Ex-Löwe im AZ-Interview Thomas Riedl: "Schade, wo der TSV 1860 und Lautern herumdümpeln"

Wünscht sich die Traditionsvereine weiter vorne in der Tabelle: Thomas Riedl. Foto: imago images / Eibner

Thomas Riedl ist gebürtiger Lauterer und war einst der Derbyheld der Löwen. Hier spricht er über das Duell der Traditionsklubs: "Sie bewegen sich im Gleichschritt – nur leider in die falsche Richtung."

 

Der heute 43-Jährige Thomas Riedl ist gebürtiger Lauterer. Von 1999 bis 2001 spielte er für den TSV 1860 und danach nochmal bis 2006 beim 1. FC Kaiserslautern. Im AZ-Interview spricht er über die Situation seiner Ex-Klubs.

AZ: Herr Riedl, haben Sie am Samstag einen Pflichttermin in München?
THOMAS RIEDL: Meinen Sie auf der Wiesn? (lacht) Einen Besuch auf dem Oktoberfest hätte man ja perfekt verbinden können mit einem gewissen Fußballspiel. Aber leider kann ich nicht.

Sie haben etwas Wichtigeres vor als das Duell ihrer beiden Ex-Vereine TSV 1860 und 1. FC Kaiserslautern am Samstag im Grünwalder Stadion?
Nein, im Gegenteil: Ich bin als Co-Moderator zu Gast in der Liveübertragung bei SWR Sport. Von daher kann ich zwar leider nicht im Stadion sein, aber ich komme zum Glück in den Genuss, das Spiel zu sehen.

Sechzig gegen Lautern, das ist ein absolutes Traditionsduell. Auf welches Spiel dürfen sich die Fans freuen?
Es wird bestimmt hoch hergehen. Den Sechzgern räume ich aufgrund ihrer Heimstärke vor 15.000 im Grünwalder Stadion einen kleinen Vorteil ein.

Riedl: "Biero macht einen brutalen Job"

Werfen wir einen Blick auf die Trainer: Daniel Bierofka versus Boris Schommers.
Biero macht bei den Löwen einen brutalen Job. Als Identifikationsfigur und Mann für alles hat er den Laden erst zusammengehalten, und das macht er immer noch. Ich denke, er wird 1860 auch jetzt aus der Abstiegszone führen, damit man eine relativ sorgenfreie Saison spielen kann. Und zu Lautern: Ich muss zugeben, ich musste den Schommers erstmal googeln. Bei einem Trainerwechsel weiß man nie, was kommt. Er ist noch ein relativ unbekannter Trainer – mal sehen, was er sich einfallen lassen wird.

Bierofka hatte den 1. FCK wie viele andere Experten vor der Saison als Aufstiegskandidat auf der Rechnung.
Die Voraussetzungen waren bei beiden Teams ja völlig unterschiedlich: Die Löwen hatten nicht unbedingt große Möglichkeiten zu investieren und wollen einen Konsolidierungskurs fahren. Lautern hat die größten Investitionen getätigt, um den Aufstieg zu schaffen. Jetzt bewegen sich beide in ähnlich niederen Tabellenregionen. Man muss ganz klar sagen: Es ist sehr schade, wo Sechzig und Lautern rumdümpeln. Sie bewegen sich gerade im Gleichschritt – nur leider nicht in die richtige Richtung.

Wie schaffen es die Schwergewichte 1860 und Kaiserslautern denn wieder hoch?
Wenn das so einfach zu beantworten wäre. Lauterns Anspruch ist im Gegensatz zu 1860 ja klar formuliert. Sechzig schrumpft sich gerade kleiner, in der nächsten Saison scheint es nicht besser zu werden. Sie werden mehr auf die Jugend setzen, aber auch das ein oder anderen Talent verkaufen müssen. Je länger du in der Dritten Liga bleibst, desto schwieriger wird es jedenfalls, wieder in den bezahlten Fußball zu kommen. Und damit meine ich die Bundesliga und die Zweite Liga, denn erst dort kann man Geld verdienen im Profifußball.

Stichwort Finanzen: Beide Klubs haben einen Investor. Hasan Ismaik ist schon im Jahr 2011 bei 1860 eingestiegen, seit Mitte 2019 engagiert sich der Luxemburger Flavio Becca bei den angeschlagenen Roten Teufeln.
Klar ist, und das gilt für beide Vereine, wie für alle anderen auch: Ohne Investitionen wird es nicht funktionieren – und wenn man nicht zusammenarbeitet, geht es in die Hose. Hasan Ismaik ist bei 1860 ja enorm umstritten. Auf der einen Seite hat er schon über 60 Millionen investiert und jetzt bei den Verpflichtungen von Timo Gebhart und Prince Owusu auf den letzten Drücker mit einem Sponsoring ausgeholfen. Man kann ihm also nicht vorwerfen, er würde Sechzig im Stich lassen. Auf der anderen Seite bekommt man ja mit, wie schwierig die Konstellation mit dem e.V. und Ismaik ist: Da hat die Vereinsseite die Entscheidungshoheit, ist aber eigentlich für den Breitensport zuständig. Ismaik scheint auch ein sehr eigenwilliger Mensch zu sein. Grundsätzlich darf man einem Investor nicht verübeln, dass er Gewinne erzielen will.

Löwen gegen Lautern? "Hat für mich einen Hauch von Derby-Charakter"

Und wie haben Sie den Einstieg von Becca verfolgt?
Er hat durch seine Mittel viel möglich gemacht. Die Einkäufe wären ohne ihn sicherlich nicht möglich gewesen. Es liegt an der Sportlichen Leitung um Schommers und Martin Bader, die Entwicklung zu lenken. Ich hoffe, dass es schnell nach oben geht, aber in der laufenden Saison sind es schon neun Punkte nach oben und nur einer nach unten. Da sollte man tunlichst schauen, nicht ganz unten rein zu rutschen. Es wäre einfach, wenn sich der Erfolg immer sofort einstellen würde.

Sprechen wir über Ihre eigene Laufbahn: Sie haben zehn Jahre für den FCK gespielt, zwei Spielzeiten für 1860. Wie blicken Sie auf ihre Zeit bei beiden Klubs zurück?
Meine Zeit bei Lautern war wunderbar. Ich bin dort geboren, habe zehn Jahre für Lautern gespielt und bin 1998 Meister geworden. Das ist natürlich nochmal eine andere Verbundenheit als zu den Sechzgern. Aber dort hatte ich auch eine schöne Zeit um die Jahrtausendwende. Wir waren eine super Truppe, viele junge Spieler und alte Haudegen wie Marco Kurz, Bernhard Winkler oder den "Icke" (Thomas Häßler, d. Red.). Schade, dass wir nach einem Jahr ziemlich auseinandergerissen wurden.

Was Ihnen persönlich immer bleibt, ist Ihr Tor gegen den FC Bayern, gleichbedeutend mit einem 1:0-Derbysieg. Noch eine helle Freude oder nervt es auch manchmal, darauf angesprochen zu werden?
Sagen wir es mal so: Es wäre schlimmer, wenn man mich immer nach Abstiegen fragen würde. Aber darüber sprechen wir, wenn es wieder ein Derby gibt. Jetzt freue ich mich auf die Löwen gegen Lautern – das hat für mich auch einen Hauch von Derby-Charakter.

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