Ex-MDR-Chef erschossen Suizid von Udo Reiter: "Über Tod allein entscheiden"

Udo Reiter der Ex-Intendant des MDR ist auf seiner Terrasse erschossen aufgefunden worden. Reiter war ein Unterstützer einer Kampagne gegen schärfere Regeln bei der Sterbehilfe.

 

Berlin - Udo Reiter, der ehemalige Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), ist tot. Der 70-Jährige wurde leblos auf der Terrasse seines Hauses in Gottscheina (Sachsen) gefunden. In der Nähe des Leichnams sei eine Waffe gefunden worden. Die Kripo gehe von Selbstmord aus, ein Fremdverschulden sei aber auch nicht auszuschließen, schrieb die "Bild"-Zeitung. Reiter war ein Unterstützer einer Kampagne gegen schärfere Regeln bei der Sterbehilfe.

Reiters erste Ehefrau starb 2011. Seitdem hatte sich der 70-Jährige gern öffentlich für aktive Sterbehilfe und das Recht, seinen Tod selbst bestimmen zu dürfen, eingesetzt. "Ich möchte nicht als Pflegefall enden, der von anderen gewaschen, frisiert und abgeputzt wird. Ich möchte nicht allmählich vertrotteln und als Idiot vor mich hindämmern. Und ich möchte ganz allein entscheiden, wann es so weit ist", heißt es in einem Kommentar.

Reiter war der Gründungsintendant des MDR, schweißte über 20 Jahre bis zum seinem Ausscheiden die Drei-Länder-Anstalt (Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt) zusammen. Seit einem Autounfall 1966 saß der gebürtige Lindauer im Rollstuhl.

Reiter war gegen schärfere Regeln bei der Sterbehilfe

Mit prominenten Unterstützern wie Liedermacher Konstantin Wecker oder Komiker Bernhard Hoëcker wehrt sich ein Bündnis mehrerer Organisationen gegen schärfere Regeln bei der Sterbehilfe. "Wir meinen, so wie es ein Recht auf Erste Hilfe gibt, das dafür sorgt, dass unser Leben im Notfall gerettet wird, sollte es auch ein Recht auf letzte Hilfe geben", sagte Michael Schmidt-Salomon, Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung (GBS), am Freitag in Berlin. Zu Umsetzung dieses Rechts gehöre auch die Möglichkeit, mit Hilfe eines Arztes "eigenverantwortlich aus dem Leben zu scheiden."

Die von der GBS und der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) initiierte Kampagne fordert, dass das Strafrecht bei der Sterbehilfe nicht verändert werden solle. Auf Großplakaten in Berlin und Frankfurt hatten mehrere Prominente bereits in den vergangenen Tagen für die Kampagne geworben. Am Freitag wurde der Tod eines Unterstützers, des Ex-MDR-Intendanten Udo Reiter, bekannt. Die Polizei geht von Suizid aus.

Aktive Sterbehilfe - Tötung auf Verlangen - ist in Deutschland verboten. Beihilfe zur Selbsttötung - etwa das Besorgen von Gift für einen leidenden Todkranken - ist hingegen nicht strafbar. Der Bundestag will aber 2015 über eine Gesetzesreform entscheiden. Es gibt unterschiedliche Positionen quer durch die Parteien.

 

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