Ex-Präsident nahm ihn zuhause auf Ex-Bayern-Spieler Lars Lunde: "Ich werde Uli Hoeneß ewig dankbar sein"

Er wohnte nach seinem tragischen Unfall bei Uli Hoeneß: Der frühere Bayern-Profi Lars Lunde (l.). Foto: imago images/Ferdi Hartung, dpa/Sven Hoppe

Ex-Bayern-Spieler Lars Lunde spricht im Interview mit der Abendzeitung über seinen tragischen Unfall und die Hilfe des Münchner Ehrenpräsidenten. "Ich bin für drei Wochen bei Familie Hoeneß eingezogen."

 

AZ-Interview mit Lars Lunde: Der 55-jährige Däne spielte von 1986 bis 1989 beim FC Bayern. Nach einem schweren Autounfall im Jahr 1988 lag er zwölf Tage im Koma.

AZ: Herr Lunde, sind Sie ein bisschen traurig, dass Uli Hoeneß nicht mehr Präsident des FC Bayern ist?
LARS LUNDE: Nein, traurig bin ich nicht. Uli hat so viel für den FC Bayern geleistet, und er wird auch nicht ganz weg sein. Wenn ein Mann über so viele Jahre präsent gewesen ist in einem Verein, wäre man ja blöd, wenn man nicht mehr auf ihn hören würde in entscheidenden Fragen. Wie ich Uli Hoeneß kennengelernt habe, wird er für den FC Bayern leben, so lange er atmet. Der Klub ist wie ein Kind für ihn.

Welche Bedeutung hat Hoeneß für Sie persönlich? Nach Ihrem Verkehrsunfall im Jahr 1988, als Sie von einem Zug erfasst wurden, lagen Sie zwölf Tage im Koma. Sie waren 24. Anschließend hat Hoeneß Sie bei sich zu Hause aufgenommen.
Für mein Leben war Hoeneß ganz wichtig. Er hat mich damals ja auch zu Bayern geholt. Leider habe ich die Tore nicht so gemacht, wie man das von mir erwartet hatte. Deshalb habe ich mich in die Schweiz zum FC Aarau verleihen lassen, Ottmar Hitzfeld war mein Trainer. Und dann passierte der Unfall. Von diesem Tag an hat Uli Hoeneß sehr viel für mich getan. Mir geht es heute auch deshalb so gut, weil er für mich da war. Ich werde Uli ewig dankbar sein.

Lars Lunde teilte sich das Zimmer mit Hoeneß' Tochter Sabine

Wie war es denn so, bei Hoeneß zu Hause zu wohnen?
Uli wollte nach dem Unfall, dass ich zurück nach München komme, er wollte ein Auge auf mich haben. Also sagte er: Du wohnst jetzt bei mir! Dann bin ich für drei Wochen bei Familie Hoeneß in Ottobrunn eingezogen, mit Sabine (Hoeneß’ Tochter, Anm.d.Red.) habe ich mir ein Zimmer geteilt. Das war genial, sehr nett von Uli und seiner Familie.

Hatten Sie ein Vater-Sohn-Verhältnis zu Hoeneß?
Es war eher freundschaftlich. Uli ist ja ein bisschen älter als ich, er war mein Boss. Aber er hat immer Wärme mir gegenüber ausgestrahlt, ich habe mich wohlgefühlt. Mein fußballerisches Niveau, das ich vor dem Unfall hatte, habe ich leider nie mehr erreicht.

Haben Sie noch Kontakt?
Ja. Zuletzt habe ich ihn beim Abschiedsspiel von Bastian Schweinsteiger in München gesehen. Mein Kontakt zu Uli läuft immer über Karin Potthoff (Hoeneß’ frühere Sekretärin, d.Red.). Wenn ich nach München komme, schreibe ich ihr eine SMS, dann sagt sie Uli Bescheid. Auch Karin hat viel für mich gemacht, der gesamte FC Bayern. Das zeichnet diesen großen Klub aus: Er hat Herz.

Lars Lunde arbeitet jetzt als Krankenpfleger

Welchen Weg haben Sie nach der Fußballkarriere eingeschlagen?
Ich bin heute als Krankenpfleger im Spital tätig. Das mache ich schon seit 1994. Ich kann davon leben, es ist alles gut so.

Spielen Sie auch noch Fußball?
Ich habe mir kürzlich leider die Schulter gebrochen, aber bin noch aktiv. Ich war Trainer, jetzt bin ich Co-Trainer bei einem kleinen Verein hier in Bern. Den Fußball verfolge ich intensiv, besonders den FC Bayern. Durch Uli bin ich ein Riesenfan geworden. Jeden Samstag um halb vier schaue ich mir die Spiele an.

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