Fahrradstraßen in München Hier haben Autofahrer (fast) nichts zu melden

So sieht es aus, das Schild zur Fahrradstraße. KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle zegit schonmal, wie gut es sich dort fährt. Auch das Piktogramm am Boden markiert den Beginn der Fahrradstraße. Foto: Daniel von Loeper

Viele kennen die Radlstraßen in München offenbar noch gar nicht. Dabei führt die Stadt immer mehr von ihnen ein. In Kürze sind es 50. Die AZ erklärt, wo Radler Vorfahrt haben und was sie alles dürfen

München - Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle ist passionierter Radfahrer. Die Eröffnung der Clemensstraße als Münchens längste Fahrradstraße nennt er wohl auch deswegen einen „historischen Tag“.

„München kommt seinem Anspruch, Radlhauptstadt zu sein, wieder ein Stück näher“, findet der Chef des Kreisverwaltungsreferats (KVR).

Er ist natürlich mit dem Radl zum Pressetermin nach Schwabing-West gekommen. Und er gibt zu, dass noch viel zu tun ist: „Der Weg vom KVR hierher war eine Herausforderung“, sagt er.

Auf den 1,6 Kilometern zwischen Leopoldstraße und Schleißheimer Straße haben die Radfahrer in Zukunft Vorrang, es gilt Tempo 30. Die Clemensstraße ist schon die 23. Fahrradstraße im Stadtgebiet, bis zum Sommer sollen es 47 sein, bis Jahresende 50.

Die Fahrradstraßen sind ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu Blume-Beyerles Fernziel: Die Mobilität in der Stadt aufrecht erhalten.

„München muss mit dem Individualverkehr fertig werden“, sagt er. „Wenn man es schafft, den Verkehrsstand von heute zu halten, ist das schon ehrgeizig.“ Die Stadt werde weiter boomen, der Zuzug hoch bleiben.

Verkehrsprobleme sind programmiert: Darum sollen die Autos weniger werden – und noch mehr Münchner aufs Radl umsteigen.

Aber auch die Radler brauchen Platz. 600 bis 700 Kilometer Radweg gibt es derzeit in der Stadt. Neben dem weiteren Ausbau hat die Stadt drei wesentliche Instrumente, den Platz zu schaffen: Die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht, die Öffnung von Einbahnstraßen gegen die Fahrtrichtung für Radler und eben die Einrichtung von Fahrradstraßen.

Was ist eine Fahrradstraße?

In der Fahrradstraße wird aus der ganzen Fahrbahn ein Radweg. Im Grunde dürfen hier nur Radler fahren. Bei allen Münchner Fahrradstraßen zeigt aber ein Zusatzschild, dass Autos und Motorräder auch durchfahren dürfen, damit der Anwohner- und Lieferverkehr funktioniert.

Woran erkennt man eine Fahrradstraße?

Jede ist mit dem Verkehrszeichen für Fahrradstraße ausgeschildert. An allen Einmündungen in eine Fahrradstraße gibt es außerdem Piktogramme auf der Fahrbahn. Welche Regeln gelten? Radler haben Vorrang. Nebeneinanderfahren ist ausdrücklich erlaubt, sogar in Gruppen. Kraftfahrzeuge müssen langsam fahren und Rücksicht nehmen. Es gilt generell Tempo30 – aber auch Rechts vor Links.

Nach welchen Kriterien werden die Straßen ausgewählt?

Die 25 neuen Fahrradstraßen resultieren alle aus Vorschlägen der Bezirksaussschüsse. Sie werden dort umgesetzt, wo viel Radverkehr herrscht und die Fahrbahn breit genug ist.

Gibt es weitere Vorzüge?

„Es geht auch um Lebensqualität“, sagt der Vorsitzende des Bezirksausschusses Schwabing-West, Walter Klein. Fahrradstraßen seien Ruhebereiche, in denen Verkehr langsamer stattfinde.

Wo können sich Münchner über Fahrradstraßen informieren?

Auch Mitarbeitern der Stadt ist aufgefallen, dass bisher – ob bei Auto- oder Radlfahrern – ziemliche Unklarheit herrscht, was man auf einer Radlstraße darf und was nicht. Darum gibt es jetzt einen neuen Flyer, der die Anwohner über die Neuerungen vor ihrer Haustür informiert.

Den Flyer und alle sonstigen Infos gibt es auch unter www. radlhauptstadt.de.

Lesen Sie hier: Vorfahrt für Radler

 

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