Ex-Wolfsburger im AZ-Interview Misimovic: "Es ist ein Traum, wie die Bayern spielen"

Zvjezdan Misimovic (r.) hier im Duell gegen Bayerns Anatoli Timoschtschuk. Foto: dpa

Zvjezdan Misimovic spielte sowohl für den FC Bayern als auch für Wolfsburg. Vor dem Duell an diesem Samstag spricht er in der AZ über seine Ex-Klubs, sein China-Abenteuer und Lahms Zukunft.

 

München - Am Samstag trifft der FC Bayern auf den VfL Wolfsburg – im Hinspiel der beiden Mannschaft bleibt die Lewandowski-Gala mit fünf Toren in neun Minuten wohl unvergessen. Einer, der für beide Mannschaften gespielt hat, ist Zvjezdan Misimovic – die AZ hatte den Bosnier im Interview.

AZ: Herr Misimovic, an diesem Samstag (15.30 Uhr, Sky) treffen Ihre Ex-Klubs VfL Wolfsburg und FC Bayern aufeinander. Welchem Verein sind Sie enger verbunden?

ZVJEZDAN MISIMOVIC: Ich habe beiden Vereinen viel zu verdanken. Bei Bayern habe ich das Fußballspielen gelernt, gleich in meinem ersten Jahr bei den Profis hatte ich Erfolge (Meister und Pokalsieger 2003, Anm. d. Red.). Als gebürtiger Münchner ist man natürlich dem FC Bayern verbunden. Mit dem Tiger (Hermann Gerland, d. Red.) habe ich noch am meisten Kontakt, so einmal im Monat hört man sich schon.

Und Wolfsburg?

Mit Wolfsburg war es natürlich etwas Besonderes, die erste Meisterschaft für diesen Klub zu holen.

Sie sprechen das Jahr 2009 an. Welche Erinnerungen haben Sie noch an die Meistersaison?

Nach der Vorrunde hat bei uns keiner mit der Meisterschaft gerechnet, aber dann haben wir diesen Lauf bekommen mit zehn Siegen nacheinander. Wir haben die Chance gesehen und sie uns bis zum Schluss nicht mehr wegnehmen lassen. Im Endeffekt sind wir auch verdient Meister geworden.

Zum Leidwesen des FC Bayern. Unvergessen ist der 5:1-Sieg mit Grafites Hackentor.

Das passiert nicht so oft, dass man gegen Bayern 5:1 gewinnt. Sie hatten zu dem Zeitpunkt eine kleine Schwächephase, die haben wir ausgenutzt.

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Nach der Meisterschaft hat es der VfL nicht geschafft, auf diesem Niveau weiterzuspielen. Warum ist der Abstand zu den Bayern wieder so groß geworden?

Der nächste Schritt, diesen Erfolg zu bestätigen, ist der schwierigste. Wenn man dann mit Neuzugängen ein bisschen danebengreift, wird es natürlich schwer. Bayern hat da ganz andere Möglichkeiten, die letzten Jahre ist der Verein unglaublich nach vorne marschiert. Für die anderen Klubs ist es fast unmöglich, Bayern einzuholen.

Sie schwärmen ja richtig. Würden Sie in der aktuellen Bayern-Mannschaft gern mal mitspielen?

Es ist ein Traum, wie die Bayern gerade spielen. Es macht richtig Spaß zu sehen, wie sie dominieren. Ob sie zuhause oder auswärts spielen, ist eigentlich egal.

Trauen Sie Bayern das Triple zu?

Über die Meisterschaft brauchen wir ja nicht mehr reden, die ist so gut wie sicher. Das Double wird sowieso immer erwartet. In der Champions League hat man ein super Ergebnis in Turin erzielt. Man braucht natürlich ein bisschen Losglück, aber die beiden Favoriten auf den Titel sind eindeutig der FC Bayern und der FC Barcelona. Ich habe mir die Achtelfinals angeschaut: Bayern und Barça sind eine Klasse besser als die anderen.

Also auch als der VfL Wolfsburg. Warum tut sich die Mannschaft von Dieter Hecking diese Saison so schwer?

In der Champions League haben sie einen Riesenschritt gemacht, sie stehen vor dem Einzug ins Viertelfinale. In der Bundesliga sind sie hinter den Erwartungen zurück, da müssen sie sich deutlich steigern.

Wiegt der Abgang von Kevin De Bruyne zu schwer?

De Bruyne war der entscheidende Mann vergangenes Jahr, der den Unterschied ausgemacht hat. So einen Spieler kann man nicht eins zu eins ersetzen. Jetzt hat sich auch noch Bas Dost im Winter verletzt, im Sturmzentrum gibt es keine Alternative zu ihm.

Auf der Spielmacher-Position hat der VfL nach Misimovic und De Bruyne doch eigentlich einen passenden Nachfolger gefunden: Julian Draxler.

Der Julian wurde kritisch gesehen, als er gekommen ist: ein junger Mann, der so viel Geld kostet. Aber ich denke, er hat hervorragende Fähigkeiten. Er ist jetzt vielleicht nicht der typische Spielmacher, er kann auch über außen kommen. Aber er hat bewiesen in den vergangenen Spielen, wie wertvoll er ist.

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Sie standen zuletzt in China bei Beijing Renhe unter Vertrag. Dann haben Sie Ihre Karriere beendet und nun doch wieder angefangen.

Ich bin noch mal zum Aushelfen rüber und habe für zwei Jahre verlängert.

Dann erleben Sie den Fußball-Boom im Reich der Mitte ja aktuell hautnah.

Der Präsident (Xi Jinping, d. Red.) ist ein riesengroßer Fußballfan, die Oligarchen versuchen, bei ihm nun Pluspunkte zu sammeln, indem sie ihr Geld in Fußballvereine stecken und Unsummen investieren. Aber ich denke, das wird sich wieder einpendeln. Das wird nicht auf Dauer so sein.

Wie lässt es sich denn leben als Fußballprofi in China?

Es ist schon ein gravierender Unterschied zu Deutschland, was die Organisation angeht. Fußballerisch muss die Liga auch einiges aufholen. Und was die Atmosphäre angeht: In der Bundesliga ist man es gewohnt, dass man zum Aufwärmen rausgeht und das Stadion ist schon voll. Hier sind es vielleicht 50 Leute. Das ist schon eine andere Kulisse.

Soll es nach der Karriere wieder nach München gehen?

Ja, klar. Meine Familie lebt weiter in München, nach meiner Karriere werde ich zurück in meine Heimatstadt kommen.

Wie man hört, haben Sie sich schon eine Mannschaft in München gesucht für die Zeit nach Ihrer Karriere. Ganz lassen können Sie es also nicht.

Das stimmt, ich spiele schon länger beim FC Bello in der Freizeitmannschaft. Der Jens Lehmann kommt auch ab und zu und spielt da mit. Immer wenn ich in München bin, spiele ich beim FC Bello.

Könnten Sie in Ihrer Mannschaft denn noch Verstärkung gebrauchen? Philipp Lahm beendet schließlich in zwei Jahren seine Karriere.

Ich muss mal mit dem Trainer sprechen, ob wir noch einen rechten Verteidiger brauchen (lacht). Ja, klar, wenn er Lust hat, mitzukicken, haben wir immer einen Platz frei für Philipp.

 

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