Extremismus Braune Tagung auf Schloss Weißenstein

"Shooting-Star" der NPD mit bizarren Ansichten: Hans Püschel, Ex-SPD-Bürgermeister aus Sachsen. Foto: dapd

POMMERSFELDEN Gröhlende Glatzköpfe und betrunkene Schläger werden nicht erwartet auf Schloss Weißenstein. Die Gäste, die die Veste bei Pommersfelden beherbergen wird, entsprechen nicht dem Neonazi-Klischee. Es ist eine selbst ernannte „Elite“ aus dem ultrakonservativen bis offen rechtsextremen Spektrum, die das Schloss am kommenden Wochenende in Beschlag nehmen wird. Verleger Dietmar Munier („Zuerst“, „Deutsche Militärzeitschrift“) lädt nunmehr im zehnten Jahr „alle an Geschichte und Politik interessierten Patrioten“ zum Austausch ein.

 

Die Vorträge von Rednern wie Harald Neubauer – er tingelte von der NPD zu den „Republikanern“ und wieder zurück–, dem FPÖ-Europaabgeordneten Andreas Mölzer oder dem völkischen Wissenschaftler Theodor Schmidt-Kaler werden aufgelockert mit „offenem Singen und Volkstanz“. Angesichts solcher Themen wie „Ostdeutsche Kulturgüter in russischen Kellern“ oder „Europa im Fadenkreuz: Geopolitische Herausforderungen des 21. Jahrhunderts” tut Entspannung Not...

Pächterfamilie im Zwielicht

Stargast des braunen Stelldicheins: Hans Püschel, Ex-SPD-Bürgermeister der Gemeinde Krauschwitz in Sachsen. Der Neu-NPDler referiert über „Meinungsfreiheit: Mit Thilo Sarrazin in der SPD“. Erst letzte Woche legte er im ZDF einen skurrilen Auftritt in der „heute show“ hin, als er über schwarze Mischlingskinder und Beziehungen zwischen „Fremdrassigen“ schwadronierte – und dabei nicht merkte, dass er Chef-Satiriker Martin Sonneborn auf den Leim ging.

Trotz der unfreiwilligen Komik der braunen Brüder nehmen viele Bürger die Veranstaltung sehr ernst: In den Vorjahren fanden keine nennenswerten Proteste gegen die Veranstaltung statt. Erklärten Nazi-Gegnern wie Pommersfeldens Bürgermeister Hans Beck und Schlossherr Paul Graf von Schönborn sind erneut die Hände gebunden. Erst 2010 hatte sich Schönborn in der AZ über die Schloss-Pächter, die Familie Haag, beschwert, die „schon viel zu lang und noch viel zu lange“ seinen guten Ruf zu ruinieren drohen.

Unterstützung bekommen die oberfränkischen Demokraten nun aus der bayerischen Landespolitik: Die grüne Abgeordnete Christine Stahl aus Nürnberg organisiert mit verschiedenen antifaschistischen Organisationen wie dem Bürgerforum Gräfenberg und der Gewerkschaft ver.di am Samstag, 2. April (13.30 Uhr), eine Gegenlesung vor dem Schloss. Motto: „Wölfe im Schafspelz“.

 

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