Exklusives AZ-Interview TSV 1860: Robert Reisinger - "Schlammcatchen ist nicht meine Disziplin"

Steckt sich ambitionierte Ziele für 2019: Präsident Robert Reisinger vom TSV 1860 Foto: AZ-Montage, dpa/Tobias Hase, imago/MIS

Präsident Robert Reisinger vom TSV 1860 spricht über seine erneute Nominierung, die Angriffe von Stimoniaris - und kritisiert Investor Ismaik und dessen Politik via Facebook: "Das kann ich nicht leiden."

 

München - Robert Reisinger ist seit 2017 Präsident des TSV 1860. Zuletzt wurde der 55-Jährige vom Verwaltungsrat für eine erneute Präsidentschaft nominiert. Im AZ-Interview spricht Reisinger über seine Pläne für die Löwen-Zukunft, die finanzielle Situation des Vereins und die Sticheleien seines Rivalen Stimoniaris.

AZ: Herr Reisinger, was sagen Sie zur Entscheidung des Verwaltungsrates, Ihnen für die Wahl des Präsidiums das Vertrauen zu schenken?
ROBERT REISINGER: Die Nominierung für eine weitere Amtszeit freut mich. Ich nehme die Aufgabe mit meinen Kollegen Heinz Schmidt und Hans Sitzberger gerne an. Zu den Plänen des Präsidiums für die kommenden drei Jahre informieren wir unsere Mitglieder auf der Mitgliederversammlung im Juni persönlich. Ich hoffe, dass wir sie damit überzeugen – und wiedergewählt werden.

Saki Stimoniaris dürfte diese Hoffnung nicht teilen: Seiner Meinung nach wäre er der bessere Präsident.
Als Herausforderer lässt sich das leicht behaupten. Sowas ist Ballyhoo – Marktschreierei.

Reisinger: Ismaik muss auch mit Kritik umgehen können

Was halten Sie von Stimoniaris’ Plänen, im Falle seiner Wahl einen Sponsorendeal einzufädeln?
Ich kenne keine solchen Pläne und kann mich nicht erinnern, Herrn Stimoniaris in einer Sitzung davon sprechen gehört zu haben. Bedenklich finde ich generell, wenn Menschen ein finanzielles Engagement für ihren erklärten Lieblingsverein an ein Amt knüpfen. Zumal Stimoniaris längst einen passenden Posten bekleidet. In seiner Funktion als Aufsichtsrat der KGaA kann er diese Vorhaben wunderbar realisieren.

Wie könnten alternative Lösungen aussehen, Geldgeber wie Gerhard Mey oder andere Interessenten einzubinden?
Mittelfristig müssen das Risiko und die Chancen im Profifußball auf mehr Schultern verteilt werden. Ich freue mich, dass die Investorenseite mittlerweile selbst die Möglichkeit einer Kapitalerhöhung ins Auge fasst. Die Vorteile liegen schließlich auf der Hand. Allerdings sind zunächst die Rahmenbedingungen so zu fassen, dass ein Dritter oder Vierter auch Interesse an einem Einstieg haben kann. Dafür wird es noch einige Überzeugungsarbeit bei Hasan Ismaik brauchen.

Sie sagten vor einiger Zeit, Kontakt zu Ismaik gebe es nur über Anwälte. Wäre es dabei nicht sinnvoll, eine sachliche Gesprächsebene zu finden?
Wir haben die sachliche Gesprächsebene nie verlassen und akzeptieren jeden Vertreter unseres Mitgesellschafters. Hasan Ismaik soll nach unseren Informationen 2018 alleine vier Mal persönlich in München gewesen sein. Leider fand er bei keinem seiner Besuche Zeit, uns zu kontaktieren. Das hat schon Symbolcharakter. Ich stehe für ein Gespräch immer zur Verfügung. Vielleicht sollte ich öfter bei Didis Obststand einkaufen.

Da hat sich Ismaik ja ablichten lassen. Der Investor ist auch bei den Fans sehr umstritten. Können Sie gutheißen, dass in der Westkurve immer wieder beleidigende Botschaften gezeigt werden?
Ich kann mich an keine Veranstaltungen des e.V. erinnern, bei der beleidigende Plakate gezeigt wurden. Als auf einer Mitgliederversammlung das sogenannte Scheichlied im Saal gesummt wurde, sind wir eingeschritten. Ansonsten bin ich der Ansicht: Wenn man sich im Umfeld des Fußballs bewegt und dazu noch so polarisiert wie unser Mitgesellschafter das mit seiner Öffentlichkeitsarbeit gerne tut, muss man auch souverän mit Kritik umgehen können.

Reisinger: Ismaik-Posts sollen Stimmung schüren

Auch Geschäftsführer Günther Gorenzel wurde zuletzt per Plakat kritisiert – "Gorenzel mach deine Arbeit" stand da.
So ein Transparent hatte ich vergangene Saison auch mit "Reisinger mach deine Arbeit". Das ist freie Meinungsäußerung von Fans, weder beleidigend noch herabwürdigend.

Ismaik hat Sie daraufhin aufgefordert, sich "endgültig" und "uneingeschränkt" zu Bierofka und Gorenzel zu bekennen.
Ich brauche kein Facebook, um den beiden meine Wertschätzung entgegenzubringen – ich kann das bei jedem Spiel und auf der Geschäftsstelle tun. Aber das weiß die Presseagentur von Ismaik nicht – sie ist ja nicht in München. Die Postings unseres Mitgesellschafters sollen Stimmungen schüren. Das ist genau die Art von Auseinandersetzung, die ich nicht leiden kann.

Dennoch würde uns interessieren, wie Sie die Arbeit der sportlichen Leitung aktuell bewerten.
Sehr gut! Die Anstellung von Gorenzel als Sportlicher Leiter im Winter 2017 haben wir als Vereinsvertreter durchgesetzt. Unser Mitgesellschafter hatte damals andere Vorstellungen. Umso mehr freut es mich, dass seine Arbeit mit der Zeit auch bei Ismaik Zustimmung fand. Die Bestellung als zweiter Geschäftsführer haben beide Seiten mitgetragen. Was mich aber ehrlich gesagt nervt, ist der ständige Versuch unseres Mitgesellschafters, Gorenzel und Bierofka in PR-Meldungen für sich zu reklamieren, politisch einzuspannen und gegen den Verein zu instrumentalisieren. Das ist plump.

Sprechen wir über das, was Bierofka und Gorenzel dienlich wäre: finanzielle Unterstützung. Müsste das Ziel Aufstieg in die Zweite Liga nicht jetzt angegangen werden?
Sicher. Darüber sind sich ja alle Beteiligten einig. Nur über den Weg dorthin gibt es eben unterschiedliche Ansichten. Eine weitere Verschuldung kommt aus unserer Sicht nicht in Frage. Unsere Vorschläge liegen auf dem Tisch. Vom Mitgesellschafter habe ich noch keine Alternative dazu gehört.

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Sollte der TSV 1860 handlungsunfähig bezüglich Vertragsverlängerungen bleiben, müsste man auch im nächsten Jahr viele Spieler ziehen lassen – ablösefrei. Müsste der Gesamtverein nicht auch in diesem Hinblick dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen passen?
Bei einer Etatreduzierung gibt es einen größeren Handlungsbedarf, aber keine Handlungsunfähigkeit. Man muss kreativer sein als sonst. Ich traue unseren Geschäftsführern zu, Lösungen zu finden. Der Verein unterstützt die KGaA dabei im Rahmen des Möglichen – und soweit es unser Mitgesellschafter zulässt.

Reisinger: "Muss mein Gesicht nicht jede Woche in der Zeitung sehen"

Gorenzel erklärte kürzlich, dass Rede und Antwort – gerade in solch schwierigen Situationen – zu den Aufgaben einer starken Führungspersönlichkeit gehören. Sehen Sie das anders?
Gorenzel und Scharold sind die Geschäftsführer der KGaA und – was den Profifußball anbelangt – die ersten Ansprechpartner. Wenn ich den beiden was zu sagen habe, mache ich das persönlich. Ich muss mein Gesicht aber nicht jede Woche in der Zeitung sehen, um zu wissen, dass ich der Präsident bin.

Sie gehen also lieber "auf Tauchstation", wie es Ihnen Stimoniaris vorgeworfen hat?
Die Behauptung gehört für mich zum Wahlkampfgetöse. Schlammcatchen ist nicht meine bevorzugte Disziplin. Ich interpretiere mein Amt nun mal in der Öffentlichkeit zurückhaltender als andere und weiß aus Gesprächen mit Mitarbeitern, Sponsoren und Partnern der KGaA, dass sie das zu schätzen wissen. Und bezüglich des Grünwalder Stadions diskutieren wir intern seit langem mehrere Optionen, müssen aber zunächst das Ergebnis der Machbarkeitsstudie abwarten – da gibt es noch nichts Neues. Hilfreich für die bevorstehenden Prozesse ist es aber nicht, wenn Funktionäre des TSV 1860 über ungelegte Eier in der Öffentlichkeit gackern.

Mit welcher Strategie kann der TSV 1860 eine erfolgreiche Zukunft einläuten?
Zunächst muss es ein gemeinsames Verständnis davon geben, dass weitere Investoren dem Unternehmen guttun. Damit ein Einstieg für weitere Gesellschafter attraktiv wird, ist der Kooperationsvertrag neu zu regeln. Dabei werden beide bestehenden Gesellschafter auf Maximalforderungen verzichten müssen. Außerdem muss sich das Unternehmen soweit restrukturieren, dass es nicht mehr ausschließlich über Darlehen finanziert wird. Das ist alles machbar. Es braucht aber Überzeugungsarbeit auf allen Seiten.

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