Erst Fahrt mit dem Polo-Gegner Seat Ibiza, die Fünfte: Großer Kleiner

Schicker Kleinwagen: Der Seat Ibiza startet in Kürze in fünfter Generation durch. Diese eigenwillige Lackierung heißt "Mystic magenta". Foto: Rudolf Huber/mid

Die fünfte Generation des Seat Ibiza soll die Kleinwagenklasse ordentlich aufmischen. Das liegt an der Optik und der Technik - aber auch am speziellen Innenleben.

 

Barcelona - Seat setzt seine erfolgreiche Produkt-Initiative fort. Der 4,06 Meter lange Polo-Bruder aus Matorell bringt eine ganze Reihe von Eigenschaften mit, um erfolgreich durchzustarten. Dazu zählen neben dem Design das vergleichsweise große Platzangebot und aktuellste Technik. Den Marktstart hat Seat auf den 10. Juni festgelegt.

Der Ibiza Nr. 5 tritt ein großes Erbe an. Rund 5,4 Millionen der kleinen Spanier wurden in den vergangenen 33 Jahren gebaut. Etwa 750.000 davon wurden in Deutschland verkauft und 450.000 davon sind aktuell noch auf unseren Straßen unterwegs. Stets hatte der Ibiza den Ruf der schicken, agilen und praktischen Alternative zu Polo, Corsa, Fiesta und Co. Aus deren Windschatten soll er in seiner neuesten Inkarnation endgültig herausfahren.


Klare Linien im aktuellen Seat-Look prägen auch das Heck des neuen Ibiza. Foto: Rudolf Huber.

Die Voraussetzungen sind günstig, denn noch vor dem Wolfsburger Dauerkonkurrenten rollt der Ibiza mit der brandneuen MQB A0-Plattform an, einer hochmodernen, sicheren und flexiblen Basis, die ein deutlich gestiegenes Platzangebot ebenso ermöglicht wie eine hohe Verwindungssteifigkeit und ein vergleichsweise geringes Gewicht. Bei leicht gewachsener Breite und annähernd gleicher Außenlänge wurde der Radstand dank MQB A0 um 9,5 Zentimeter vergrößert, das schafft Platz für Ellbogen und Knie, auch in der zweiten Reihe. Der Kofferraum erreicht mit 355 Liter eigentlich schon Kompaktklasse-Niveau. Das qualifiziert den Spanier auch als alltagstaugliches Erstfahrzeug für Paare oder kleine Familien - noch dazu, da er grundsätzlich fünftürig angeboten wird.

Seat hat besonders junge Käufer im Visier - diese Tatsache dürfte der neue Ibiza noch einmal untermauern, denn die Designer haben eine skulpturale Karosserie mit scharfen Kanten und elegant geformten Flächen komponiert. Vor allem im direkten Vergleich mit dem noch aktuellen Vorgänger wird die klarere und modernere Linienführung von den dreieckigen Tagfahrleuchten um die Voll-LED-Scheinwerfer bis zu den rechteckigen Rückleuchten deutlich. Anders ausgedrückt: Die erfolgreiche Formensprache des aktuellen Leon und des Ateca wurde sehr geschickt ins kleinere Format transformiert, ohne eigene Akzente zu vergessen. Das gilt auch für den Innenraum mit dem sehr breit wirkenden Armaturenbrett. Das Bedienkonzept entspricht dem der größeren Brüder, vom Startknopf bis zum Menü des Acht-Zoll-Touchscreens.


Voll vernetzt: Der Ibiza integriert Smartphones über Apple Carplay, Mirror Link und Android Auto. Foto: Seat.

Seat bietet den Ibiza in den Ausstattungsversionen Reference, Style, FR und Xcellence an. Für die Fortbewegung kommt ab dem Sommer zeitlich gestaffelt ein Einliter-Dreizylinder-Benziner mit 48 kW/65 PS, 55 kW/75 PS, 70 kW/95 PS und 85 kW/115 PS zum Einsatz, Ende des Jahres folgt noch ein 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner mit 110 kW/150 PS. Auch eine Erdgas-Variante des Dreizylinders wird zu haben sein, bei diesem Thema will Seat zukünftig deutlich mehr Gas geben. Die 1,6-Liter-Diesel-Palette mit 59 kW/80 PS, 70 kW/95 PS und 85 kW/115 PS wird Ende des Jahres komplett sein. Die Motoren sind entweder an eine Fünf- oder eine Sechsgangschaltung gekoppelt, optional gibt es für einzelne Motorisierungen auch ein Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe.

Und nun zur entscheidenden Frage: Wie fährt sich der neue Ibiza? Bei einem ersten Ausflug in der Stadt, auf auch sehr kurvenreichen und gebirgigen Landstraßen und auf Autobahnen mit dem 115 PS-Turbobenziner kommt schnell der Eindruck auf, in einem erwachsenen, gut verarbeiteten und sympathisch motorisierten Auto unterwegs zu sein. Der kleine Dreizylinder dreht dezent knurrend und sehr flink hoch, befördert den Ibiza in 9,3 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und macht ihn (im fünften Gang) maximal 195 km/h schnell. Auffallend ist der niedrige Geräuschpegel auch bei höherem Tempo, der den Ibiza auch zur Empfehlung für längere Strecken macht. Der Normverbrauch liegt bei 4,7 Liter auf 100 Kilometer, in der Realität kamen bei recht zügiger Fahrweise 5,7 Liter zusammen.


Die Fondpassagiere finden vergleichsweise gute Platzverhältnisse vor. Foto: Seat.

Apropos zügig: Dank des frisch abgestimmten Fahrwerks, des längeren Radstands und der neuen Lenkung verbindet der Ibiza vergleichsweise hohen Komfort sehr elegant mit der von einem Seat erwarteten Sportlichkeit und Kurvenwilligkeit, und das nicht nur in der Sport-Variante FR. Dazu passt auch die Charakteristik des Dreizylinders sehr gut. Schnelle Wedelstrecken auf Landstraßen zweiter und dritter Ordnung entpuppen sich als sehr spaßige und dabei sichere Angelegenheit.

Bei Konnektivität und Infotainment steht der neue Ibiza seinen größeren Marken-Kollegen in nichts nach, das reicht bis hin zur 300-Watt-Beats-Audio-Anlage und der Möglichkeit zum induktiven Laden. Müdigkeits- und Fußgängererkennung sind ebenso zu haben wie die automatische Distanzregelung ACC. Ganz schön erwachsen ist er also geworden, der gar nicht mehr kleine Spanier. Bei den Preisen bleibt er aber am Boden, mit dem 65 PS-Einstiegsbenziner kostet er ab 12.990 Euro, der stärkste Benziner ist ab der Version Style und ab 18.090 Euro zu haben.

 

1 Kommentar