Ex-Polizeichef arbeitet hier 125 Jahre Bratwurst! Glöckl im Glückl

Bei ihnen geht's um die Wurst: Die beiden Glöckl-Chefs Jürgen Morawek (l.) und Bernd Mencner. Foto: Stephanie Bräuer/Bratwurst Glöckl/AZ

Das Münchner Traditionslokal feiert Jubiläum – mit Promis und Stammgästen. Dabei überrascht eine Personalie: Ein Ex-Polizeichef arbeitet hier. Wie das?

 

München – Was in diesem gar nicht so großen Haus schon alles passiert ist, wer hier alles trank (so ziemlich jeder mal), schlemmte (Maximilian Schell liebte besonders den Kaiserschmarrn), flirtete (psst!), das war immens. Doch so berühmt das Nürnberger Bratwurst Glöckl am Dom ist (acht Millionen Bratwürstl/Jahr, 60 Mitarbeiter) und so berüchtigt sein kultiger Wirt Michi Beck (†2009) war, so munter und buchenholzfeurig geht es hier weiter. Das beweisen die beiden Chefs Jürgen Morawek und Bernd Mancner, die gerade ein großes Fest zum 125. Jubiläum veranstaltet haben.

2006 übertrug ihnen die Augustiner Brauerei die Führung, drei Jahre später wurden sie Pächter von dem urig-verwinkelten Lokal, das 1893 von Simon Bäumle eröffnet worden war. Im Bratwurst Glöckl ging – und geht – es tatsächlich immer um die Wurst. Auch im wahrsten Sinne: Harte Zeiten gab es vor allem nach der Insolvenz und dem tragischen Tod von dem doch mehr als ausschweifend lebenden Michi Beck in Manila.

Kult-Wirt Michi Beck († 2009) mit Frau Nadja 2005 in München.
Kult-Wirt Michi Beck (†2009) mit Frau Nadja 2005 in München. Foto: AZ-Archiv

Doch während andere Traditionshäuser, wie zuletzt das benachbarte Andechser, schließen müssen, so scheint das Bratwurst Glöckl nicht wegzudenken und wegzukriegen zu sein. Der Erfolg gibt den Machern recht. Selbst am früher so "toten Sonntag" ist es jetzt immer gut gefüllt. Was im Glöckl fürs Glückl sorgt? "Die vielen treuen Stammgäste, die Münchner", sagt Mencner zur AZ. "Da sind alle Generationen dabei, das freut uns besonders." Und Jürgen Morawek ergänzt: "Die Insolvenz hat uns noch mehr zusammengeschweißt. Ich habe absolutes Vertrauen zu Bernd, wir haben uns außerdem noch nie gestritten."

Münchens OB Reiter ist Stammgast im Glöckl

Beim Jubiläums-Abend gibt es Alphornbläser, Schmankerlplatten für die vielen Stammgäste, Ente, Spanferkel und natürlich die legendären Würste.

OB Dieter Reiter, selbst ein Stammgast im Glöckl, hält eine Rede und sagt: "Das Nürnberger Bratwurst Glöckl am Dom ist ein wunderbares Münchner Beispiel dafür, wie lebendig und modern Tradition sein kann. Nur um sich einmal vorzustellen, was 125 Jahre bedeuten: Vor 125 Jahren nahm das Ortsfernsprechnetz in München mit gerade einmal 145 Anschlüssen – bei 200.000 Einwohnern – seinen regulären Betrieb auf."

Jubiläumsfeier mit besonderem Einsatz: Nach der Rede von Dieter Reiter spielt Jürgen Moraweks Bruder, Ex-Polizeichef Rudolf Morawek (M.), ein Gstanzl im Bratwurst Glöckl.
Jubiläumsfeier mit besonderem Einsatz: Nach der Rede von Dieter Reiter spielt Jürgen Moraweks Bruder, Ex-Polizeichef Rudolf Morawek (M.), ein Gstanzl im Bratwurst Glöckl. Foto: Bratwurst Glöckl

Ja, seitdem hat sich wirklich viel verändert. Das denken sich auch einige Gäste, als sie ein bekanntes Gesicht im gemütlichen Getümmel sehen. Das ist doch . . ? Richtig: Der ehemalige Polizeichef aus Rosenheim, der hier zur Gitarre greift und ein Gstanzl singt.

Rudolf Morawek beeindruckt die Gäste mit seiner Darbietung, zumal sie so gar nicht zu ihm passen mag – wenn man seine Vorgeschichte kennt. Bevor er Polizeichef war, arbeitete er als Leiter der Verkehrsüberwachung in München. Poetische Töne waren damals weniger sein Ding. Das Karriereende als Polizeichef und überhaupt als Polizist erfolgte abrupt und nicht einvernehmlich. Inzwischen arbeitet er im Bratwurst Glöckl und ist für die Reservierungen zuständig. Pächter Jürgen ist sein Bruder.

 

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