Experte klärt auf Stechmücken in Bayern: Die Blutsauger-Mythen im AZ-Check

Autorenprofil Ruth Schormann
Die Mücken haben München und Bayern längst erobert. Experten Andreas Rose erklärt fünf Fragen und Behauptungen zur Mückenplage - und was an ihnen dran ist. Foto: Jochen Lübke

Von Überschwemmungen, Larven, Eimern, CO2 und Geranien: Fünf Fragen und Behauptungen zu den sommerlichen Plagegeistern – den Stechmücken. Was dran ist, erklärt Experte Andreas Rose.

 

München - Na, juckt’s noch (nicht) oder kratzen Sie schon? Wohl eher letzteres, denn die Mücken haben München und Bayern längst erobert. Doch kein Sommerabend gleicht dem anderen – auch, was die Anzahl der stechenden Insekten angeht. Experte Andreas Rose erklärt, warum das so ist – und was Regentonnen damit zu tun haben.

Städte: Hausmücken aus der Regentonne

Diesen Sommer gibt es an manchen Orten besonders viele Mücken.
"Ja", sagt Andreas Rose vom Mücken-Forschungslabor Biogents, "auch wir haben den Eindruck, dass es heuer eine sehr scheckige Angelegenheit ist." Das liegt an den Überschwemmungsmücken, die sich in Pfützen zunächst ohne jegliche Fressfeinde entwickeln können.

Ein eindeutiges Beispiel – auch dafür, dass die Ammersee-Anwohner sich ihre Mückenplage nicht ausgedacht haben: Am Nordufer des Ammersees hat der Mückenzähler von Biogents am Donnerstag 3.154 Mücken gezählt – am Südufer des Starnberger Sees waren es im gleichen Zeitraum drei. Drei Mücken. "Es ist so, dass tatsächlich bei den Biotopen einige Kilometer oder hundert Meter schon eine erhebliche Rolle spielen können", sagt Rose. "Sind wir in einer Region, in der der Grundwasserspiegel weit genug gestiegen ist, bilden sich Pfützen und dann konnten die Larven schlüpfen und sich entwickeln. Der Grundwasserspiegel südlich des Starnberger Sees ist wohl noch etwas tiefer als nördlich."

Es gibt aber auch in der Stadt viele Mücken. Welche sind das?
Wenn es Überschwemmungen an Seen oder an einem Fluss gibt und das Wasser so hoch steigt, dass die Fischbrut oder andere natürliche Feinde in das Gebiet kommen, dann werden die Mückenlarven dort gejagt – im Gegensatz zu den durch Überschwemmungen entstandenen Pfützen. "Es ist tatsächlich so, dass hier in Regensburg an der Donau in der Stadt wenig Mücken unterwegs sind", sagt auch Rose.

In Städten gibt es aber vor allem eine zweite Gruppe von Mücken, die unter dem Begriff Hausmücken subsummiert werden. "Das sind die, die ihre Eier in Regentonnen oder herumstehende Eimer mit ein bisschen Wasser reinlegen. Hier schlüpfen Larven und je nach Wetter und Wärme dauert es rund eine Woche, bis die erwachsenen Mücken umherfliegen", erklärt der Fachmann. Mit Überschwemmungen hat das dann nichts zu tun.

Luftfeuchtigkeit: Entscheidender Mücken-Wohlfühlfaktor

Wann und wo fühlen sich die Insekten besonders wohl?
Mücken sind sehr feingliedrige Tiere mit einer großen Körperoberfläche. Sie können also schnell austrocknen, sagt Biologe Rose. Das ist der Grund, warum an einem sonnigen, trockenen Tag tagsüber keine Mücken unterwegs sind. Sie kommen dann zur Abenddämmerung, wenn die Luftfeuchtigkeit steigt und die Temperatur sinkt.

"Dann können sie rumfliegen, ohne Gefahr zu laufen, auszutrocknen", so Rose. Aber Obacht: Wenn die Luftfeuchtigkeit hoch ist und es heiß ist, sind sie auch tagsüber unterwegs. Ihre Ruhezeit verbringen Mücken übrigens in Büschen und gerne im Unterholz, wo es lokal schattig ist und eine hohe Luftfeuchtigkeit vorhanden ist.

Wer unter einem Walnussbaum sitzt, wird nicht gestochen.
Das kann man so nicht sagen. "Zwar haben Walnussbäume wenig Unterholz, da sie Herbizide ausscheiden, die die Konkurrenz unter sich im Zaum halten", erklärt der Biologe. Doch es gibt nur vereinzelt Studien, die überhaupt die Wirksamkeit von Pflanzen in der Umgebung auf das Fernbleiben von Mücken bestätigen, etwa beim Wandelröschen.

Der Experte hält von alledem nicht sonderlich viel: "Ich habe das bei mir im Garten mal getestet. Um den Ort, wo man gerne zusammensitzt, habe ich Zitronen, Geranien, Wandelröschen und sonstige stark duftende Pflanzen positioniert." Das hatte kaum Auswirkungen. "Wenn einen die Mücken anfliegen, kümmern die sich nicht um Tomaten oder Sonstiges, was neben einem steht. Das ist tatsächlich ein vernachlässigbarer Effekt", sagt Rose.

Mückenstich? Nicht wegen süßem Blut

Stimmt es, dass Mücken manche Menschen lieber stechen?
"Die Legende vom süßen Blut klingt einfach zu gut, aber das Stechen hat mit dem Blutzuckerspiegel nichts zu tun", stellt Rose lachend klar.

Warum saugen die weiblichen Mücken überhaupt unser Blut? Mit dem darin befindlichen Eiweiß produzieren sie ihre Eier. Der Experte sagt: Das Geheimnis der Mückenlieblinge liegt an einem Cocktail aus Milchsäure, Ammoniak und verschiedenen Fettsäuren, die das Kohlendioxid, das jeder Mensch ausatmet, noch attraktiver macht. Duschen hilft dagegen, "aber nur kurzzeitig, nicht mal eine Stunde", sagt Rose. "Tatsächlich beobachten wir seit langem bei unseren Versuchspersonen, das die Menschen über lange Zeit eine ungefähr gleichbleibende Attraktivität für Stechmücken haben", sagt der Forscher. Mit dem Geschlecht, dem weiblichen Zyklus oder den Ernährungsgewohnheiten habe diese Attraktivität aber nichts zu tun.

Wie Sie sich gegen Mücken schützen, lesen Sie hier.

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