Ex-Bayern-Torhüter Jean-Marie Pfaff: „Früher Belgier, jetzt Bayer“

Ned schaung! Jean-Marie Pfaff wird nach 30 Jahren wieder neu in Tracht eingekleidet. Foto: Rauchensteiner

Der ehemalige Torwart des FC Bayern kleidet sich für die Wiesn neu ein – hier spricht er über seine Leidenschaft für das Fest, seine Zeit in München – und erklärt, warum seine Kinder Bayerisch sprechen.

Herr Pfaff, vor 30 Jahren haben Sie Ihre erste Lederhose bekommen. Jetzt gibt’s wieder eine neue. Wie sieht Ihr Wiesn-Programm aus?

JEAN-MARIE PFAFF: Ich war schon letzte Woche Dienstag bis Freitag da, habe drei Vorträge gehalten und das Bayern-Spiel gegen Wolfsburg angeschaut. Nun halte ich einen Vortrag bei einem Logistikunternehmen. Mein Thema: Nummer eins werden und Nummer eins bleiben. Danach geht’s mit 80 Leuten ins Hacker-Zelt. Am Dienstagnachmittag bin ich im Hippodrom, Mittwochabend bei Käfer, Donnerstag im Weinzelt, Freitag und Samstag nochmal bei Käfer, und nach dem Hoffenheim-Spiel fliege ich wieder zurück.

Ein strammes Programm! Sie sind ja richtig vernarrt in die Wiesn.

Meine ganze Familie hat Heimweh nach der Wiesn. Die Kinder haben einen Wiesn-Besuch immer gefeiert wie ein Fest. Willi Hoffmann, der damalige Bayern-Präsident, hat für die Kinder der Bayern-Spieler immer alles organisiert: Oktoberfest, Kinderfasching. Das war ein toller Präsident mit einem großen Herzen.

Sie haben sich damals bei Bayern ja sehr wohl gefühlt...

Ich war ja direkt beliebt. Der Sepp Maier hat mal gesagt: Der Jean-Marie ist einer von uns. Ich war früher Belgier, und jetzt bin ich Bayer. Ich war immer stolz, dass ich hier gespielt habe. Bayern ist unvergesslich. Es waren zwar nur sechs Jahre, aber was für Jahre! Drei Mal deutscher Meister, zwei Mal Pokalsieger. Diese Feste auf dem Marienplatz! Franz-Josef Strauß! Das war ein Leben! Wo haben Sie gewohnt? Ein Jahr in Unterhaching, dann fünf Jahre in Baldham. Die Kinder waren in Neuperlach in der Schule, haben deutsch gelernt. Lyndsey spricht sogar Bayerisch! Wir haben immer den Kontakt nach München gehalten, auch zu Spielern wie Klaus Augenthaler, Lothar Matthäus, Andreas Brehme.

Allzu oft waren Sie in den letzten Jahren nicht in München.

Ich hatte zehn Jahre lang diese Sendung in Belgien: „Die Pfaffs“ mit meiner Frau Carmen, drei Töchtern und sechs Enkelkindern in meiner Villa bei Antwerpen, 267 Folgen, zwei Millionen Zuschauer. Das ist vorbei, jetzt hab’ ich wieder Zeit, bin mit meinen Vorträgen viel in Deutschland – in München am meisten.

Über was genau sprechen Sie in den Vorträgen?

Über meine Karriere. My way, wie Frank Sinatra. Vom Straßenfußballer zum Weltstar. Darüber, wie man mit Enttäuschungen umgeht, wie man mit Kollegen umgeht. Hier in München gehen wir noch ins Olympiastadion und ich erzähle, wie ich damals in der 90. Minute den Elfmeter von Manni Kaltz gehalten habe. Und vom 9:8 gegen Saloniki, als ich zwei Elfer gehalten und den letzten selbst verwandelt habe.

Wie sahen damals die Wiesn-Ausflüge mit dem Team aus?

Wie jetzt: den Trachtenanzug holen und ab ins Käfer-Zelt! Ich war aber dann noch zwei, drei Mal mit den Kindern auf der Wiesn. Die waren ja noch klein, aber sie reden noch heute davon. Als ich heute morgen zuhause weg bin, haben wir noch über München gesprochen. Die Enkelkinder wollen jetzt auch mal ein Spiel im Stadion anschauen. Die laufen zuhause ja mit Bayern-Trikots rum.

 

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