Ergebnisse dauern Wochen München: Chaos bei Corona-Tests auf der Theresienwiese

Die Drive-In-Station auf der Theresienwiese. Foto: Daniel von Loeper

Trotz Corona-Verdachts und Erkrankungen warten Getestete seit über zwei Wochen auf ihr Ergebnis – sie sollen in Quarantäne bleiben.

 

München - "Es ist unglaublich, was man erlebt, wenn man begründet getestet wird", sagt die Münchnerin Erika Zintl. Genau 16 Tage war ihr Corona-Abstrich an der Teststation auf der Theresienwiese gestern her – seitdem hat sie nichts mehr dazu gehört.

"Meiner Familie und mir wurde nach dem Test gesagt: Bis wir das Ergebnis erhalten, müssen wir zu Hause in Quarantäne bleiben." Anrufen, um das Ergebnis zu erfragen, solle sie auf keinen Fall, wurde ihr eindringlich gesagt. "Es hieß, wir würden angerufen."

Getestete warten wochenlang aufs Ergebnis

Die 57-jährige Mediendesignerin hatte vor mehr als vier Wochen auf einer Geburtstagsfeier Kontakt mit einem Covid-19-Infizierten, welcher einen Tag später erste Symptome bekam. "Dessen Hausarzt hatte aber erst eine normale Grippe diagnostiziert", sagt Zintl. Eine Woche später hieß es für den mittlerweile Schwerkranken: Klinik, Koma, künstliche Beatmung.

Das Gesundheitsamt habe sich bis heute nicht bei ihr als Kontaktperson gemeldet, erzählt sie. Dabei war die Lage zu dem Zeitpunkt noch relativ überschaubar – erst eine Woche später war etwa Tirol zum Risikogebiet erklärt worden. Doch auch Erika Zintl wurde krank, bekam Halsschmerzen und Fieber. "Ich habe deshalb die 116  117 angerufen. Drei Tage lang bin ich gar nicht erst durchgekommen. Dann bekam ich einen Termin zwei Tage später."

Seit 19 Tagen in Quarantäne - ohne Ergebnis

Wie Erika Zintl erging es auch dem Münchner Max W. und dessen Freundin. Die beiden 30-Jährigen harren schon seit 19 Tagen in häuslicher Quarantäne aus – und warten auf das Ergebnis ihres Corona-Abstrichs. Grund für den Test war die Infektion einer Arbeitskollegin von W.s Freundin. Der 30-Jährige hatte zu dem Zeitpunkt "Schnupfen und so ein bisschen Müdigkeit", seine Freundin fühlte sich gesund.

Auch die beiden bekamen einen Termin an der Wiesn-Teststation. Nach einer Stunde in der Autoschlange sei ihnen ein Rachenabstrich entnommen worden. Und auch ihnen wurde gesagt: "Bleiben Sie so lange in Quarantäne, bis Sie was hören vom Gesundheitsamt."

Nach langer Zeit des Wartens fragte W. dann doch von sich aus beim Gesundheitsamt an. "Die haben gesagt: ,Bleiben Sie weiterhin in Quarantäne bis Sie etwas hören!’", erzählt der 30-Jährige, der für eine Bank tätig ist. "Dabei würde ich ganz gerne mal wieder zur Arbeit."

KVB: "Teilweise dauert es länger"

Vonseiten der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) heißt es dazu, in der Regel sollten die Testergebnisse nach fünf bis sieben Tage vorliegen. "Fakt ist aber auch, dass es teilweise deutlich länger gedauert hat", räumt ein Sprecher der KVB ein. Spricht der Abstrich für eine Corona-Infektion, meldet sich das Gesundheitsamt bei der betroffenen Person. Ist das Testergebnis negativ, meldet sich die KVB.

Dass die Testergebnisse in manchen Fällen auf sich warten lassen, begründet die KVB mit der enormen Anzahl der Patienten: In den vergangenen fünf Wochen habe die KVB in ganz Bayern mehr als 42.300 Abstriche genommen. Wenn nur rund neun Prozent der Tests positiv seien, habe die KVB rund 38.000 Personen in den vergangenen Wochen informieren müssen. "Man muss leider auch zur Kenntnis nehmen, dass es sich um eine singuläre Ausnahmesituation handelt, die es so noch nie gab", so der KVB-Sprecher.

Verspätete Ergebnisse haben Auswirkungen auf Statistiken

Erika Zintl kann da nur den Kopf schütteln. "Wenn das überall so abläuft, kann man davon ausgehen, dass die täglich veröffentlichten Fallzahlen vorne und hinten nicht stimmen."

Die Gäste der Geburtstagsfeier damals seien fast alle krank geworden. Ein paar von ihnen wurden daraufhin positiv getestet, einige haben wie Zintl noch kein Testergebnis. "Und eine wartet sogar heute noch darauf, dass sie endlich getestet wird", erzählt die Münchnerin fassungslos. Nach so langer Zeit allerdings dürften dann wohl nur noch Antikörper nachweisbar sein.

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