"Es ist zum Verzweifeln" Aufzug erneut defekt: Münchnerin auf Feuerwehr angewiesen

Paul Nöllke.
Heidrun Graf im Januar 2020: Schon damals ist über dem Aufzugknopf ein Zettel angebracht, auf dem "Wartungsarbeiten" steht. Seit Anfang dieser Woche ist dem wieder so. Foto: Daniel von Loeper

Schon zum zweiten Mal fällt Heidrun Grafs Aufzug aus. Will sie aus der Wohnung, muss sie die Feuerwehr rufen. Wann die Störung behoben wird, kann ihr keiner sagen.

 

Haidhausen - Und plötzlich hing wieder dieses Schild am Aufzug. Als Heidrun Graf am Montagnachmittag in ihre Haidhauser Wohnung wollte, steckte es am Knopf für den Lift: "Außer Betrieb".

Für viele Münchner wäre das wohl ein kleines Ärgernis. Für Heidrun Graf heißt es aber, dass sie nicht in ihre Wohnung im dritten Stock kommt – oder, sofern sie in der Wohnung ist, festsitzt. Die 51-Jährige leidet an der Glasknochenkrankheit und ist daher auf einen Rollstuhl angewiesen. Über Weihnachten fiel der Aufzug schon einmal für 16 Tage aus.

Wenn Graf ihre Wohnung verlassen wollte, musste sie die Feuerwehr rufen, die sie aus der Wohnung trug. "Das war mir unglaublich unangenehm", erzählt sie. Als Heidrun Graf diese Woche sah, dass der Fahrstuhl schon wieder defekt war, befürchtet sie deswegen das Schlimmste. "Ich habe Sorge, dass der Aufzug wieder für Wochen ausfällt – es ist zum Verzweifeln."

Keine Auskunft: Wartungsfirma beruft sich auf Datenschutz

Graf arbeitet als Anwältin, sie muss zur Arbeit kommen, Einkäufe erledigen und sich um ihren Hund Franzi kümmern. "Ich hatte trotz allem ein bisschen Hoffnung, dass der Aufzug vielleicht diesmal schnell wieder fährt", sagt Graf. Sie ruft die Firma Kone an, die mit der Wartung des Aufzugs betraut wurde.

Die Telefonnummer ist auf dem Schild am Aufzug angegeben. Bei Fragen bekäme man hier Antworten. Doch die Firma hilft Graf überhaupt nicht weiter. "Wegen Datenschutzes könnten sie gar nichts sagen", klagt Graf. "Ich weiß also nicht, wann der Aufzug wieder funktioniert – schon wieder!"

Als Anwältin in einem Ministerium lebt Graf in einer Dienstwohnung des Freistaats, die von der Stadibau verwaltet wird. Auf AZ-Anfrage äußert der Geschäftsführer Helmut Grotter Verständnis für Graf: "Das tut mir wirklich fürchterlich leid." Die Stadibau würde nun alles dafür tun, damit der Aufzug schnell wieder funktioniere. Wann genau das der Fall sei, das könne Grotter aber auch nicht sagen. "Es hat aber bei uns höchste Priorität."

Heidrun Graf und der Aufzug: "Ein Mysterium"

Wenn Graf ihre Wohnung verlassen will, solle sie wieder die Feuerwehr rufen, rät Grotter. "Das ist nicht optimal, aber die Stadibau übernimmt dafür auch die Kosten." Das sei auch um Weihnachten so gewesen, als der Fahrstuhl ausgefallen war.

Doch mit dieser Lösung ist Graf nicht zufrieden. "Ich bewundere unsere Einsatzkräfte und die Arbeit, die sie tun, sehr", sagt Graf. "Aber gerade deshalb sollten sie nicht ihre Zeit damit verschwenden, mich aus der Wohnung tragen zu müssen, weil der Aufzug nicht funktioniert."

Auch das Geld, das die Stadibau der Feuerwehr für die Einsätze zahlt, sei sicher anderswo besser eingesetzt. "Ich bin es so überdrüssig, jedem erklären zu müssen, warum ich auf den Aufzug angewiesen bin", sagt Graf. "Ich habe in meinem Leben viel mit Aufzügen zu tun, aber so ein Mysterium wie um diesen habe ich noch nie erlebt."

Hausverwaltung denkt an Generalüberholung des Aufzugs

Sie sieht vor allem die Hausverwaltung in der Pflicht. "Die hatten mir auch versichert, dass sie den Wartungsauftrag an die Firma übertragen, die den Aufzug gebaut hat", sagt Graf. Dann könne eine Reparatur in Zukunft vielleicht schneller durchgeführt werden. "Doch das haben sie nicht gemacht", sagt Graf.

Auch das Verhalten der Firma Kone findet sie unangemessen. "Die müssen doch ungefähr sagen können, wann der Aufzug wieder geht." Der Geschäftsführer der Stadibau erklärt, dass schon überprüft werde, ob der Aufzug bald generalüberholt werden kann. "Dann fällt er hoffentlich weniger oft aus."

Für Graf ist das nur ein kleiner Trost: "Der Aufzug ist dann dafür ja wieder außer Betrieb", klagt sie. Wenn Heidrun Graf also in den nächsten Tagen ihre Wohnung verlassen will, wird sie nun wieder die Feuerwehr rufen müssen – solange bis der Aufzug dann irgendwann vielleicht wieder funktioniert.

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