Weil der Aufzug kaputt ist: Münchnerin ist auf Feuerwehr angewiesen

16 Tage lang ist in Heidrun Grafs Haus in Haidhausen der Aufzug kaputt. Will sie in ihre Wohnung, muss sie die Feuerwehr rufen.
| Paul Nöllke Nina Job
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Heidrun Graf mit ihrem Hund Franzi neben dem defekten Fahrstuhl.
Daniel von Loeper Heidrun Graf mit ihrem Hund Franzi neben dem defekten Fahrstuhl.

Haidhausen - Am Abend des 18. Dezember hat sich Heidrun Graf auf dem Tollwood verabredet. Zusammen mit ihrem Sohn will die 51-Jährige ihr Haus verlassen. Doch das geht nicht. "Der Aufzug war kaputt", erzählt Graf, die an der Glasknochenkrankheit leidet und daher auf einen Rollstuhl angewiesen ist.

Aus ihrer Wohnung im dritten Stock kommt sie nur mit dem Fahrstuhl. Kurz überlegt Graf, die Verabredung abzusagen, doch sie entscheidet sich anders. "Mein Sohn hat Autismus, er hatte sich auf den Abend gefreut. Für ihn ist es schwer, feste Pläne abzusagen." Also setzt sich Graf auf die Treppe und rutscht die Stufen herunter. Ihr Sohn trägt den Rollstuhl hinterher. "Das war ja auch nicht ungefährlich, aber es ging nicht anders."

Zwölf Mal muss die Feuerwehr kommen, um zu helfen

Dieser Abend liegt nun 16 Tage zurück. 16 Tage, in denen Graf massiv eingeschränkt war. Wenn sie ihre Wohnung verließ, musste sie die Treppe herunterrutschen. Wenn sie wieder in die Wohnung wollte, musste sie die Feuerwehr rufen, die sie im Rollstuhl wieder nach oben trug. Das war nun schon zwölf Mal der Fall. "Das war mir so unangenehm. Es ist zum Verzweifeln", klagt sie. "Ich konnte keine Besorgungen machen, nicht in den Waschkeller oder zum Briefkasten."

Auch um ihren Hund Franzi machte sich Heidrun Graf Sorgen. "Ich kann zum Beispiel nicht mit ihm rausgehen, das muss jetzt mein Sohn tun." Die Feuerwehr bestätigt Grafs Aussagen. "Wir sind zwölf Mal ausgerückt, um sie in ihre Wohnung zu tragen", sagt ein Sprecher der AZ. "Solche Krankentransporte machen wir, wenn es sonst keine andere Möglichkeit gibt."

Die Kosten für einen solchen Einsatz sind laut Feuerwehr noch nicht vorhersehbar, könnten aber bei bis zu 1.000 Euro liegen. "Wer die Kosten trägt, ist ebenfalls noch nicht sicher", sagt der Feuerwehrsprecher. Laut Graf würde die Rechnung wohl an die Hausverwaltung weitergeleitet, diese habe allerdings jeden Kontakt zu ihr vermieden. "Ich hatte Kontakt zu einem Techniker der Verwaltung, doch seit ein paar Tagen meldet er sich nicht." Auch auf AZ-Anfrage meldet er sich nicht.

Seit Donnerstag fährt der Aufzug wieder

Der Hausmeister Wolfgang Steinke sagt, dass bereits ein Techniker im Haus gewesen sei: "Er hat am Aufzug repariert, allerdings ist dann aufgefallen, dass noch ein Teil kaputt ist." Mit Weihnachten und den Feiertagen sei das natürlich schwierig gewesen. Es sei das erste Mal, dass der Aufzug so lange ausgefallen sei, normalerweise seien Störungen schnell wieder behoben. "Mehr als versuchen, ihn schnell zu reparieren, können wir leider auch nicht", sagt Steinke. Am Donnerstagabend konnte die Aufzugsfirma Schindler jedoch das Bauteil bekommen und den Aufzug wieder instand setzen.

Graf ist darüber froh, befürchtet allerdings, dass der Auftrag von der Hausverwaltung von Anfang an zu spät an die Aufzugsfirma vergeben wurde. "Ich habe sofort am 18. bei der Firma angerufen, aber denen lag bis zum 20. Dezember kein Auftrag vor", sagt sie. "Natürlich wurde es dann knapp vor den Feiertagen."

Graf, die als Anwältin in einem Ministerium arbeitet, lebt in einer Beamtenwohnung, die von der Stadibau GmbH verwaltet wird. Deswegen wandte sie sich in ihrer Verzweiflung sogar an das Bauministerium, die die Wohnungsgesellschaft beaufsichtigt. "Da wurde ich vertröstet", erzählt sie. "Die Situation ärgert mich. Aber noch bitterer finde ich es, dass es offenbar allen egal war." Graf freut sich, dass der Aufzug wieder funktioniert. "Dennoch", sagt sie, "16 Tage solche Einschränkungen, das hätte auch früher behoben sein können."

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