Er liefert nach München und auf die Wiesn Video: Schockierende Vorwürfe gegen Geflügel-Konzern

Erschütternde Szenen in einem Putenmastbetrieb: die schockierenden Bilder. Foto: Soko Terschutz

Tierschützer decken erschütternde Szenen in einem bayerischen Putenmastbetrieb auf und erstatten Anzeige. Der Hof beliefert eine Firma, die bisher als unverdächtig gegolten hat.

 

München - Das Wohlbefinden unserer Tiere ist uns ein wichtiges Anliegen.“ So wirbt der österreichische Konzern „Hubers Landhendl“ im Internet für seine Produkte. Ein „glückliches“ Comic-Huhn hüpft über die Homepage. Dazu werden Bilder von frei laufenden Artgenossen auf einer grünen Wiese gezeigt.

Doch die Realität sieht offenbar anders aus: Die Augsburger „Soko Tierschutz“ wirft jetzt mehreren Zulieferbetrieben Tierquälerei vor – und hat Anzeige erstattet.

Alles ganz weit weg? Von wegen. Die Innviertler beliefern zahlreiche Supermarktketten und mehrere Oktoberfest-Zelte.

Puten, deren Körper mit eitrigen Wunden übersät sind. Schwer verletzte Küken, die sich nicht mehr aufrappeln, den Wasserspender daher nicht erreichen können und verdursten. Faulende Kadaver. Tiere, die mit einem Holzprügel tot geschlagen werden.

Was Friedrich Mülln und seine Mitstreiter von der „Soko Tierschutz“ in den letzten sechs Wochen mit versteckten Kameras aufgenommen haben, ist extrem schwer zu ertragen.

Die Tierschützer waren undercover in fünf süddeutschen und einer österreichischen Mastanlage unterwegs, die den Konzern „Hubers Landhendl“ mit Geflügelfleisch beliefern. Sie dokumentierten, wie Mast-Puten aus mehreren Metern Entfernung in Transportboxen geworfen wurden; wie Tiere über verendete Artgenossen hinwegstolpern; wie Mitarbeiter verletzte Tiere bei lebendigem Leib in Mülltonnen stopften. Und Kisten voller Antibiotika.

Besonders krass waren die Zustände laut Friedrich Mülln auf einem Hof im bayerischen Kreis Dillingen, auf dem 20000 Puten gehalten werden. Dort filmten die Tierschützer, wie ein Helfer mit einem Holzscheit auf versehrte Tiere einschlägt, um sie „notzuschlachten“. Kein einziges ist beim ersten Hieb tot. Die blutenden Puten versuchen zu flüchten und schlagen panisch mit den Flügeln, während der Prügel immer wieder auf sie herabsaust.

Sehen Sie hier das schockierende Video!

Auf einem weiteren Video der Tierschützer ist zu sehen, wie ein anderer Arbeiter Puten schlachtet, indem er sie in einen Trichter steckt und ihnen ohne Betäubung die Kehlen aufschlitzt. Der Todeskampf der Vögel dauert mehrere Minuten.

Beide Praktiken sind klare Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. „Von einer Tötung unter Vermeidung von Schmerzen, wie es dieses Gesetz vorschreibt, kann hier nicht die Rede sein“, sagt Friedrich Mülln. Die Tierschützer haben den Dillinger Betrieb deshalb bei der Staatsanwaltschaft Augsburg angezeigt und die Polizei eingeschaltet. „Wir überlegen noch, ob wir auch gegen die anderen Farmen vorgehen“, sagt Mülln. „Leider ist vieles von dem, was wir dokumentiert haben, der ganz normale Wahnsinn in der Massentierhaltung.“

Die Enthüllungen der „Soko Tierschutz“ haben große Betroffenheit ausgelöst. Auch bei der Wirte-Familie Kuffler, die im Weinzelt 2013 „Hubers Landhendl“ angeboten hat. „Wir haben uns von der Firma Huber beliefern lassen, weil die Tierschutzgesetze in Österreich noch strenger sind als bei uns und und wir dachten, wir tun damit etwas Gutes“, sagt Stephan Kuffler. „Wir sind von dem Skandal überrascht, aber wir werden handeln – schnell.“

Der Austria-Konzern hat bereits Konsequenzen gezogen. Bei den Zulieferern fänden zwar ständig Kontrollen durch Tierärzte und Behörden statt, so das Unternehmen in einem Statement. Aber: Die dokumentierte „unsachgemäße Tötung (...) ist keine von uns akzeptierte Methode. Daher haben wir uns entschieden, bis zur vollständigen Klärung der Vorwürfe, die vertragliche Beziehung zu dem betroffenen Landwirt vorläufig zu beenden.“

 

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