"Familiensache" So wird der Rostock-"Polizeiruf 110" am Sonntag

Bukow (Charly Hübner), Thiesler (Josef Heynert) und König (Anneke Kim Sarnau) genießen die Party ihres Chefs Foto: NDR/Christine Schroeder

Wenn Eltern sich im Streit trennen und einer der beiden zusätzlich psychische Probleme hat, kann es zur Katastrophe kommen. Das zeigt der "Polizeiruf 110: Familiensache". Lohnt sich das Einschalten? Hier gibt es die Antwort!

Den Mörder wird man am Sonntagabend im "Polizeiruf 110: Familiensache" nicht lange suchen müssen - das klassische "Whodunit" wird gegen ein genaues Porträt der Figuren und ihres Umfelds eingetauscht. Das tut der Spannung keinerlei Abbruch. Denn stoppen müssen die Rostocker Ermittler Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander "Sascha" Bukow (Charly Hübner) den Täter mit ihrem Team trotzdem. Doch auch das Drama im Privatleben des Kommissars eskaliert. Und so kommt der epiosdenübergreifende Handlungsstrang der NDR-Krimi-Reihe einen großen Schritt voran.

Um was geht's in "Polizeiruf 110

König und Bukow geraten diesmal mitten in ein Familiendrama. Arne Kreuz (Andreas Schmidt, "Sommer vorm Balkon"), ein bisher unbescholtener Familienvater, befindet sich nach Trennung und Jobverlust im freien Fall. Er hat seine Frau sowie seinen jüngsten Sohn getötet. Jetzt ist er flüchtig - und auch von seinen Kindern Nicole und Jonas fehlt jede Spur. Unter Hochdruck versuchen Bukow, König und ihr Team, das tragische Verbrechen zu begreifen, den amoklaufenden Mann zu finden und Nicole und Jonas zu retten. Doch auch in Bukows Privatleben scheint die Zeit reif zu sein für die Wahrheit: Er erfährt von der Affäre zwischen seiner Frau und seinem Kollegen. Keine Frage, das lässt auch den coolen Kommissar nicht kalt.

Lohnt sich das Einschalten?

Ja. Dieser Sonntagskrimi geht zwar keine spektakulären neuen Wege und quotenträchtige Action oder direkte Gewaltdarstellung gibt es auch nicht zu sehen. Dafür erzählen die Filmemacher die dramatische Geschichte des Amoklaufs eines Familienvaters, wie sie bisweilen auch in der Realität unsere Gesellschaft erschüttert. Es klingt zwar an, dass der spätere Täter seine Frau auch schon während der Ehe aggressiv angegangen war und andere psychische Probleme hatte. Doch anhand der Reaktion des Kommissars auf die verletzende Wahrheit in seinem eigenen Privatleben zeigt Drehbuchautor und Regisseur Eoin Moore, wie schnell auch ohne Vorbelastung Sicherungen durchbrennen können.

Wichtig war den Machern neben der folgenübergreifenden Weiterführung der Erzählbögen für die Ermittlerfiguren auch, aus dem amoklaufenden Vater "kein Monstrum zu kreieren, von dem wir uns innerlich distanzieren", wie Moore dem NDR sagte. "Das Unerklärliche an dem Phänomen Gewalt zwischen Intimpartnern", habe ihn besonders interessiert. Und so bleibt die Frage nach dem "Warum?" ungeklärt - im Film und in der Realität, denn wissenschaftlich sind solche Familientragödien bisher kaum erforscht.

Familientragödien auch bei "Günther Jauch"

Im Anschluss an den "Polizeiruf 110: Familiensache" widmet sich auch die Talksendung "Günther Jauch" ab 21.45 Uhr im Ersten dem Thema des Krimis. Experten und Angehörige sprechen in der Sendung über Hintergründe, Motive und Folgen von erweitertem Suizid. "Von 'erweitertem Selbstmord' spricht man, wenn ein Elternteil beschließt, dass das Leben nicht mehr lebenswert ist und es nicht in Frage kommt, die Kinder allein zurückzulassen", erklärt Iris Kiefer, die Produzentin des "Polizeirufs". Etwa 100 Kinder würden jedes Jahr von ihren eigenen Eltern getötet.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. null