Exklusiv-Interview Vicky Leandros: Heimlich verliebt!

Sängerin, Kosmopolitin, Mutter, Oma: Vicky Leandros vor der AZ-Redaktion. Foto: API/Michael Tinnefeld

"Ich bin dauerverliebt..." ...in das Leben – aber auch in einen Mann, über den sie noch nie geredet hat: Vicky Leandros spricht bei ihrem Besuch in der AZ-Redaktion offen wie nie.

 

Sie strahlt vor Fröhlichkeit mit der Herbstsonne: Vicky Leandros, die auf der ganzen Welt 55 Millionen Platten verkauft hat, singt nicht nur darüber, dass sie das Leben liebt. Sie tut es auch.

AZ: Liebe Frau Leandros – oder wie werden Sie am liebsten genannt: Frau Papathanasiou oder doch Freifrau von Ruffin?
VICKY LEANDROS:
Vicky oder Leandros (lacht). So unterschreibe ich auch. Im Pass bin ich Ruffin und Leandros. Meine Kinder nennen mich Mami.

Wann lieben Sie das Leben besonders?
Ich weiß, dass ich privilegiert bin, und dafür bin ich sehr dankbar. Es gibt unglaublich viele verschiedene Momente – zum Beispiel auf der Bühne, die besondere Magie mit dem Publikum. Aber ich genieße auch die wunderschönen Momente mit meiner Familie, wie jetzt demnächst an Weihnachten, total.

Fehlt Ihnen manchmal nach einem Konzert der Applaus – und Sie fallen im Hotelzimmer in ein Loch?
Nein, das finde ich dann okay, Ruhe zu haben. Ich kann gut allein sein, um durchzuatmen.

Dabei sind Sie als Familienmensch eher selten allein.
Stimmt. Wir haben ja einen Hof in Norddeutschland, den meine älteste Tochter Milana übernommen hat, da trifft sich die Familie. Milana hat drei Kinder – meine Enkel, alle Jungs: fünf, drei und 17 Monate. Wenn ich frei habe, bin ich dort, wie jetzt nach meinem Besuch hier. Ich koche dann für alle, jeden Tag, und liebe es.

Vicky Leandros hat drei Enkelkinder

Was kochen Sie gern?
Alles, Hauptsache ausgewogen, frisch, ohne Fertigprodukte.

Halten Sie Ihre Kinder und Enkelkinder am meisten jung?
Es ist immer viel los. Mit der Familie, Freunden, ich habe gern ein offenes Haus. Täglich sind sechs, sieben Menschen bei mir. Die engste Familie besteht aus 26 Personen. Das genieße ich sehr: Ich koche dauernd und bin dabei glücklich.

Vicky Leandros ist derzeit ein Sportmuffel

Wo geht das Essen bei Ihnen hin, wie bleiben Sie schlank?
Ich müsste mehr Sport machen. Ich komme aus dem Ballett, hatte auch danach eine Trainerin und später eine Trainerin für Gymnastik. Aber seit zwei Jahren habe ich keine Lust mehr. Ich mag weder Yoga noch Joggen, bin gerade etwas faul – aber das sehr gerne. Ich esse keine Unmengen. Wobei es Tage gibt, an denen ich wirklich viel esse.

Ist genug Schlaf effektiver als teure Cremes?
Ja! Ich komme mit fünf Stunden aus, schlafe aber gerne länger. Das ist für eine starke Stimme wichtig. Dazu Ingwer-Tee mit Honig, Kamille, Zitrone. Mein Drink vor jedem Konzert.

Kracht es auch mal im Hause Leandros, wenn die ganze Familie zusammenkommt?
Es ist sehr harmonisch, wir lachen viel. Ich glaube, wenn man sich nicht so oft sieht, kommen eher alle Probleme, die man in sich trägt, raus – vor allem an Festtagen. Da wir uns so viel sehen, haben wir die Probleme schon vorher besprochen. Aber es ist auch viel Arbeit, dass es keinen Streit gibt.

Familie von Vicky Leandros: Gibt's auch Streit?

Wie sieht diese Arbeit aus?Man muss allen viel zuhören und allen viel geben – finanziell und vor allem emotional. Man darf nicht erwarten, dass die Kinder, wenn sie erwachsen sind, dankbar sind und stets Dankbarkeit zeigen. Wir haben sie uns sozusagen geliehen, sie gehen ins Leben hinaus und müssen sich dafür erstmal nicht bedanken, finde ich. Wenn man diese Erwartungen nicht hat, so ist es bei mir, erfüllen sie sich eher. Die Kinder kommen häufiger oder rufen von sich aus an. Viele sagen, sie hätten für ihre Kinder so viel Geld für Schule und Studium ausgegeben und da komme nix zurück – ich sag dann: Wartet ab, erwartet nix, die Kinder brauchen ein paar Jahre, bis sie ihren Weg gefunden haben.

Sie sind offiziell Single, oder?
Ach, ja?

Oder hat sich das geändert – und Sie sind glücklich verliebt?
Verliebt ist vielleicht etwas übertrieben. In meinem Alter kann man sich doch nicht mehr verlieben. (lacht)

Vicky Leandros hat einen Lebensgefährten

Ach, doch. Sie sind also glücklich verbandelt?
Dauerverliebt vielleicht (schmunzelt). Ich bin in einer Beziehung, aber ...

... Sie möchten nicht verraten, mit wem?
Genau, ich halte mein Privatleben gerne privat. Da erzähle ich nicht viel von. Aber ja: Es gibt jemanden in meinem Leben.

Dann generell gefragt: Wie erobert ein Mann Ihr Herz?
Die Optik ist gar nicht entscheidend. Ein unattraktiver Mann kann hochinteressant und sehr intelligent sein – das fasziniert mich dann. Wichtig ist Humor. Dass man mit ihm Spaß hat und lachen kann.

Machen Ihnen männliche Fans hin und wieder Angebote?
Sie lassen mir nach Auftritten Rosen oder Briefe zukommen, das finde ich sehr süß.

Wie viele Selfies machen Sie von sich am Tag?
Ich fotografiere selbst nie und mache deshalb nie Selfies. Die junge Generation teilt alles – da bin ich anders. Vielleicht, weil ich früh in der Öffentlichkeit stand. Damals hatte ich das Gefühl, ich muss mir ein bisschen Privatleben bewahren.

Schreiben Sie E-Mails?
Nein, SMS.

Ihr Lieblings-Emoji?
Viel Herz, das Gesicht mit dem Kussmund, die Lippen.

Wollen Sie nochmal in die Politik gehen?
Das ist vorbei. Deutschland befindet sich in einem Umbruch. Ich hoffe, dass sich die großen Parteien anders umsehen und anfangen, sich zu verändern.

Leandros will nicht wieder in die Politik

Was muss sich ändern?
Es müssten mehr jüngere Politiker ran, die haben auch etwas zu sagen. Dazu natürlich ältere mit Erfahrung. Aber wenn man zu lange an der Macht war, ist diese Sucht so stark, dass man nicht loslassen kann. Dann verliert man die Übersicht. Hin und wieder müssen neue Leute ran, die frisch denken und das Land nach vorne bringen. Auch wenn man brillant ist, werden irgendwann die Probleme nicht mehr richtig angepackt und der Stab um einen, der einem Honig um den Mund schmiert, wird größer. Keiner wagt mehr, Kritik zu üben, das ist nicht gut.

Sie kennen und mögen die Bundeskanzlerin – finden Sie Ihren Schritt zurück richtig?
Ich finde es sehr, sehr gut, dass sie den Parteivorsitz abgibt.

Haben Sie mal überlegt, nach München zu ziehen?
Immer wieder. Ich bin so gerne hier. Viele Freunde, auch meine besten Freundinnen, wohnen hier. München ist schön, ich liebe die Wiesn, das bayerische Bier – mehr als den griechischen Wein übrigens – und die Atmosphäre. An Silvester trage ich übrigens ein Dirndl.

Wieso das?
Die Ruffins sind eine bayerische Familie, und es ist schön, manche Traditionen zu pflegen. Wir feiern auf unserem Hof, da gibt es eine Almhütte, die man mieten kann, und nachdem ich nachmittags noch einen Auftritt habe, lade ich zum Fondue in Tracht ein.

55 Millionen Platten haben Sie verkauft. Ist diese Wahnsinns-Menge für Sie vorstellbar?
Das war früher für mich nicht zu greifen – auch nicht der Erfolg. "Theo, wir fahr’n nach Lodz" war nicht der erfolgreichste Hit, was viele glauben. "Ich habe die Liebe gesehen" oder "Après toi" waren mit zehn Millionen Platten erfolgreicher. Es kam alles zusammen, weil ich auch im Ausland viele Platten verkauft habe.

Wie lässt man es krachen, wenn man die erste Million verkauft hat?
Ach, ich lasse es oft krachen. Hallo, ich bin Griechin, schon vergessen? (lacht) Es muss nicht immer Champagner sein, es reicht einfacher Wein. Wenn ich daheim koche, wird auch viel getrunken. Vom ersten Geld habe ich mir – nachdem ich ein bescheidener Teenager war – einen blauen Glockenrock gekauft und einen rosa Strick-Pullover mit Löchern an den Ärmeln. Dieses Outfit habe ich fünf Mal im Fernsehen getragen. Im Nachhinein sah es ziemlich hässlich aus. Früher war mir Mode wichtig, heute nicht mehr. Luxus ist, meine Familie in ein Haus auf Mykonos einzuladen. Das liebe ich – das Leben zu genießen.


Vicky Leandros’ Weihnachts-Konzert "Alle Jahre wieder" am 14.12. in der St. Matthäuskirche in München. Tickets an allen bekannten Vorverkaufsstellen und unter eventim.de und semmel.de

 

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