"Da zerspringt mir das Herz" Streit um Karl-Valentin-Orden für Andreas Gabalier

Den Karl-Valentin-Orden durfte Andreas Gabalier anlässlich seines Konzerts in München am 19. November in der Olympiahalle schon einmal bewundern. Foto: Narrhalla e.V.

Die Narhalla vergibt den Karl-Valentin-Orden am 2. Februar an den Musiker Andreas Gabalier. Die Entscheidung sorgte schon im Vorfeld für Streit. Nun hagelt es Kritik von prominenter Seite.

 

Update vom 28. Januar 2019

Die umstrittene Verleihung des Karl-Valentin-Ordens der Narhalla an den Sänger Andreas Gabalier rückt näher: Am 2. Februar soll der selbsternannte Volks-Rock'n'Roller damit geschmückt werden. Nun regt sich prominenter Widerstand gegen das Vorhaben, das schon bei Bekanntgabe im November für viel Kopfschütteln sorgte (siehe Erstmeldung unten).

Die Direktorin des Valentin-Karlstadt-Musäums, Sabine Rinberger, findet deutliche Worte dafür, was sie von der Auszeichnung für Gabalier hält: "Da dreht's mir nicht nur den Magen um, da zerspringt mir das Herz", sagt sie gegenüber dem "BR". Weiter schimpft sie: "Wie kommt man darauf, dass Valentins 'Fremd ist der Fremde nur in der Fremde' irgendeinen Bezug zu Gabaliers rechtspopulistischen homophoben, fremden- und frauenfeindlichen Texten hat."

Auch der Vorsitzende des Valentin-Karlstadt-Fördervereins, Reiner Knäusl, übt harsche Kritik an der Wahl der Narhalla: "Was haben Möllemann, Heino und jetzt Gabalier mit Valentin zu tun? Nichts." Daher sei die Ordensverleihung an Gabalier verfehlt und werde sogar zur Schande, falls der Ordensträger zum rechtsradikalen Spektrum gehören würde, so Knäusl. Er hofft, dass sein Verein bei der nächsten Nominierung mitreden kann, Gespräche dazu würden bereits laufen. 

Der erste Vizepräsident der Faschingsgesellschaft, Günter Malescha, stellt sich gegen die Kritik. Man könne den Musiker keinesfalls einfach in die rechte Ecke stellen und ihm Homophobie oder Frauenfeindlichkeit vorwerfen. Bei seinen Konzerten würden ihn ja auch viele weibliche Fans feiern.


Die Erstmeldung von 28. November 2018

"Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische." Karl Valentin (1882 – 1948)

Mit verstorbenen Künstlern und ihrem ideellen Nachlass ist das so eine Sache. Wer hat die Deutungshoheit über das, was der Verblichene gedacht, getan, hinterlassen hat? An Karl Valentin, dem großen Münchner Humoristen und Satiriker, scheiden sich die Geister inzwischen kaum noch. 70 Jahre nach seinem Tod zählt er unbestritten zum städtischen Kulturgut (was zu Lebzeiten und vor Jahrzehnten durchaus noch manchmal anders war).

Narhalla: Andreas Gabalier wird ausgezeichnet

Wenn es darum geht, Preise in Valentins Namen zu verleihen, kann es dann freilich schon mal strittig werden. Da gibt es den Großen Karl-Valentin-Preis, den Valentin-Biograf Alfons Schweiggert 2007 ins Leben gerufen hat – und den etwa Gerhard Polt, Fredl Fesl und Sigi Zimmerschied erhalten haben.

Und da gibt es den Karl-Valentin-Orden, den die Narrhalla in jeder Faschingssaison vergibt. Zuletzt an FC-Bayern-Star Philipp Lahm, was für einiges Entsetzen unter (selbst-)erklärten Valentin-Anhängern geführt hat. Seit Dienstag steht fest, dass der nächste Preisträger kein Münchner Balltreter, sondern ein Kärntner Sänger ist: Andreas Gabalier (34).

Warum bekommt Gabalier den Karl-Valentin-Orden?

In der Begründung der Narrhalla heißt es, Valentin habe sich ja stets als Volkssänger gesehen – und Gabalier "tritt mit seiner Mischung als Sänger der volkstümlichen Musik und Stadionrock auf. Sozusagen als Volkssänger 2.0." Außerdem würdigt die Narrhalla den Musiker, der etwa wegen seiner konservativen Ansichten zu Homosexualität und Frauen häufiger öffentlicher Kritik ausgesetzt war, für seinen entschlossenen Standpunkt. Sein Song "A Meinung haben" sei "ein Loblied auf das Andersdenken, auf Menschen, die ihr politikverdrossenes Schweigen brechen und hinter ihrer Meinung stehen".

Für Valentin-Puristen mag das befremdlich sein (für Homosexuelle und emanzipierte Frauen womöglich auch).

Alfons Schweiggert, Gründer und Vorstand der Karl-Valentin-Gesellschaft, ist da inzwischen abgeklärt. Man wisse seit Jahren, dass die Narrhalla nun mal einen Preisträger brauche, der den Saal fülle (der große Ball steigt am 2. Februar 2019 im Deutschen Theater; Gabaliers Laudator wird dessen Rock'n'Roll-Kollege Peter Kraus sein).

Ist Gabalier also eine gute Wahl? Schweiggert urteilt salomonisch: "Wenn man damit ausdrücken will, dass Gabalier im Geiste Valentins arbeitet, dann: nein. Wenn man sagt, Gabalier hat Humor, ist berühmt und kann auf der Bühne ein Publikum begeistern, dann: ja."

Schweiggert sagt freilich auch: "Genauso gut könnte man Gabalier den Thomas-Mann-Preis oder den Bert-Brecht-Preis verleihen, weil er seine Texte selber schreibt."

Das hätte dann - auch und gerade im Sinne Karl Valentins - wirklich eine komische Seite.

 

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