FC Bayern Basketball Christopoulos: Der Anti-Bauermann

Dirk Bauermann war lange die Zentrale Figur bei den Basketballern des FC Bayern - der neue Trainer Yannis Christopoulos sein treuer Assistent. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Der geschasste Coach war Sprachrohr und Gesicht der Basketballer. Nun übernimmt sein Assistent Yannis Christopoulos den Job. Und soll weniger im Mittelpunkt stehen. Spekulationen um Pesic senior

MÜNCHEN Am Freitagmittag, keine 24 Stunden nach der Entlassung von Dirk Bauermann, stellten die Basketballer des FC Bayern ihren neuen Trainer vor: Bauermanns bisheriger Assistent, Yannis Christopoulos, erhält einen Vertrag als Chefcoach bis Saisonende.

Nur: Der 38-jährige Grieche war gar nicht dabei. Für die Bayern sprachen Vizepräsident Bernd Rauch und Sportdirektor Marko Pesic. Sie stellten zuallererst klar: Der neue Trainer wird nicht mehr in dem Maße öffentlich auftreten wie Bauermann – Fokus auf Sport statt Personenkult.

Denn das Basketball-Projekt der Bayern war bisher stark auf Bauermann personalisiert. Nur mit ihm wollte Uli Hoeneß überhaupt in den Sport Basketball einsteigen. In Bauermanns Buch „Mission Erfolg” schrieb Hoeneß Anfang 2012 das Vorwort – und fabulierte davon, in den kommenden Jahren um die Meisterschaft mitzuspielen, „natürlich mit Dirk Bauermann als unserem Trainer”.
Werbeplakate, Videospots, Fan-Feste: Bauermann war Aushängeschild der Bayern, quasi der Chefverkäufer, hat sich jedem Diktiergerät und jeder Fernsehkamera gestellt.

Der Verein hat ihn das Personal um ihn herum handverlesen lassen: Sport-Koordinator Volker Stix kam etwa aus Bamberg, dazu die beiden Assistenztrainer Denis Wucherer – nun ebenfalls entlassen – und eben Yannis Christopoulos, bisher vor allem zuständig für die Defensive und die Video-Analyse des eigenen und der gegnerischen Teams.

Der Grieche wird in Zukunft eine ganz andere Rolle spielen als sein bisheriger Vorgesetzter – als Anti-Bauermann. Zwar hat Christopoulos von 2004 bis 2011 schon fünf Vereine in Griechenland und Zypern als Chefcoach betreut – die Aura eines Dirk Bauermann und dessen Präsenz fehlen ihm allerdings. Deswegen soll er für den Verein nur die notwendige Öffentlichkeitsarbeit ausführen – und sich sonst auf die sportlichen Angelegenheiten konzentrieren.

„Christopoulos ist auch eine Persönlichkeit – eine andere als Bauermann. Jedes Projekt lebt von Gesichtern. Christopoulos muss Gesicht zeigen!”, sagt Bernd Rauch. An der sportlichen Kompetenz des Griechen gibt es weniger Zweifel als an der Fähigkeit, eine Mannschaft unter der Marke FC Bayern zu führen und mindestens Zweiter zu werden, um die Quali für die Euroleague zu schaffen. „Wir werden unsere Zielsetzung für die kommende Saison nicht verändern”, sagt Rauch.

Nicht dass Christopoulos in seiner Tätigkeit für die Bayern bisher einen schlechten Eindruck gemacht hätte, im Gegenteil: Er ist freundlich, zurückhaltend, wirkt manchmal introvertiert. In der vergangenen Saison war dem in Patras geborene Trainer, dessen bisher größter Erfolg die zypriotische Meisterschaft 2010 ist, derart einsam geworden, dass er sich Carlo zulegte. Sein Hund begleitet ihn seitdem treu, seine Frau und sein Sohn leben in Griechenland.

Die Bayern haben sich ausdrücklich zu Christopoulos bekannt. „Zu keinem Zeitpunkt gab es eine andere Option”, sagt Pesic. Das heißt aber nicht, dass es in Zukunft, vor allem wenn die Erfolge ausbleiben, keine andere Optionen gibt. Oder vor der Saison 2013 – etwa mit Trainer-Legende Svetislav Pesic.

Der trainiert derzeit die deutsche Nationalmannschaft und qualifizierte sich jüngst mit 8:0 Siegen für die EM 2013. Neben seinem Sohn Marko ist auch Schwiegersohn und Nationalspieler Jan Jagla (verheiratet mit Tochter Ivana) beim FC Bayern angestellt.

 

0 Kommentare