FC Bayern Bayern krankt: „Es tut weh“

Durchsetzungsstark: Daniel van Buyten im Duell mit Stuttgarts Cacau. Doch momentan fehlt der Belgier wegen Rückenproblemen. Foto: dpa

Das Team von Louis van Gaal hat mit dem 1:2 gegen den VfB Stuttgart womöglich am Samstag mehr verloren als nur ein Ligaspiel. Vor den Krachern am Dienstag gegen ManU und am Ostersamstag auf Schalke bleibt ihnen nur der Trotz

 

MÜNCHEN Der Sonntag war der Tag des Trotzes. Was blieb den Bayern auch sonst übrig nach einem solchen Samstag mit drei Niederlagen? Ein 1:2 gegen den VfB Stuttgart, der Verlust der Tabellenführung an den FC Schalke, den 2:0-Sieger bei Bayer Leverkusen, und – was wohl am Schlimmsten wiegt – das mögliche Aus für den verletzten Arjen Robben im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League am Dienstag gegen Manchester United (20.45 Uhr, Sat.1). Drei Nackenschläge, eine Wirkung: Trotz.

„Ich verliere keinen Gedanken daran, dass wir nur mit einem Titel nach Hause gehen. Wir wollen mindestens zwei“, verkündete am Sonntag Philipp Lahm. Und Kapitän Mark van Bommel richtete eine Kampfansage an Spitzenreiter Schalke: „Wir haben noch nichts verspielt. Wenn wir am Samstag da gewinnen, überholen wir sie – und im Pokal haben wir ja auch gewonnen.“

Glaube, Siege, Hoffnung? Doch sie halten sich an Vergangenem fest, am 1:0 nach Verlängerung bei Schalke etwa. Relativ wenig wurde über ManU gesprochen, den kommenden und wohl stärksten Gegner der gesamten Saison. Die Elf von Trainer Alex Ferguson mit Europas derzeit bestem Strafraumstürmer Wayne Rooney, der 26 Ligatore erzielt hat – derzeitiger Europarekord. Da kann von Optimismus und Übermut keine Rede sein beim FC Bayern.

Denn ausgerechnet in den Titel-entscheidenden Wochen der Saison nehmen sich die Profis ihre zweite Schwächeperiode, nur zwei der letzten sechs Spiele wurden gewonnen. Der Trend ist negativ, nur wollen sie das nicht wahrhaben. Die Dominanz und die Überzeugung, mit der vor der Winterpause und ab dem Rückrundenstart bis Mitte Februar Spiele in Serie gewonnen wurden, ist dahin. Was sicher nicht nur durch den harten Alle-Drei-Tage-Ein-Spiel-Rhythmus zu erklären ist.

„Wir hatten die Kontrolle über das Spiel, aber uns hat am Ende die Frische und die Spritzigkeit gefehlt“, sagte van Bommel. Und frischer wird’s nicht. Manch einer wirkt überspielt und müde (vor allem Badstuber und Müller in ihrer ersten Profisaison), andere außer Form (van Buyten, Butt) oder nicht annähernd fit (Ribéry). Der Kader, im Winter abgespeckt, ist eng besetzt und durch die Verletzungen von Gomez und Demichelis fehlen Alternativen zum Rotieren und Schonen. Gegen ManU fehlt auch noch Bastian Schweinsteiger gesperrt. Das Gebilde FC Bayern krankt, Körper und Geist sind lädiert. Ein weiterer Kraftakt ist am Dienstag gegen die Engländer nötig, die Mannschaft schreit: Hilfe! Und Trainer Louis van Gaal sagt: „Es tut sehr weh!“

Die Fans können helfen, die Spieler im Heimspiel tragen. Die Erinnerung an die K.o.-Spiele gegen Juventus und Florenz kann Kräfte verleihen, als man Durchsetzungsvermögen und Standhaftigkeit bewies. Was sonst noch Mut macht? Mario Gomez („Ich bin bereit“) hat seinen Muskelfaserriss auskuriert, steht als Klose-Alternative – wenn auch nicht von Beginn an – zur Verfügung.

Schließlich die Statistik bisheriger Duelle. No, kein joke – da war nicht nur Barcelona ’99. In sieben Europacup-Duellen gegen ManU hat Bayern eben nur dieses eine Mal verloren.

Patrick Strasser

 

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