Erst Klage, jetzt Verzicht Gasteig-Sanierung: Münchner Architekten ziehen sich zurück

So wird der generalsanierte Gasteig nicht aussehen: Der überarbeitete Entwurf des Büros Auer Weber, das sich aus dem Vergabeverfahren zurückgezogen hat. Foto: Simulation: Büro Auer Weber

Das Büro Auer Weber zieht sich aus dem Vergabeverfahren um die Gasteig-Sanierung zurück und poltert gegen die Verantwortlichen

 

Im Januar gab die Vergabekammer der Regierung Oberbayern den Klagen von Auer Weber Architekten (München) und Wulf Architekten (Stuttgart) weitgehend recht. Die beiden Büros hatten das Vergabeverfahren im Anschluss an den Realisierungswettbewerb für die Generalsanierung des Gasteig gerügt, das Henn (München, Berlin, Peking) für sich entscheiden konnten.

Nun verzichten Auer Weber Architekten auf eine weitere Teilnahme am Verhandlungsverfahren. Das Büro Wulf Architekten wird ein neues Angebot abgeben. Dies bestätigte Tobias Wulf der AZ und fügte hinzu, er hoffe, dass bei der abschließenden Entscheidung die architektonische Qualität entscheide.

Daran hat das Büro Auer Weber seine Zweifel. Die Architekten kritisieren in einer Pressemitteilung, die Gasteig-Geschäftsführung scharf. Die Wettbewerbsbedingungen seien "unfair" gewesen, weil das Büro Henn durch die Erstellung eines Nutzerbedarfsprogramms einen Wissensvorsprung besessen habe.

Gasteig-Sanierung: Münchner Architekten machen Rückzieher

Bei der Auswahl der Bieter sei nicht "die architektonische Qualität der jeweiligen Entwürfe" maßgeblich gewesen, "sondern ausschließlich der Preis, der Personalaufwand, die Qualifikation des Projektteams sowie Konzepte zur Einhaltung der Kostenobergrenze."

Als Begründung für den Rückzug nennt das Büro Auer Weber die ungeklärte Frage des Urheberrechts der ursprünglichen Architekten des 1985 eröffneten Kulturzentrums am Isarhochufer und die Vorab-Festlegungen ihres Sprechers Eike Rollenhagen, der sich öffentlich für den Entwurf des Büros Henn ausgesprochen habe. Dies mache das "zeitliche und finanzielle Risiko für die beiden anderen Bieter ungleich höher und im Ergebnis für uns nicht akzeptabel."

Auer Weber sprechen von einer „Irreführung“ durch die städtische Gasteig GmbH und von einer "lediglich formalen und verfahrenskosmetischen Wiederholung" des Vergabeverfahrens. Der Wettbewerb sei von Anfang an nicht professionell geführt worden. Eine weitere Nachprüfung würde "das endgültige Aus für das Projekt" bedeuten, so Auer Weber. Das sei jedoch nicht ihr Ziel. Man sollte allerdings nicht vergessen, dass das Büro mit der Generalsanierung des Stadtmuseums beauftragt wurde und an einem größeren Streit mit der Stadt München kaum interessiert sein kann.

Architekturbüro spricht von "Irreführung"

Der Gasteig-Geschäftsführer Max Wagner bedauert den Rückzug von Auer Weber. "Die vom Architekturbüro dafür angeführten Gründe können wir nicht nachvollziehen, da sie bereits im Januar 2019 durch die Vergabekammer Südbayern bei der Regierung von Oberbayern als nicht stichhaltig beurteilt wurden." Mit Rollenhagen und den übrigen Rechteinhabern könne erst dann qualifiziert verhandelt werden, wenn eine Planung vorliege.

Rückblickend ist man – wie fast immer – ein wenig klüger. Die Hauptverantwortung für den Murks am Isarhochufer trägt das Preisgericht, das vor fast einem Jahr kurz vor Pfingsten eher lustlos drei erste Preise vergab und sich nicht klar für ein Projekt entschied. Zur Jury gehörten damals der Oberbürgermeister, der zweite Bürgermeister, der Kulturreferent, diverse Stadträte sowie namhafte Architekten und Professoren.

Alle zusammen schoben die Entscheidung samt Verantwortung in die Zukunft – wie man es leider auch aus anderen Bereichen der Stadtpolitik kennt. Und nun können die Scherben zusammengekehrt und -geklebt werden. Eine Mühe, die nicht gescheut werden sollte, denn München braucht ein grundlegend erneuertes Kulturzentrum am Isarhochufer.
 

Lesen Sie hier: Die Generalsanierung bröckelt weiter

 

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