Familien ohne Wohnung Thalkirchner Straße 9: Ein neues Heim

Hier, in der Thalkirchner Straße 9, sollen Menschen in Wohnungsnot unterkommen. Foto: Linda Jessen

Der Stadtrat hat ein soziales Pilotprojekt beschlossen: In der Thalkirchner Straße entsteht bald eine Unterkunft für wohnungslose Familien

 

Isarvorstadt - Familien in akuter Wohnungsnot können Hoffnung schöpfen. Im Feriensenat hat der Stadtrat gestern einstimmig beschlossen, eine neue Unterkunft in der Thalkirchner Straße 9 zu eröffnen. Nächste Woche soll der Mietvertrag mit dem evangelischen Hilfswerk (EHW) als Betreiber unterschrieben werden. Voraussichtlich Ende Oktober ziehen die ersten Familien ein.

Auf sechs Stockwerken bieten 95 möblierte Apartments vorrangig Familien mit Kindern, aber auch alleinstehenden Frauen und Paaren dann Obdach. Eine dreiköpfige Familie beispielsweise bekommt dort ein Apartment mit 25 Quadratmetern Wohnfläche.

Das EHW wird die Unterkunft betreiben und für die notwendige Betreuung sorgen. Für die Kinder sind Nachmittagsbetreuung und Hilfe bei den Hausaufgaben vorgesehen. Außerdem sollen fast rund um die Uhr Fachkräfte vor Ort sein, die den Betroffenen helfen, möglichst schnell wieder auf eigenen Füßen zu stehen.

Die Unterbringung in der Thalkirchner Straße soll keine Dauerlösung für die Familien sein: „Wir haben keine Deadline, aber wir wollen den Betroffenen natürlich so schnell, wie möglich helfen“, sagt Gordon Bürk, Geschäftsführer des EHW. Die EHW-Macher hoffen auf guten Kontakt mit der Nachbarschaft. Die direkten Anwohner werden deshalb im Oktober zu einem Runden Tisch eingeladen. Zusammen mit dem Sozialreferat, dem Bezirksauschuss und dem Netzwerk „Regsam“ will das Hilfswerk dann über die neue Einrichtung informieren. „Der Bedarf an Plätzen in der Sonderunterbringung für Haushalte mit Kindern ist in den vergangenen Monaten stark angestiegen“, sagt Bürk. Krankheit, Jobverlust oder allgemeine Überforderung sorgen immer häufiger dafür, das Familien ihre Wohnung verlieren. Auf dem angespannten Münchner Mietmarkt haben sie dann oft keine Chance. „Diese Familien brauchen natürlich trotzdem einen Platz zum Wohnen“, so Bürk.

Um sie vor der Obdachlosigkeit zu bewahren, hatte die Stadt betroffene Familien bislang häufig in Pensionen untergebracht. Bereits im ersten Quartal wurde beschlossen, die Unterstützung von Familien in Not neu auszurichten. Der Beschluss greift ab 1. Januar 2015. Dann übernimmt die Stadt sämtliche Betriebs- und Betreuungskosten für die Einrichtung. Das Jahresetat beläuft sich, nach Information des EHW auf rund 2,6 Millionen Euro. Heuer übernimmt die Stadt etwa 500 000 Euro Kosten für das Projekt.

 

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