Essen auf dem Oktoberfest Schwere Kost: Aus dem Maststall auf die Wiesn

Hendl auf dem Oktoberfest: Woher das Essen kommt.... Foto: dpa, Soko Naturschutz

Nicht gerade appetitlich, aber völlig legal: Die „Soko Tierschutz“ hat bei konventionellen Geflügel-Betrieben recherchiert, die das Oktoberfest beliefern. Eine Dokumentation über schwere Kost.

 

München - Die Zahlen sind beinahe beängstigend: Knapp 500.000 Hendl, fast 113.000 Paar Schweinswürstl und gut 78.000 Schweinshax’n wurden vergangenes Jahr auf der Wiesn verzehrt – und heuer wird mit einer ähnlichen Bilanz gerechnet. Doch wo kommen diese Massen an Fleisch eigentlich her?

„Aus Bayern“, heißt es plakativ auf den Speisekarten vieler Oktoberfest-Zelte. Das stimmt – aber „glücklich“ waren die meisten „Oktoberfest-Schmankerl“ wohl dennoch nicht. „Den Leuten muss endlich klar werden, dass die regionale Herkunft Massentierhaltung nicht ausschließt“, sagt Friedrich Mülln, Gründer der „Soko Tierschutz“.

Der investigative Journalist und seine Mitstreiter haben in den vergangenen sechs Wochen bei mehreren konventionellen bayerischen Geflügelmästern recherchiert, die Fleisch für Wiesn-Lieferanten produzieren. Die Zustände, die sie dokumentiert haben, sind schwere Kost – aber legal:

  • In einer riesigen Halle mit tausenden Masthühnchen entdeckten die Tierschützer die Überreste einer völlig verwesten Henne. Die übrigen Tiere mussten über die Überreste ihrer Artgenossin hinwegsteigen, um an die Wassertröge zu gelangen. „Andere Tiere konnten kaum laufen und lagen verkümmert am Boden“, sagt Friedrich Mülln.
    Das Problem: In der Geflügel-Mast werden Hybrid-Züchtungen eingesetzt, die schon in 32 bis 42 Tagen schlachtreif sind. Eine Entwicklung, für die „normale“ Hühner Monate bräuchten. Die Turbo-Tiere haben besonders viel des vom Menschen besonders gern konsumierten Brustfleischs – was allerdings dazu führt, dass die Hühner Probleme mit dem Gleichgewichtssinn bekommen. Ihr unnatürlich hohes Gewicht verursacht zudem oft Gelenkentzündungen und Atemwegserkrankungen.
     
  • Ein bayerischer Enten-Züchter, der ebenfalls das Oktoberfest beliefert, wirbt auf seiner Homepage mit Freilandhaltung. „Allerdings gibt es dort eine Zweiklassengesellschaft“, sagt der Tierschützer. „Hinter der Idylle leben tausende Enten in Hallen auf Drahtgittern.“ Die Tiere seien derart überzüchtet, dass einige ständig auf den Rücken fielen und nicht mehr aufstehen könnten. Wasser zum Schwimmen sei weit und breit nicht in Sicht. „So vegetieren die Wasservögel über Unmengen von Fäkalien auf Gitterböden vor sich hin.“
    Problematisch: Anders als etwa bei Masthühnchen oder Mastschweinen gibt es in Deutschland keine gesetzliche Regelung für die Haltung von Wassergeflügel.
     
  • Bei einem anderen Geflügel-Mäster, der bereits 2013 ins Visier der Tierschützer geraten war, habe sich kaum etwas geändert. Friedrich Mülln sagt dazu: „Selbst bei einem kurzen Blick von außen durch einen Belüftungsschacht sah man sterbende und tote Tiere.“
     
  • Ein Puten-Züchter, dem die „Soko“ ebenfalls einen Undercover-Besuch abgestattet hatte, kürze seinen Tieren systematisch die Schnäbel. Mülln: „Außerdem werden völlig überzüchtete Rassen eingesetzt, die nicht einmal ihr kurzes Leben ohne Schmerzen überstehen.“ Denn das gewollte Übergewicht der Vögel führt bei vielen zu Fußballenentzündungen.

Lesen Sie hier: Alle News zum Oktoberfest

Schlimm für Tierschütz und Tierfreunde: „Leider ist fast alles, was auf unseren Bildern zu sehen ist, tierschutzrechtlich erlaubt. Das ist der eigentliche Skandal, auf den wir mit unserem Material hinweisen möchten“, sagt Friedrich Mülln. Und in Bezug auf die Wiesn fügt er hinzu: „Bei Bier wird das Reinheitsgebot hochgehalten und bei Tierprodukten der letzte Dreck aus Massentierhaltung serviert. Wir fordern ein Ende dieser Tierausbeutung und ein Oktoberfest, das auch für die Tiere Anlass zum Feiern wäre.“

Der Münchner Tierschutzverein und weitere Tierschutzorganisationen fordern seit langem die Einführung des Verbandsklagerechts in Bayern, um besser gegen Massentierhaltung und Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vorgehen zu können. Am Donnerstag, 9. Oktober, findet von 15.30 bis 18 Uhr eine Kundgebung zum Thema auf dem Odeonsplatz statt.

 

6 Kommentare