Niederlage gegen BVB Nach Foul gegen Jadon Sancho: Joshua Kimmich sauer über Gelbe Karte

Joshua Kimmich rechtfertigte sich nach seinem Tritt gegen Jadon Sancho. Foto: imago images / ULMER Pressebildagentur

Es war eine untypische Szene für Joshua Kimmich: In der 75. Minute trat der Rechtsverteidiger des FC Bayern Jadon Sancho auf den Fuß - auf den ersten Blick eine Rote Karte. Kimmich selbst wollte davon aber nichts wissen und beteuerte im Anschluss seine Unschuld.

 

München/Dortmund - Na, das hätte den Bayern gerade noch gefehlt. Eine Sperre für Joshua Kimmich, womöglich für mehrere Wochen. Man hätte Neuzugang Benjamin Pavard, aktuell mitten im Akklimatisierungsprozess nach seinem Wechsel vom VfB Stuttgart nach München, ins kalte Wasser werfen müssen auf der Rechtsverteidiger-Position.

Alles andere als ideal für den Ligastart.

Tätlichkeit von Kimmich?

Denn nach seinem Tritt gegen Dortmunds Jadon Sancho hätte Stamm-Rechtsverteidiger Kimmich Rot wegen Tätlichkeit bekommen können – und wäre dann, so die Regeln, wettbewerbsübergreifend gesperrt worden. Je nach Ausgang einer Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht. Doppeltes Glück für den trittfesten Täter Kimmich: Verwarnungen werden nicht registriert, er hatte nur Gelb gesehen von Schiedsrichter Daniel Siebert, selbst nach dem Check in Köln per Videobeweis.

Aber, Moment, handelte Kimmich tatsächlich vorsätzlich? Der 24-Jährige war in DEN Aufreger des 0:2 der Bayern beim Supercup in Dortmund verwickelt. Was war genau passiert? Die 76. Minute: Dortmunds Angreifer Sancho (19) will einen Ball, der neben der Seitenlinie im Aus ist, aufnehmen. Kimmich möchte sich die Kugel für den eigenen Einwurf schnappen, dann passiert’s.

Kimmich: "Wollte den Ball mit der Sohle holen"

Mit der Sohle erwischt er Sancho, der geht schreiend zu Boden. Kimmichs Verteidigungsplädoyer: "Es war so, dass ich den Ball mit der Sohle herholen wollte, und in dem Moment hat der Sancho sozusagen sein Bein davorgestellt, dass ich nicht den Ball holen kann. Ich treffe ihn dann mit der Sohle", sagte der Bayern-Verteidiger: "Es sieht vielleicht schlimm aus. Aber ich hatte überhaupt nicht die Intention, ihm wehzutun oder ihn gar zu verletzen. Das wäre ja pure Dummheit gewesen, weil der Ball ja im Aus war und ich weiß ja, dass da jeder hinguckt. Ich wollte einfach schnell machen."

Mehrmals betonte Kimmich, dass es "gar keine Absicht" war, er entschuldigte sich bei Sancho, der ihm nicht das Gefühl vermittelte, er wäre "richtig sauer" gewesen, so der Täter. Keine Absicht, das kann man ihm auch abkaufen.
Kimmich ist nicht für solche Aktionen bekannt, seine letzte Rote Karte sah er in der A-Jugend. Doch so manch Autofahrer fährt auch unabsichtlich bei Rot über die Ampel. Wenn er erwischt wird, gibt’s dennoch eine Strafe.

Das Kuriose: Kimmich wurde bei seinem trittfesten Auftritt ja erwischt. Und sanktioniert. Verwunderlich, dass der Schiedsrichter nach Check mit dem Videoschiedsrichter Gnade walten ließ – und nur Gelb zeigte. Worüber sich Kimmich mächtig echauffierte und laut eigener Aussagen bei einer Roten Karte "getobt" hätte.

Klar, er plädierte auf nicht-schuldig, da er ohne Absicht handelte. Als Sancho vor Schmerzen schrie, fuhr Kimmich im ersten Moment durch den Kopf: "Das kann doch nicht sein Ernst sein!" Später klang er einsichtiger – bis auf das Strafmaß.

Rückendeckung von Kovac

Worin Kimmichs Vorgesetzten ihn bestärkten. Trainer Niko Kovac erklärte, er habe die Situation nicht gesehen, stellte aber klar: "Joshua macht so etwas nicht mit Absicht." Im Zweifel für den eigenen Spieler. Laut Sportdirektor Hasan Salihamidzic war es "überhaupt keine Karte, nicht mal Gelb". Nun ja.

Sancho, der nur wenige Minuten vor der schmerzhaften Begegnung mit Kimmich das 2:0 für den BVB erzielt hatte, verließ das Stadion mit bandagiertem Knöchel, allerdings ohne ernsthaft verletzt zu sein oder nun gar auszufallen. "Das ist eine glasklare Rote Karte", empörte sich BVB-Sportdirektor Michael Zorc gegenüber FunkeSport. "Nach Ansicht der Bilder fehlt mir jegliches Verständnis, aber wirklich jegliches Verständnis dafür, wie man da in Köln im Keller sitzen kann und sagen kann: Das ist eine Gelbe Karte. Der Ball war im Aus, das Spiel war unterbrochen. Dann war es eine deutliche Tätlichkeit von Kimmich."

Und Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagte zu "SportBild": "Wenn Joshua Kimmich – den ich sonst von seiner Mentalität und allem her sehr schätze – sich die Szene nochmal anguckt, ist er sehr zufrieden mit der Entscheidung des Schiedsrichters, glaube ich."

Könnte sein. Heimlich, still und dankbar.

Hier sehen Sie die Szene im Video:

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