FC Bayern Basketball Sportdirektor Pesic: Aus dem Schatten an die Macht

Sportdirektor Marko Pesic auf seinem Stammplatz im Audi Dome neben Bastian Schweinsteiger. Foto: sampics/AK

Unter Ex-Trainer Dirk Bauermann fand das Wort von Marko Pesic kaum Gehör. Nach der Trennung ist der Sportdirektor und Vertraute von Uli Hoeneß nun der neue starke Mann im sportlichen Bereich

 

MÜNCHEN Die Attacke von Uli Hoeneß hätte kaum heftiger sein können – doch Dirk Bauermann schweigt weiterhin. „Ich lasse die Aussagen von Hoeneß am Mittwochabend bewusst unkommentiert”, sagt er ehemalige Trainer der Basketballer des FC Bayern. Die hatten zum Saisonstart blamabel mit 61:80 gegen die Baskets Oldenburg verloten. Der Präsident schimpfte daraufhin: „Wir haben nichts drauf.” Die Schuld dafür trägt laut Hoeneß: Bauermann – der habe mit der Mannschaft, die überhaupt nicht fit sei, in der Vorbereitung nicht ordentlich gearbeitet.


Das darf wohl auch für das Zusammenspiel Bauermanns mit Sportdirektor Marko Pesic gelten. „Die Arbeit zwischen Pesic und Bauermann war eine Katastrophe”, sagte Hoeneß bei „Sport1”. Pesic ist nach dem Bauermann-Aus der neue starke Mann beim FC Bayern – stärker als Yannis Christopoulos, Bauermanns Nachfolger, den der Verein vor allem arbeiten lassen und aus der Öffentlichkeit so gut es geht heraushalten will. „Pesic absolviert einen top Job und wird in Zukunft eine größere Rolle einnehmen als bisher”, erklärte Hoeneß.


Pesic selbst formuliert die Probleme mit Bauermann so: „Wenn man jemand Unterstützung anbietet, dann liegt es an der anderen Person, diese Unterstützung auch anzunehmen. Irgendwann merkt man dann, ob derjenige diese Unterstützung auch tatsächlich annehmen will.” Typische Pesic-Sätze. Der 35-Jährige überlegt sich sehr genau, was er wem – und wie sagt. Er ist keine Posterfigur wie Bauermann es war, er zieht seine Fäden aus dem Hintergrund, aus dem Schatten. Seine Macht stellt er nicht zur Schau – er macht sie spürbar. Uli Hoeneß vertraute bei Dirk Bauermanns Entlassung maßgeblich auf Pesic’ Rat.

„Ich habe keine Profilneurose. Ich habe genug Selbstbewusstsein, um nach vorne zu gehen – und muss dabei keinem erzählen, was ich für ein toller Typ bin”, sagt Pesic.
Von 2007 bis 2011 war er Spielerberater, mit seiner Agentur Lumani 10.7 hatte er die halbe Nationalmannschaft unter Vertrag, darunter die Bayern-Spieler Steffen Hamann, Demond Greene, seinen Schwager Jan Jagla (mit Pesics Schwester Ivana verheiratet) und Robin Benzing. Dann holte ihn Bauermann, hierarchisch untergeordnet, wegen seiner herausragenden Kontakte. „Ich habe mich immer als jemand gesehen, der dem Projekt und dem Trainer zur Verfügung steht”, sagt Pesic. „Was ein Trainer braucht, weiß ich.”


Schließlich ist sein Vater nicht weniger als eine lebende Basketball-Legende: Svetislav Pesic, der 1993 in München mit Deutschland Europameister wurde und nun wieder Bundestrainer ist. Marko Pesic ist 97-maliger Nationalspieler, wurde mit Berlin sechs Mal Meister und gewann an der Seite von Dirk Nowitzki 2002 WM-Bronze, 2005 EM-Silber.


„Meine Aufgabe ist es, mein Wissen und meine Erfahrung dem Umfeld bereitzustellen”, sagt Pesic. Er will eine neue Kommunikationskultur schaffen, Mitarbeitern und Spielern zuhören. Er sagt nicht: Anders als Bauermann.


Ein erstes Machtwort sprach er auch schon: Nach der Niederlage gegen Oldenburg erklärte Chevon Troutman, die Mannschaft sei sehr wohl fit – und Hoeneß nicht täglich in der Halle. Pesic’ bedachte Worte: „Wenn wir unsere Qualität abrufen und am obersten Limit spielen wollen, müssen wir fitter sein.” 

 

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