Ex-Trainer im Interview Svetislav Pesic: "Bayern hat die größte Zukunft in Europa"

Vater und Sohn: Ex-FCBB-Trainer Svetislav Pesic (r.) und Marko, aktuell Geschäftsführer bei den Bayern. Foto: sampics/Augenklick

Der Ex-Coach der FCB-Basketballer spricht hier über sein Comeback beim FC Barcelona, die Entwicklung der Münchner und gemeinsame Pläne mit Hoeneß. "Ich fühle mich immer noch als Teil der Familie."

München - AZ-Interview mit Svetislav Pesic: Der 68-Jährige trainierte von 2012 bis 2016 den FC Bayern Basketball. Aktuell steht er beim FC Barcelona unter Vertrag.

AZ: Herr Pesic, für das Kids-Basketball-Camp "Hand in Hand" haben Sie am Sonntag Ihr Comeback als Trainer im Audi Dome, der Halle Ihres Ex-Klubs FC Bayern Basketball, gegeben. Wie war das?
SVETISLAV PESIC: Ich bin sowieso sehr oft in der Halle. Ich bin eigentlich weg, aber irgendwie immer noch auch da. Ich bin weiter in engem Kontakt zu allen: mit meinem Sohn Marko (FCBB-Geschäftsführer; d. Red.) sowieso, der Geschäftsstelle, den Trainern, dem Präsidenten. Ich freue mich sehr, dass sich dieser einmalige Klub so gut entwickelt hat. Als wir hier angefangen haben, war hier gar nichts. Jetzt ist der FC Bayern Basketball mehr als nur Part des Vereins. Mit seiner Entwicklung hat er sich Respekt in ganz Europa erarbeitet.

Sie gelten als harter Coach. Waren Sie mit den Kindern etwas nachlässiger als sonst?
Ich habe immer gerne mit Kindern und Jugendlichen trainiert. Wenn du mit den Profis arbeitest, wirkt sich deine Arbeit nicht so schnell aus wie bei Jugendlichen. Sie lernen sehr schnell und das gefällt mir als Trainer natürlich.

Coachen Sie auch Ihrem Enkelsohn Luca schon ein wenig?
Ja, wir haben vor Kurzem hier ein wenig zusammen trainiert. Luca ist jetzt 13, spielt in der U14 des FC Bayern. Aber Talent reicht nicht, es muss auch richtig trainiert werden. Bis jetzt war Basketball für ihn ein bisschen mehr zum Genießen. Jetzt rückt das Training mehr in den Vordergrund.

Svetislav Pesic über seine Trainer-Zukunft

Sie sind Anfang des Jahres zum FC Barcelona zurückgekehrt, gewannen den spanischen Pokal. Ein Traumcomeback?
Nach meinem ersten Engagement dort (2002 bis 2004; d. Red.) bin ich immer in Kontakt und einem sehr guten Verhältnis zu Barcelona geblieben, habe meinen Urlaub häufig dort verbracht. Damals war Jose Bartomeu als Vorstand für die Basketball-Sektion zuständig, jetzt ist er Präsident. Er hat mich im Januar angerufen und mich darum gebeten, den Trainerposten zu übernehmen. Ich habe eigentlich gedacht, dass meine Karriere bei Barça schon vorbei ist. Und jetzt geht es wieder von vorne los.

Sie haben Ihren Vertrag gerade um ein Jahr verlängert. Denken Sie mit 68 Jahren nicht langsam mal ans Aufhören?
Ich habe in meiner Lebens- und Basketballphilosophie immer in olympischen Zyklen geplant. Nun plane ich von Saison zu Saison. Da, wo ich im Moment bin, macht es mir sehr viel Spaß. Wenn ich morgens aufstehe, freue ich mich darauf, in die Halle zu gehen und mit den Jungs zu trainieren. So lange das so ist, werde ich auch weitermachen. Ich bin noch fit.

Wie haben Sie die Entwicklung des FC Bayern seit Ihrem Abschied 2016 verfolgt?
Die sportlichen Resultate kommen nicht von gestern und weil viel Geld reingesteckt wurde. Organisation und ein stabiles Fundament sind entscheidend. Der FC Bayern bewegt sich jetzt auf einem sehr hohen Level. Fußball ist in München nicht nur ein anderer Sport, sondern eine andere Liga. Sich da als zweite Sportart durchzusetzen, ist nicht einfach, aber jetzt endgültig der Fall. Bayern hat jetzt das komplette Paket, immer mehr auch seine eigenen Fans, unabhängig vom Fußball. Das war immer das Ziel, schon als ich hierhergekommen bin: Dass wir am Abend Euroleague spielen und gleichzeitig die Fußballer in der Champions League – und der Audi Dome trotzdem ausverkauft ist.

Pesic: Bayerns neue Halle wird immer ausverkauft sein

Was ist in München nach dem Double nun noch möglich?
Bayern hat das größte Potenzial oder auch die größte Zukunft in Europa. Natürlich gab es Rückschläge, speziell als Uli Hoeneß im Gefängnis war, da haben alle gesehen, wie wichtig er als Präsident für den Erfolg des FC Bayern Basketball ist. In der Euroleague zu spielen, ist dabei wichtig. Mit der neuen Halle wird ein weiteres Fundament für den Erfolg gebaut. Ich bin sicher, dass die immer ausverkauft sein wird, wenn sie mal steht. Der FC Bayern hat eine große Zukunft vor sich. Ich glaube, dass Bayern in zwei, drei Jahren auch in der Euroleague um den Titel mitspielen kann.

Die Duelle mit Bayern in der aktuellen Euroleague-Saison werden sicher sehr emotional für Sie, oder?
Vor allem das erste Spiel in Barcelona ist für mich schon ein besonderes, weil der FC Bayern weiter in meinem Herzen ist. Und zum Rückspiel reisen wir dann nach München. Ich habe immer noch so viele Freunde hier. Und ich fühle mich immer noch als Teil der FC-Bayern-Familie. In diesen zwei Spielen soll aber der Bessere gewinnen. (grinst)

Mit Petteri Koponen wechselte einer Ihrer Spieler zu Bayern.
Ich kenne ihn sehr gut und wollte ihn schon 2013 nach München holen. Damals war er leider zu teuer für den FC Bayern. Er ist eine große Persönlichkeit, sehr erfahren und absolut professionell. Er kommt immer als Erster zum Training und geht als Letzter. Er wird in München ganz sicher eine Führungsrolle übernehmen.

Pesic: Radonjic ist ein besessener Mann

Bedauern Sie eigentlich die Entlassung von Sasa Djordjevic beim FC Bayern, zu dem Sie ja ein enges Verhältnis haben?
Kein Trainer freut sich darüber, wenn er die Saison nicht beenden kann. Das war aber eine Entscheidung, von der die Klubführung glaubte, dass sie besser für die Entwicklung des Vereins ist. Ich glaube, dass Sasa auch viel von dieser Situation gelernt hat. Die Trainer müssen alles erleben. Besser jetzt als später.

Was halten Sie von seinem Nachfolger Dejan Radonjic?
Ich habe viele Spiele gegen ihn gespielt. Er ist ein besessener Mann, war ein sehr guter Spieler. Er hat überall, wo er bisher war, hervorragende Arbeit geleistet und hatte damit große Erfolge. Wenn der FC Bayern schon die Entscheidung treffen musste, das ein neuer Trainer kommt, haben sie mit ihm eine gute getroffen.

Wann hatten Sie zuletzt Kontakt mit Uli Hoeneß?
Als ich ihn angerufen habe, um ihm zur Meisterschaft zu gratulieren. Wir haben abgemacht, miteinander Essen zu gehen, wenn ich mal wieder in München bin. Jetzt war ich da, aber er ja in Amerika.

Sie sagen ja mal: "Es lohnt sich, den FC Bayern mit Uli Hoeneß noch einmal zu erleben." Als Chefcoach?
(lacht) Ja, das habe ich gesagt. Und dieser Satz gilt immer noch. Alles ist möglich.

 

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