Ex-Bayernspieler im AZ-Interview Elber: "Ein Back-up für Lewandowski wäre nicht schlecht"

Training mit den Kids: Giovane Elber besucht das "Freekick Soccer"-Projekt auf der USA-Reise des FC Bayern. Foto: getty images

Giovane Elber, der von 1997 bis 2003 bei den Bayern spielte, spricht im Interview mit der AZ über "Weltklasse"-Lewandowski und Neuzugang Arp.

 

München - Im AZ-Interview schwärmt Giovane Elber von seinem Nachfolger Robert Lewandowski, spricht über mögliche Verstärkungen und lobt Neuzugang Arp: "Der Junge hat mich sehr positiv überrascht".

AZ: Herr Elber, Sie sind als Botschafter des FC Bayern mit auf der USA-Reise. Müssen Sie sich manchmal kneifen, wenn Sie als ehemaliger Mittelstürmer sehen, wie fit Robert Lewandowski bereits wieder ist?
Giovane Elber: Weltklasse. Auch jetzt schon wieder, nach lediglich etwa zehn Tagen im Training. Das beweist seine Klasse und zeigt seine Professionalität. Er war im Urlaub, hat die Zeit hoffentlich genossen, aber trotzdem schon wieder gut trainiert. Er ist im Grunde genau so fit aus dem Urlaub zurückgekommen, wie er zu Beginn war.

"Das Spiel ist ein ganz anderes als vor zehn Jahren"

Andere Zeiten, andere Sitten.
Also, ganz ehrlich, das hätte ich nicht geschafft (lacht). Das war früher anders. In der Vorbereitung habe ich damals schon mindestens zehn Tage gebraucht, um einigermaßen wieder fit zu werden. Aber daran sieht man, wie die Spieler von heute denken. Das Spiel ist ein ganz anderes als vor zehn, 15 Jahren – viel schneller, viel athletischer. Die Spieler müssen einfach fit zurückkommen.

Lewandowski wird bald 31 Jahre alt, kommt also langsam in ein für Feldspieler kritisches Alter, in dem es auf die Zielgerade der Karriere geht. Bei ihm hat man allerdings nicht das Gefühl, dass er altert.
Ich hoffe, dass Robert von Verletzungen verschont wird. Und dann kann er noch sehr, sehr lange spielen. Er ist gut drauf, hat eine Traum-Figur, einen Super-Körper.

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge betonte, Robert sei "happy bei uns". Die Vertragsverlängerung um weitere zwei Jahre bis 2023 steht wohl kurz bevor. Letztes Jahr im Sommer wollte er unbedingt weg, träumte von Real Madrid.
Robert hat gemerkt, dass es keinen Sinn macht, wenn er immer wieder sagt: ‘Ich will weg, ich will weg.’ Das bringt nichts. Auch das ist ein weiterer Schritt in Sachen Professionalität: zu akzeptieren, dass er einen Vertrag hat.

Arp ist bei den Bayern, um zu lernen

Mittlerweile ist nicht ausgeschlossen, dass Lewandowski seine Karriere beim FC Bayern sogar beendet.
Er macht sein Ding auf dem Platz, erzielt seine Tore – damit sind wir sehr zufrieden. Alles weitere werden wir sehen. Es wäre sehr schön, wenn er nicht nur weitere zwei Jahre, sondern sogar noch länger beim FC Bayern bleiben könnte.

In den ersten beiden Testspielen auf dieser US-Tour hat der erst 19-jährige Jann-Fiete Arp zwei freche Halbzeiten gespielt – einmal als Linksaußen, einmal als Rechtsaußen – und dabei gute Ansätze gezeigt.
Der Junge hat mich sehr positiv überrascht. Man sieht: Er will was zeigen. Aber klar, er ist noch jung. Wichtig ist, dass er befreit spielt, dass er sich keinen Kopf macht, nicht zu viele Gedanken. Die älteren, die erfahreneren Spieler müssen Leistung bringen. Arp ist hier, um zu lernen.

Wäre es nicht sinnvoll, Arp auszuleihen, damit er in einem anderen Klub mehr Spielpraxis erhält?
Nein, ich hoffe, dass er bei uns bleibt. Denn mit einem wie Robert Lewandowski im Kader kann er so viel im Training lernen, auch den gesamten Verein als Neuling besser kennenlernen. Und dann kann er sich, so die Hoffnung, etwas mehr zeigen. Auch wenn natürlich das ein oder andere schlechte Spiel dabei sein wird.

Ein weiterer Stürmer wäre "nicht schlecht"

Braucht der FC Bayern neben Lewandowski und Arp einen weiteren Stürmer?
Wenn noch einer kommt, wäre das nicht schlecht. Es kann immer irgendeine Verletzung passieren. Und wenn Robert in der entscheidenden Phase der Meisterschaft oder der Champions League verletzt ausfällt, wäre das sehr schlecht für uns. Falls also jemand auf dem Markt ist, der zu uns passen würde, wäre das aus meiner Sicht super.

Hätten Sie vielleicht einen brasilianischen Stürmer im Auge?
Nein, aktuell nicht. Everton von Gremio Porto Alegre, der eine gute Copa América gespielt hat, wurde schon verkauft (steht vor einem Wechsel zum FC Arsenal; d. Red.). Ich bin mittlerweile häufiger in Deutschland als in meiner Heimat Brasilien, unsere Scouting-Abteilung hat da den besseren Überblick.

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