Ex-Verwaltungsrat Waggershauser Knallharte Generalabrechnung mit Hoeneß, Ismaik und Ziffzer

2015 wurde dieser Verwaltungsrat gewählt: Karl-Christian Bay (dritter von links) und Christian Waggershauser (vierter von rechts) sind vergangene Woche zurückgetreten. Foto: sampics, Rauchensteiner, Augenklick

Ein 1860-Insider packt aus: Der langjährige Aufsichtsrat Christian Waggershauser offenbart die Gründe für seinen Rücktritt und rechnet schonungslos mit Investor Ismaik und dem FC Bayern ab.

 

München - Im Zuge der Chaos-Tage beim TSV 1860 traten vergangene Woche der Aufsichtsrat-Boss Karl-Christian Bay und sein Kollege Christian Waggerhauser völlig überraschend zurück. Warum dies notwendig wurde, legt Waggershauser im Interview mit der SZ am Wochenende schonungslos offen.

Dabei offenbart er so manche Missstände im Verein:

Christian Waggershauser über ...

seinen Rücktritt:

Was in der letzten Woche passiert ist, hätte ich nie für möglich gehalten. Ich musste ein klares Zeichen setzen, dass ich damit nicht einverstanden bin und ich so nicht weiter arbeiten kann. Einen Medienboykott verhängen und pauschale Hausverbote verhängen - so etwas kann man nicht machen. Ich habe gesagt: Jetzt ist ein Punkt erreicht, an dem es nicht mehr weitergeht.

Hasan Ismaiks Selbstverständnis:

Die Woche hatte auch etwas Gutes. Sie hat Transparenz geschaffen darüber, mit wem wir es zu tun haben. Sie hat gezeigt, wie Ismaik agiert und welches Selbstverständnis er von seiner Rolle hat. Ich möchte nicht wissen, wie Verhandlungen und Besprechungen abgelaufen sind, wenn ich mir nur diese 45 Minuten der Pressekonferenz ansehe. Man hat Hasan noch nie so in Aktion gesehen wie jetzt.

die Fanspaltung und den Rückzug der Ultra-Gruppierung Cosa-Nostra:

Die Cosa Nostra hat sich wegen Hasan Ismaik aus der Kurve zurückgezogen. Die Arge-Führung (Arbeitsgemeinschaft der Fanklubs) hat sich hingegen nach Abu Dhabi einladen  lassen und ihn zum Ehrenmitglied ernannt. Es gibt im Verhältnis zu Ismaik eine Bandbreite von totaler Ablehnung bis zu nahezu bedingungsloser Unterstützung.

den Bau der Allianz-Arena und die damalige Abhängigkeit des FC Bayern vom TSV 1860:

Tatsache ist, dass der FC Bayern ohne 1860 noch heute im Olympiastadion oder außerhalb Münchens in der Pampa spielen müsste. Weil nach EU-Recht die Stadt und der Freistaat 200 Millionen Euro direkte Subvention für Infrastruktur gezahlt haben, sodass dort bis vor Kurzem zwingend zwei verschiedene Vereine spielen mussten. Das Grundstück wurde auch vergünstig hergegeben, weil nicht nur ein Klub davon profitierte.

die streitbare Rolle des ehemaligen Geschäftsführer Stefan Ziffzer:

Was dann eben nicht mehr geht, das ist die Ziffzer-Nummer mit dem Verkauf der Anteile weit unter Wert und der Fortführung der Dienstleisterverträge, die in ihrer enormen Höhe zur Abbezahlung von Baudarlehen und Handgeld gedacht waren. Solche Verträge machen nur für einen Eigentümer Sinn, nicht für einen Mieter.

die damalige Installierung von Ziffzer:

Angeblich wurde er von Edmund Stoiber (Aufsichtsrat beim FC Bayern) der Monika Hohlmeier (damaliges Mitglied im 1860-Aufsichtsrat) empfohlen. Und Ziffzer war ja wohl Manager bei der Kirch-Gruppe, als diese mit dem FC Bayern einen Fernsehgeld-Geheimvertrag über 20 Millionen geschlossen habe.

die jüngsten Sticheleien des FC Bayern:

Als Uli Hoeneß am Boden lag und halb Deutschland auf ihn eingeprügelt hat, gab es von 1860 keinerlei Kommentar. Auch nicht beim letztjährigen Freundschaftsspiel in Saudi-Arabien, wo gleichzeitig ein kritischer Blogger ausgepeitscht wurde. Wenn ein Verein auf dieses Geld nicht angewiesen ist, dann die Bayern. Gleiches gilt für das Trainingslager in Katar oder deren Flughafen-Sponsoring. Ja - angesichts dieser Tatsachen bin ich verärgert. Die haben uns keine Ratschläge zu geben und dazu moralisch jedes Recht verloren!

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