Er kann Geschichte schreiben FC Bayern: Wie wichtig ist der Pokalsieg für Niko Kovac wirklich?

Die Kovac-Frage: Bleibt er? Muss er gehen? Oder wirft er selbst als Bayern-Trainer hin? Foto: imago/Jan Hübner

Vor dem Pokalfinale des FC Bayern gegen RB Leipzig hebt Boss Karl-Heinz Rummenigge den Daumen für Niko Kovac – zu einem klaren Bekenntnis für den Trainer kommt es aber nicht. Tritt dieser gar von sich aus zurück?

 

Berlin - Ein Pokalfinale als Ticket für eine ganze Saison? Auf dem Spiel gegen RB Leipzig am Samstag (20 Uhr/ARD, Sky und im AZ-Liveticker) steht: ein (weiteres) Jahr auf der Trainerbank des FC Bayern. Das erste Spiel seiner ganz persönlichen Relegation hat Niko Kovac gewonnen. 5:1 gegen Eintracht Frankfurt. Dafür gab es die Meisterschale, zwei Bierduschen, eine Medaille, einen Wimpel. Dazu Sprechchöre der Fans, Anerkennung und Lob.

Was fehlte: Lippenbekenntniss seiner Bosse sowie herzliche Umarmungen seiner Spieler. Als Bayern-Trainer Jupp Heynckes Titel feierte, wurde er von den Spielern stets auf Händen getragen und in die Luft geschmissen. Gelebte Leichtigkeit im Konfettiregen.

Mit forschen Aussagen ("Ich bin davon überzeugt, dass es weitergeht") überrumpelte Kovac letzten Samstag die zaudernden Verantwortlichen, dokumentierte kurz darauf seine Unsicherheit ("Ich glaube, dass ich das richtig interpretiert habe").

Rummenigge: Pokalfinale nicht entscheidend für Kovac-Zukunft

Bekommt er, weil man ihm fürs Double Dank schuldet, nach einem gewonnenen Pokalfinale gegen Leipzig endlich Brief und Siegel für die Weiterbeschäftigung, die vertraglich ohnehin bis 2021 fixiert ist? Oder wird Kovacs Arbeitspapier bei einer krachenden Niederlage zum Papierflieger, zu Konfetti? Verbunden mit einem goldenen Handschlag: Danke, Trainer. Und alles Gute weiterhin!

Endspiel um einen Job. Oder doch nicht? "Es wäre verrückt, wenn man das von einem Spiel abhängig macht. Das wäre unverantwortlich", sagte Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsboss, am Freitag bei "Bild" in Berlin. Eine plötzliche Kehrtwende? Damit sagt er indirekt aber auch: Die Entwicklung der Mannschaft über die gesamte Saison wird analysiert. Nichts ist unmöglich. "Nach dem Düsseldorf-Spiel (dem 3:3 Ende November, damals der Höhepunkt der Krise, d.Red.) haben wir uns gesagt, wir ziehen das jetzt durch und stehen hinter Niko Kovac. Und wir haben gesagt: Wir setzen uns nach der Saison zusammen und analysieren alles und dann sehen wir, wie es weitergeht. Daran halten wir fest."

Niko Kovac: Fokus liegt auf RB Leipzig

Auf die Frage, ob Kovac (47) nächste Saison Bayern Trainer ist, hebt Rummenigge den Daumen nach oben, betonte aber, diese Frage sei "mit Ja oder Nein" nicht zu beantworten. Damit konfrontiert, reagierte Kovac am Nachmittag im Olympiastadion mit Pokerface und verbaler Blockade. "Wir haben ein Pokalfinale, lassen Sie uns über den Fußball reden. Ich möchte meine ganze Energie auf die Aufgabe und die Mannschaft stürzen." Auf erneute Nachfrage blockte er wieder: "Priorität hat das Finale. Ich bin hier sekundär. Den Rest werden wir in den nächsten Tagen besprechen können." Wäre es zu abwegig zu glauben, Kovac tritt von sich aus zurück?

Rummenigge hatte Kovac kühl und harsch eine Jobgarantie verweigert und stets auf die Verpflichtung zu Erfolg gepocht. Ein "Mia san mia", das eher auf einer nüchtern-geschäftlichen Basis fußt. "Ich wollte damit zu erkennen geben: Wir dürfen nicht zufrieden sein", erklärte Rummenigge nun. Die Differenzen zwischen Kovac und Teilen der Mannschaft, die sich in taktischer Hinsicht unterfordert fühlen und in der Hitze der Schlacht hilfreiche Flexibilität von der Seitenlinie aus vermissen, lassen auch Kovac-Freund Hoeneß zweifeln. Er schiebt die bald zu lösende Kernfrage weg: "Wir sollten das Thema mal aus unseren Köpfen bringen." Bei einer Feier mit Pokal dürfte er den Schulterschluss mit Kovac suchen.

Doppel-Double: Niko Kovac kann Geschichte schreiben

Für Rummenigge ist das Endspiel eine Win-win-Situation: Gewinnt Bayern, hat der Verein sein 12. Double der Vereinsgeschichte eingesackt. Bei einer Niederlage könnte er eine Trennung vom Trainer intern argumentativ besser vorantreiben. Wenn er denn will.

Mit einem Erfolg gegen RB Leipzig könnte Kovac eine Menge Argumente auf seine Seite schaufeln. Vierter Trainer, der den DFB-Pokal mit zwei verschiedenen Teams gewinnt (nach Otto Rehhagel, Hennes Weisweiler und Karl-Heinz Feldkamp) – was keinem der Herren zwei Mal in Folge gelang. Plus, und das würde Kovac die Krone aufsetzen: Nach dem Gewinn von Meisterschaft und Pokal als Spieler 2003 mit Bayern könnte er zum Pionier der Vereinsgeschichte werden: ein Doppel-Double, als Profi und als Coach. Was im deutschen Fußball einmalig wäre.

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