Es wird immer schlimmer Münchner Mieterstammtisch wehrt sich gegen den Preis-Wahnsinn

Der Münchner Mieterstammtisch überlegt, wie man sich besser wehren kann. Foto: Peter Kneffel/dpa

Beim Mieterstammtisch vernetzen sich Betroffene – und überlegen, wie man sich besser wehren kann.

 

München - "Sagt uns, was bei euch los ist", bittet Tilmann Schaich. Er ist Mitorganisator des Münchner Mieterstammtischs und der Demo "Ausspekuliert": "Wohnungsnot ist gesellschaftspolitischer Sprengstoff, aber der Großteil der Stadt steckt den Kopf in den Sand", bringt er das bekannte aktuelle Problem auf den Punkt.

Vernetzung, Austausch und Tipps gegen den Mietwahnsinn in München gab es wieder beim lockeren Treffen in Obergiesing.

"Aktionsgruppe Untergiesing" unterstützt Mieterstammtisch

Der Münchner Mieterstammtisch fand zum neunten Mal statt, rund 60 Münchner waren dabei: Diesmal in der Kneipe Riff Raff – und unterstützt vom Verein "Aktionsgruppe Untergiesing", die seit der Schließung der Gaststätte Burg Pilgersheim 2011 in Untergiesing gegen Gentrifizierung und Mieterhöhungen kämpft.

"Mieter können sich bei uns zusammenschließen und ihre Sichtbarkeit erhöhen", wirbt Schaich für den Stammtisch: "Werde selber Mietaktivist – da muss noch was gehen." Schaich hat vor zwei Jahren eine Modernisierungsankündigung bekommen, aber nie ist was passiert. Jetzt fragt er sich: "Hat die ein Verfallsdatum?" Andere im Raum kämpfen gegen Kündigungen wegen Eigenbedarf oder interessieren sich für das geplante Volksbegehren "Uns glangt’s" und den Vortrag "Bezahlbarer Wohnraum durch ein soziales Bodenrecht?"

Betriebskosten um 700 Euro erhöht: Dieser Münchner klagt jetzt

Der Schwabinger Oliver Nauerz zieht gegen den Vermieter vor Gericht. Die Betriebskosten waren zuvor um satte 700 Euro erhöht worden.

Mieter Oliver Nauerz hat seinen Vermieter verklagt. Der Gerichtstermin am Amtsgericht in der Pacellistraße war am Mittwoch. Ein Vergleich steht im Raum. Das Urteil bekommt Nauerz aber erst am 26. Juli mitgeteilt.

Darum geht es: Der 48-Jährige wohnt in einem 33-Quadratmeter-Appartement in der Mittermayrstraße. Seit 2017 eine neue Hausverwaltung die Nebenkostenabrechnung macht, muss der Pflegeassistent bei der Behindertenhilfe Pfennigparade plötzlich zu den Heizkosten etwa 700 Euro Betriebskosten dazu zahlen. "Das ist in höchstem Maße ungerecht. Anfangs bekam ich von meiner Heizkostenvorauszahlung sogar noch etwas heraus", sagt Oliver Nauerz.

Der Münchner, Sänger der Punk-Band "Einstürzende Musikantenstadl", war auch bei der Demo "Ausspekuliert" sehr engagiert, auf der er spektakulär das Münchner Kindl zu Grabe getragen hat. Er gibt das "Gaudiblatt" heraus.

Nauerz: "Das ist eine verkappte Mieterhöhung"

Oliver Nauerz zahlt eine monatliche Kaltmiete von 462 Euro für seine kleine Schwabinger Wohnung. Jetzt wehrt er sich vor Gericht gegen dubiose Mehrzahlungen: "Das ist eine verkappte Mieterhöhung, die die Hausverwaltung über irgendwelche Betriebskosten einholen will – was sie nicht darf! Weil nichts davon in meinem Vertrag steht. So argumentiert auch mein Anwalt. Der Hausbesitzer soll ein ziemlich reicher Mann sein. Aber die Hausverwaltung versucht bei den Mietern rauszuholen, was geht. Das ist asozial! In meinem Haus wehren sich fast alle. Wir haben schriftlichen Widerspruch eingelegt. Ich hoffe, ich gewinne meinen Prozess um 642 Euro Heiz- und Betriebskosten. Ich habe keine Rechtsschutzversicherung. Falls ich verliere, ist das mein eigenes Risiko. Dann bleibe ich auf den Anwalts- und Gerichtskosten sitzen. Aber ich bin Mitglied im Bündnis Bezahlbares Wohnen. Das ist ein sauwichtiges Thema."

Beim Mieterstammtisch war der Pflegeassistent zum ersten Mal. Am Mittwoch im Gerichtssaal hat sich der Vermieter von seiner Hausverwaltung vertreten lassen. Damit hat Oliver Nauerz gerechnet. Es ist ihm persönlich eigentlich total zuwider, vor Gericht zu ziehen. Aber er fühlt sich hier im Recht. Zum Prozess in der Pacellistraße waren zehn seiner Hausbewohner aus der Mittermayrstraße als Zuhörer gekommen – zur Unterstützung. Oliver Nauerz war wirklich überrascht. Er hat sich gefreut über die große Solidarität: "Fast das ganze Haus von mir war da – und das bei dem schönen Wetter. Ich wünsche mir, dass mein Streit vor Gericht allen zugutekommt."

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