FC Bayern: Bulle Roth wird 65 Abgezockt, ausgefuchst - aber immer sauber

Ehrenrunde mit dem Pott in Brüssel: Franz "Bulle" Roth und sein Kumpel Paul Breitner (r.) feiern den Triumph im Wiederholungsspiel des Finals im Europapokal der Landesmeister gegen Atlético Madrid (4:0). Foto: imago

Hier gratuliert Paul Breitner seinem Freund Franz „Bulle” Roth zum 65. Geburtstag

 

Lieber Franz,

wie oft bin ich in all den Jahren gefragt worden, ob mir in meiner Karriere jemals ein Spieler begegnet ist, der als Mannsbild ein größeres Muskelpaket war als Du, der einen härteren Schuss hatte als Du.

Meine Antwort lautet dann: Dickere Oberschenkel hatte nur Gerd Müller, dafür hattest Du Wadl wie andere Oberschenkel. Und diese irrsinnige Kraft, die Du aber auch in Explosivität umsetzen konntest. Das hat oft Spuren hinterlassen bei den Torhüter. Mei, wie oft hat der Maier Sepp geflucht im Training.

Als ich 1970 zum FC Bayern kam, hatte ich Dich kennengelernt – es war ein Glück. Ich hatte nie das Gefühl, Du wärst eifersüchtig oder neidisch gewesen – dafür immer positiv. Ich habe Dich nie schlecht gelaunt erlebt oder mürrisch egal, was auch immer passierte – diese Lebensfreude war und ist herrlich!

Ich habe Dich immer sehr geschätzt – ob als Mitspieler im Mittelfeld oder als Mitstreiter der Schafkopf-Runde. Ich kann mich noch genau erinnern wie der Kölner Wolfgang Overath oder der Gladbacher Günter Netzer tagelang Panik geschoben hatten, wenn sie wussten, dass sie im nächsten Spiel 90 Minuten gegen den Bullen antreten mussten. Das hat die Jungs eine enorme Überwindung gekostet. Ich bin froh, dass ich nur ein einziges Mal, als ich zu Real Madrid gewechselt war, im Olympiastadion gegen Dich spielen musste.

1974 haben wir gemeinsam unseren ersten großen Titel mit dem FC Bayern gefeiert, den Sieg im Europapokal der Landesmeister, damals im Wiederholungsspiel gegen Atletico Madrid. Herrliche Zeiten waren das.

Wir haben ja fast 100 Spiele im Jahr gemacht, saßen die meiste Zeit im Bus, da hatten wir genügend Zeit, um zu karteln. Unsere Schafkopf-Runde bestand damals aus dem Gerd, dem Uli Hoeneß, Bernd Dürnberger, Dir und mir – und Du warst ein ganz abgezockter, ausgefuchster Spieler. Aber immer sauber, Dein Vorteil: Wie auf dem Platz konntest Du das Spiel gut lesen. Natürlich haben wir um Geld gezockt, Du warst da meist ganz vorn dabei.
Franz, es ist immer wieder eine Freude, Dich hier und dort zu sehen – entweder bei den Heimspielen unseres FC Bayern in der Arena oder bei Prominentenspielchen mit der Traditionsmannschaft. Es war und ist mir eine große Freude, Dein Freund zu sein.

Alles Gute,
Dein Paul

 

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