"Wie eine Skulptur" Neue Münchner Großmarkthalle nimmt Gestalt an

Rauten und Diagonalen: Die Großmarkthalle soll überbaut werden. Der Standort ist genau gegenüber dem Heizkraftwerk in der Schäftlarnstraße in Sendling. Foto: Henn Architektur

Das Projekt nimmt Gestalt an. Mit Büros ist ein fast 70 Meter hoher Solitär geplant: Mit langen Rampen, grünen Dachflächen und großstädtischem Flair.

 

München - Ist dieser Entwurf genial oder zu massig? Nun ist die Diskussion über das neue Großprojekt offiziell eröffnet: Statt einer klassischen Markthalle mit hohem Dach, bekommt München eine multifunktionale Großmarkthalle mit einer spektakulären Dachgestaltung: mit Büros und grünen Freizeitflächen für Sport.

"Das ist eine sehr komplexe Aufgabe. Es hat seinen Reiz, eine so große Brache zu entwickeln. Wir wollen mehr schaffen als eine Großmarkthalle", sagt Architekt Gunter Henn zu seiner Vision. Eine oberirdische Nutzfläche von insgesamt 233.000 Quadratmetern ist geplant – ein Riesenkomplex. "Ein Bauwerk, wie ein eigener Stadtteil", erklärt der Architekt. Er erhofft sich ein "Leuchtturmprojekt mit Strahlkraft".

Großmarkthalle dient als Sockel für Büros

Am Dienstag stellte Henn seine Idee den Experten der Kommission für Stadtgestaltung im Rathaus vor: Die Markthalle – zweistöckig, insgesamt 28 Meter hoch und ein Logistikzentrum – dient gleichzeitig als Sockel für Büros. Unter der Halle sind große Tiefgaragen mit 325 Lkw-Docks und Platz für mehr als 1.000 Sprinter und Autos der Einkäufer geplant.

Die Waren werden modern per Aufzug nach oben befördert. Das erspart den Spargel- , Erdbeer- und allen anderen Händlern lange horizontale Wege. Die Planung wurde mit den Händlern erarbeitet und – nach anfänglicher Skepsis – für gut befunden, sagt der Münchner Architekt Henn.

Freie Wohnfläche durch den Bau in die Höhe

Zu den drei U-förmigen Bürobauten über der Markthalle sollen sehr lange und große Rampen mit Stufen führen, dazwischen ist viel Grün geplant. Durch Plätze für Coworking und Büroflächen für Start-up-Unternehmen kommen Restaurants und Ausstellungsflächen. So soll großstädtisches Flair in luftiger Höhe entstehen.

Durch den Bau in die Höhe werden Flächen frei – für Wohnungen! Ein Streitpunkt ist: Die Bürohäuser sollen im Süden an ihrer höchsten Stelle 68 Meter hoch werden – eine ungefähre Parallele zum Heizkraftwerk gegenüber, an der Schäftlarnstraße. Dessen größter Turm ragte 176 Meter in die Höhe, wird aber zurückgebaut.

Die Höhe des Gesamtkomplexes hat Konfliktpotenzial: "Wir vertreten die Nachbarschaft. Vor der Höhe sollte man erstmal keine Angst haben, aber 70 Meter können eine Problematik sein. Wie sieht es da mit der Verschattung aus?", fragt Markus Lutz (SPD), der BA-Chef von Sendling. Das Heizkraftwerk gegenüber an der Isar sieht er allerdings für die Bevölkerung als die größere Barriere an: "Heute ist alles zu. Wir sind dafür, dass man die Zugänge zur Isar öffnet."

Auch ein Zugang über die Brudermühlstraße zu dieser "großen Skulptur" (so Architekt Peter Wich) wird bei der Diskussion gewünscht, für die Bürger und über 2.500 Menschen, die in diesem großen Solitär arbeiten könnten.

Durch die "Stapelung" wird Platz frei: So stehen in Zukunft 16 Hektar auf dem Gelände für neue Wohnhäuser zur Verfügung. Architekt Gunter Henn ist sehr optimistisch: "Architektur ist eine Frage des Dialogs. Wir haben den Mut, das weiterzuführen. Ich bin sicher, dass Sie staunen werden."

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