firo/Augenklick, sampics/Augenklick, AZ-Montage

FC Bayern, Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach: Drei Teams rangeln um die Meisterschaft. "Die Gladbacher sind jetzt mittendrin", sagt Bayern-Trainer Niki Kovac. Wer die besten Chancen hat? Drei Ikonen äußern sich in der AZ.

München - Das Versteckspiel ist vorbei, liebe Fohlen! Bayern-Trainer Niko Kovac begrüßte Borussia Mönchengladbach am Freitag offiziell im Titelkampf der Bundesliga.

"Ich rechne absolut mit Gladbach", sagte er auf Nachfrage der AZ und erklärte: "Sie spielen eine richtig starke Saison, die Spieler sind eine Einheit. Und sie haben keine Dreifachbelastung, das ist ein Riesenvorteil." Kovac hat genug vom Understatement der Mannschaft von Dieter Hecking. "Die sind unter dem Radar gewesen, jetzt holen wir sie mal da raus. Jetzt sind sie mittendrin", ergänzte er mit einem Lächeln.

Diese Einschätzung teilt Stefan Effenberg, der seinem Ex-Klub Gladbach bei "t-online.de" "eine riesige Chance auf die Deutsche Meisterschaft" einräumte. Das Hecking-Team wirke "extrem stabil", so Effe. Borussia Dortmund (49 Punkte/51:20 Tore), Mönchengladbach (42/41:18) und der FC Bayern (42/44:23) – die Liga erlebt an der Spitze die spannendste Saison seit Jahren, einen echten Dreikampf um die Schale, ja ein Trio Infernale, das selbst Uli Hoeneß begeistern muss.

Wer sich an diesem Wochenende einen Vorteil verschafft? Die Bayern empfangen Schalke 04 (Samstag, 18.30 Uhr, Sky und im AZ-Liveticker), Dortmund trifft zuvor auf Hoffenheim, Gladbach auf Hertha. "Wir müssen früh in Führung gehen", forderte Kovac, der bei allem Gladbach-Lob sein eigenes Team starkredete. Und etwas klarstellte: "Wir wollen Meister werden!"

In der AZ sprechen drei Ikonen über die Titelchancen ihrer Klubs: Patrik Andersson, Andreas Möller und Berti Vogts.

Patrick Andersson: "Bayern hat Erfahrung"

Patrik Andersson weiß genau, wie Drama geht: 2001 schoss er den FC Bayern in Hamburg mit seinem Tor in der Nachspielzeit zum Titel. Und ganz Schalke weinte.

Trotz sieben Punkten Rückstands auf Dortmund traut der Schwede den Münchnern auch in dieser Saison die Meisterschaft zu. "Die Qualität und die Erfahrung sprechen für den FC Bayern", sagt Andersson der AZ: "Gegen Ende der Saison, wenn es auch in der Champions League um alles geht, kriegt die Mannschaft fast immer noch die Kurve."

Der zweimalige Meister hält aber auch den BVB und Ex-Klub Gladbach für titelfähig, zumal Bayern schwächelt: "Die Mannschaft spielt nicht so konstant, die Kontinuität fehlt und dadurch auch die Ergebnisse." Außerdem herrsche im Umfeld der Bayern "Unruhe", so Andersson, der sich ein besonderes Saisonende wünscht: "Für die Fans wäre es sehr schön, wenn es noch mal so ein spannendes Finale gibt wie 2001. Ich drücke auf jeden Fall dem FC Bayern die Daumen."

Andreas Möller: "Ich tippe auf den BVB"

Auch Andreas Möller kennt sich mit der Meisterschale, dieser hässlichen und doch so begehrten "Salatschüssel", bestens aus: 1995 und 1996 holte er mit Borussia Dortmund den Titel, 1997 wurde er mit den Borussen auch noch Champions-League-Sieger.

Möller ist optimistisch, dass der BVB seinen Vorsprung behauptet. "Die Zeichen für Borussia Dortmund stehen auf Meisterschaft", sagt er im Gespräch mit der AZ: "Man muss sicherlich auf den FC Bayern und auch auf Gladbach schauen. Das Meisterrennen ist noch nicht entschieden. Aber klar: Aufgrund der Punktelage ist Dortmund der Favorit." Einen großen Anteil am Erfolg dieser Saison schreibt der 51-Jährige Trainer Lucien Favre zu – und den neuen Spielern um Axel Witsel, Paco Alcácer und Thomas Delaney, die in Dortmund sofort überzeugten: "Es hat im Sommer alles mit den Neuverpflichtungen gepasst. Alle Neuzugänge haben sich super integriert", so Möller: "Und Lucien Favre ist ein erfahrener Trainer, der die Bundesliga kennt. Es spricht für ihn, dass sich der Erfolg so schnell eingestellt hat. Favre ist mitausschlaggebend für diese tolle Saison."

Genauso wie die Superoffensive, die von Marco Reus angeführt wird. "Er spielt die beste Saison seiner Karriere", sagt Möller: "Er ist der absolute Leader in der Mannschaft, Kapitän. Es war genau die richtige Entscheidung von Favre, ihn zum Kapitän zu machen. Reus muss die Leistung jetzt bis zum Schluss der Saison weiter abrufen."

Zu welchem Team Möller hält, ist klar: "Ich tippe auf Dortmund, die Meisterschaft geht nur über den BVB."

Berti Vogts: "Gladbach ist bereit"

Als Spieler war Berti Vogts in den Siebzigern Teil der legendären Mannschaft von Borussia Mönchengladbach. Gemeinsam mit Jupp Heynckes, Günter Netzer, Rainer Bonhof oder etwa Uli Stielike räumte er nahezu alles ab, was es zu gewinnen gab. Der heute 72-Jährige wurde fünfmal Deutscher Meister, einmal DFB-Pokalsieger und gewann zwei Mal den Uefa-Pokal.

Vergleiche der Teams von damals und heute "finde ich nicht gut", sagt Vogts der AZ: "Das war eine andere Zeit. Aber ich freue mich, dass die Borussia aktuell so toll spielt. Vor allem die Heimspiele, die ich live gesehen habe, waren überragend." Mit 42 Punkten nach 20 Spieltagen spielt Gladbach eine historisch gute Saison und hat die punktgleichen Bayern von Platz zwei verdrängt.

"Im Moment sind Borussia Dortmund und Bayern München noch die Favoriten", sagt Vogts über den Meisterdreikampf. Seine Gladbacher dürfe man aber "nicht unterschätzen. Vielleicht sind sie am Ende der lachende Dritte." Trainer Dieter Hecking habe schließlich die "richtigen Schlüsse" aus der vergangenen Saison gezogen, die laut Vogts "des Klubs nicht würdig" war. Hecking habe nun "die besten Spieler auf die jeweilige Position gesetzt und auch das System verändert", analysiert der Ex-Bundestrainer und EM-Gewinner von 1996 , "deshalb ist diese Mannschaft jetzt so stark – vor allem zu Hause."

Sowohl die Bayern als auch Dortmund müssen noch in Mönchengladbach ran. Am letzten Spieltag gegen den BVB könnte es sogar zum Meister-Showdown kommen. "Wir müssen darauf warten, dass die anderen beiden das ein oder andere Spiel nicht gewinnen", glaubt Vogts, "aber wenn Dortmund und Bayern es zulassen und nicht aufpassen, dann wird Borussia Mönchengladbach bereit sein, in diesem Jahr den Titel zu holen."

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